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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 144

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Neuere Literatur zur Geschichte der gaonäischen Zeit [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 Festschrift sind damals entstanden. Es erfreute ihn sichtlich, daß auch einer von der jüngeren Generation für diese Periode lebhaftes Interesse zeigte, und wir unterhielten uns oft über die einschlägigen Studien. Seinem Andenken sei dieser Aufsatz gewidmet, der eine längst fällige Uebersicht über die neuere Literatur zur gaonäischen Epoche geben will. Die Genisa schüttet noch immer das Füllhorn ihrer Gaben aus, ständig werden uns von dort unerwartete Funde beschert. Als Schechter die Ebjatar-Megilla veröffentlicht hatte, nannte Wilhelm Bacher diese ,,ein neu erschlossenes Kapitel der jüdischen Geschichte1. Was würden er oder Epstein heute sagen, angesichts der weitgehenden Aufhellung der dunklen Jahrhunderte des Uebergangs der jüdisehen Kultur vom Morgenlande nach dem Abendland! Die reichsten Aufschlüsse verdanken wir den Forschungen Jacob Manns. Sein zweibändiges Werk ,,The Jews in Egypt and in Palestine under the Fatimid Caliphs“2 gibt Mitteilungen aus etwa fünfhundert bisher unbekannten Genisa-Fragmenten und obendrein kritische Bernerkungen und Berichtigungen zu vielen anderen, die bereits veröffentlicht waren. Dabei ist auch damit, wie der Verfasser bemerkt, das Material noch nicht ausgeschöpft, weder das der von ihm benutzten Bibliotheken, noch das anderer Sammlungen. Es ist auch so leicht nicht auszuschöpfen, solange nicht alle vorhandenen Dokumente einmal in photographischer Wiedergabe zur Verfügung stehen. Bei dem fragmentarischen Charakter dieser so stark beschädigten Quellen ist es nur einem ganz genauen Kenner der Einzelheiten möglich, den Inhalt zu ermitteln und in den richtigen Zusammenhang einzureihen. Das ist das besondere Verdienst des Mannschen Werkes, daß es das neuerschlossene Material mit den anderweitig bekannten Quellen und Tatsachen in Verbindung zu setzen weiß und so über Personen, Bewegungen und Einrichtungen Licht verbreitet, über die man bisher wenig oder gar nicht unterrichtet war3. Die Quellen sind sehr häufig poetisch gehalten, vielfach so wortreich und weitschweifig geschrieben, daß man ein ganz besonders feines und geschultes Auge haben muß, um aus diesem Schwulst der Rede einen konkreten Inhalt zu ermitteln. Freilich bleibt auch nach den neuen Forschungen vieles weiter dunkel, zu einer zusammenhängenden Geschichte reicht unsere Kenntnis auch jetzt noch nicht aus; Mann ist zufrieden, ,,das Gerippe einer Geschichte“, Beiträge zur Rekonstruktion des Lebens jener Zeiten zu liefern. Das Werk ist in den letzten Jahren so häufig angeführt worden, daß sein Inhalt als bekannt vorausgesetzt werden sollte; angesichts der geringen Anzahl der in Europa verbreiteten Exemplare mag es jedoch nicht überflüssig erscheinen, hier kurz darauf einzugehen. Das Werk ist so angelegt, daß der zweite Band das Quellenmaterial enthält, während der erste es analytisch erläutert und im Zusammenhang mit anderweitig bekannten Nachrichten d^rsteilt. Der be- 1 Jew. Quaterly Review XV 96—0ל. 2 Oxford University Press, Bd. I, 280 S., 8°, 1920; Bd. II, 430 S., 8°, 1922. 3 S. Krauss’Artikel in השלח XLH 71 ff. und הצופה לחכמת ישראל VII 229 ff. sind durch das von Mann veröffentlichte neue Material zum größten Teil überholt.

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