Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Paradiesflüsse des Kurans
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
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152 liehen Paradiese gibt es vier Flüsse: Honig, Milch, Wein und OeL Nur wußte man nicht zu erklären, warum Muhammed von seiner Vorlage abwich und Wasser an Stelle von Oel fließen ließ. Josef Horovitz hat darüber folgende Erklärung: ,,Nur hat Muhammed das Oel (bzw. den Balsam oder den Rahm) durch Wasser ersetzt, das ihm vielleicht auch deshalb unerläßlich erschien, weil es zum Versetzen des Weines nicht entbehrt werden konnte. Des Mischwassers gedenkt er ja, wie wir gesehen, schon in früher Zeit, nennt auch zwei Quellen und —— aus denen die Seligen es schöpfen, und die Dichter werden nicht müde, die Frische solchen Mischwassers immer von neuem zu rühmen und durch Vergleiche anschaulich zu־ machen. Die medinische Stelle, an der die vier paradiesischen Ströme erwähnt werden, 4716, stammt aus der Zeit kurz nach Badr; damals war den Gläubigen der Genuß des Weines noch nicht verboten, wenn auch seine Nachteile ihnen bereits in Erinnerung gebracht worden waren (2216). Den Wein des. Paradieses aber auszumerzen, der ja, wie öfter ausdrücklich hervorgehoben, von solchen nachteiligen Wirkungen frei ist, war eben, deshalb kein Grund vorhanden/' Aber diese Erklärung kann nicht befriedigen. Für die Mischung des Weines stehen Muhammed unzählige Wasserquellen zur Verfügung1, so hat er es nicht nötig, das Oel in Wasser zu verwandeln.. Ich glaube daher folgende Erklärung Vorschlägen zu dürfen. Eine muhammedanische Tradition lautet: ״Die XJeberlieferung von dem Propheten berichtet, er habe folgendes gesagt: ich wurde in einer Nacht zum Himmel emporgeführt, und man zeigte mir alle Paradiesesgärten. Da sah ich darin vier Ströme, einen von Wasser, einen von Milch, einen von Wein, und einen von Honig, wie es im göttlichen Worte heißt: (Sure 4716 f.). Und ich sagte zu Gabriel: ״O Gabriel, woher kommen diese Ströme und wohin gehen sie? Er erwiderte: sie gehen in den Wasserbehälter Kautar2, ich weiß aber nicht, woher sie kommen, will jedoch Gott, bitten, es dir kund zu tun und zu zeigen". Er flehte nun zu seinem Herrn, und es kam ein Engel, grüßte den Propheten und sprach ,0 Muhammed, schließe deine Augen. Und (sagte Muhammed) ich schloß meine Augen'. Dann sagte er: ,Oeffne deine Augen'! Ich öffnete sie und siehe da, ich befand mich bei einem Baume und erblickte ein Zelt aus weißen Perlen, das eine Pforte aus grünem. Hyacinth und ein Schloß aus rötlichem Golde hatte. Ich sah. nun diese vier Ströme unter diesem Zelte hervorfließen3." Diese Tradition ist offenbar aus einer Vereinigung folgender zwei Agadoth über den Ursprung* der Paradiesesflüsse entstanden:. 1 Sure 4452 > 5560 27^8 י 41לל י 18 ל10״8^^ < 30^ י f. ] 8812 י vgl. Horovitz das. S.2 4. Die Tradition nennt viele dieser Wasserquellen mit Namen und bemerkt:. Außer diesen gibt es noch andere Flüsse, die wegen ihrer großen Zahl nicht namhaft gemacht werden können. Wolf, Eschatologie S. 191 f. 2 Das ist der Fluß Muhammeds, aus dem die Muslime nach Ueberschreitung der Höllenbrücke trinken, um dann nie Durst zu empfinden. Wolf, Eschatologie. S. 191, Anim 380. 3 Wolf, Eschatologie S. 192—197.