Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der jüdische Grabstein in der Burg zu Graz
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
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160 Arbeit übermittelt habe, ersuchte mich nach Durchsicht derselben, weil ich dort den hebräischen Text nur transskribieren konnte, eine Photographie des Steines zu veröffentlichen* 1. Dieser Anregung komme ich um so lieber nach, weil ich inzwischen wertvolles Material gefunden habe, welches zu meiner Freude meine Darlegungen restlos bestätigt. Der 40X60 cm große Stein, der hier im Lichtbilde erscheint, welches der Landeskonservator Regierungsrat Dr. Walter Semetowski in . Graz in vorzüglicher Weise angefertigt hat, ist ein in der Umgebung von Graz gebrochener Dolomit, wie er im 14. Jahrhundert bei Bauten in Graz vielfach verwendet worden ist und weist er noch die alte, schlichte Form des Massebentypus auf. Sein aus 10 im Mittelfelde eingemeißelten Zeilen bestehender Text ist folgender: Und es ward zum Klagelaut meine Zither und zum lauten Weinen mein Lied2 durch das Hinscheiden des Vaters, meines Lehrers des Herrn N i s s i m, Sohn des Herrn A h a r o n, sich in der Gegend der unteren Schmiedgasse vor der Stadtmauer befand und vermutlich im Jahre 1480 außer Verwendung kam, ist richtig. Doch herausgeholt dürfte unser Stein, wie auch die anderen beim Baue der Burg verwendeten Steine, von welchen 9 Stück, die gelegentlich der im Jahre 1853 erfolgten Demolierung von Burgbaulichkeiten gefunden und ins Joanneum übertragen worden sind und über die ich später Näheres mitteilen werde, *erst unter Erzherzog Karl worden sein, wie ich dies S. 8 meiner Arbeit dargelegt habe. Vgl. auch Schmut Johann, Aus der Geschichte des niederen Grazer Schul- und Unterrichtswesens bis zu dessen Umgestaltung durch Maria Theresia in ,,Zeitschrift des histor. Vereines für Steiermark“, XXI, Graz 1925, S. 110. Nicht beipflichten kann ich der in der Zeitschrift des histor. Vereins für Steiermark Bd. XVI, Graz 1918, S. 271, geäußerten Ansicht Fritz Popelkas in seinen Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, daß das Judenviertel bereits vor 1439 in der Karlau gewesen sei. Vielmehr bin ich der Ansicht, daß die Ansiedlung in der Karlau viel früher stattgefunden haben müsse. Denn daß die Juden im 15. Jahrhundert in der inneren Stadt wohnten, darauf weist nicht allein das Vorhandensein des in der Gegend der unteren Schmiedgasse gelegenen Friedhofes, sondern auch die in der Frauengasse gelegene Synagoge hin, die noch in einer vom 22. April 1549 datierten Urkunde des Urkundenbuches von St. Georgen a. d. Stiefing, Bez. Wildon, die demnächst von mir an einem anderen Orte veröffentlicht werden wird,-erwähnt wird. Nach meinen Darlegungen sind nun jetzt alle die Obengenannten zu berichtigen, dann aber auch Rosenberg Artur, Beiträge zur Geschichte der Juden in Steiermark, Wien und Leipzig 1914, S. 94, Anm. 3; Schmut, a. a. O., S. 110, die das Datum des Steines in das Jahr 1389 verlegen; ganz besonders aber Schreiner Gustav, Grätz, Grätz 1843, S. 12 und nach ihm Muchar Albert, Geschichte des Herzogtums Steiermark, III., Grätz 1846, S. 137, die den Stein sogar als vom Jahre 1287 stammend, datieren. 1 Bei dieser Gelegenheit möchte ich zwei Irrtümer meiner Arbeit, auf die mich Wachstein aufmerksam gemacht hat, berichtigen. So soll es auf S. 9, Z. 13 v. u. statt ,,Mittwoch“ heißen ,,Freitag“ und auf S. 10, 9. Z. v. 0. statt ,,Samstag, den 9. Juni“ heißen ״Montag, den 11. Juni (nicht wie Wachstein schreibt: 13. Juni)“. Auch wünscht Wachstein, daß es auf S. 9, 12. Z. v. u. für 5140״“ präziser ,,5141“ heißen sollte. Ich meinte natürlich in meiner Arbeit dasselbe, doch hat Wachstein vollkommen Recht. Auch ist auf S. 10, 12. Zeile v.u.für ,,ein einzigesmal“ zu setzen ״zweimal“, vgl. weiter S.161, Anm. 2. 2 Zur Umbiegung dieses in Hiob 30, 31 stehenden Wortes ועגבי״“ in "שיריי“ vgl. auch Ez 3332; Arnos 810 und die Stelle im שלמונית der סליחות לצום ותהי לאבל כינורי ולקול בוכים שינרי] בפטירת אבא מונרי] ר׳ נימים ב׳ ר׳ אהרון