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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 474

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
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474 gegen den Vorwurf des mangelnden Patriotismus wegen seiner Gegnerschaft gegen den Aufstand in Schutz, stellt ihn vielmehr neben den gleich urteilenden Jo eh an an b. Sakkai. Den Bar Kochbaaufstand sieht er mit Büchler als ein rein lokales palästinisches Unternehmen an, bestreitet, daß Akiba Reisen gemacht habe, um für den' Aufstand zu werben, und sucht die befremdliche Tatsache, daß Akiba den Nichtdavididen Bar Kochba als den Messias begrüßt hat,dadurch zu erklären,daßder Siegeslauf des Führers den Lehrer geblendet hat. Im Einzelnen sind da und dort Bedenken und Einwendungen gegen Abrahams Auffassung und Darstellung zu erheben. Aber sie sind geringfügig und können den Dank für die schöne posthume Gabe, die in schöner Ausstattung mit einer Kartenskizze Palästinas und einer Tafel mit Abbildungen hellenistischer und römischer Münzen vorliegt, nicht beeinträchtigen. Breslau. Hermann Vogelstein. Ninia IR Adlerblum: A Study of Gersonides in his Proper Perspective. New York, Columbia University JPress 1926, 140 S. Die seitherige Forschung, meint die Verfasserin, hat von der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters ein Zerrbild entworfen. Sie legte das Hauptgewicht auf die Darstellung des Einflusses des Judentums auf das Christentum, der in Wahrheit nur ganz äußerlicher Art ist, und auf die Anpassung des jüdischen Geisteslebens an das der Umwelt, statt auf die eigentümlich jüdischen Züge. In Wahrheit ist z. B. an Gersonides nicht interessant, was ihn zum Schüler der Griechen macht, sondern gerade, was ihn von nichj> jüdischen Denkern unterscheidet (16). Unter diesen Gesichtspunkten zeichnet die Verfasserin nach einer knappen Uebersicht über sein Leben und den Inhalt seiner Werke nur kurz die Hauptpunkte seines Systems und legt das Hauptgewicht auf die Darstellung des Philosophen in his proper perspective setting, d. h. als Juden. Sie erläutert am Beispiel Jehuda Hallevis den Begriff der jüdischen Weltanschauung: ihr gilt die Prophetie als die einzige wahre Philosophie (90 L). Auch Gersonides begründet seine Kommentare, die ihm größeren Ruhm eingebracht haben als das philosophische Hauptwerk, nicht auf Metaphysik, sondern auf die Bibel; und auch in den Milchamot freut er sich der Feststellung, seine Theorie ״durch Tatsachen“, nämlich durch die biblischen Erzählungen, gesichert zu haben. Der Unterschied, daß nach Gersonides die Wahrheit, wenn auch auf Grund der Geschichte, nur durch methodisches Denken erreichbar ist, macht ihn — im Gegensatz zu Jehuda Hallevi, dem ״typischen jüdischen Philosophen“— zum ״typischen jüdischen Scholastiker“ (101). Aber auch ihm kommt es weit mehr auf die rationale Durchleuchtung des geschichtlichen Judentums, seiner Erzählungen und namentlich seiner Gesetze an, als auf eine aprioristische Konstruktion. Die Forderung der Vf., den. jüdischen Einschlag der jüdischen Denker stärker zu betonen, berührt gewiß sympathisch. Sie neigt zwar in der Dar- Stellung ihrer Vorgänger zu etwas temperamentvollen Uebertreibungen: daß ״die Historiker“ einem Kopf wie Gersonides nur unselbständige Wiederholung griechischer Systeme zugetraut hätten (18), ist ebenso falsch, wie, daß nach ihrer Vorstellung das System des Judentums während des Mittelalters dasselbe für alle war, without any individual Variation (102). Aber sie hat gewiß darin Recht, daß manche Bahnbrecher unserer Forschung unter dem Einfluß der Zeitströmung und in der Entdeckerfreu.de an den erstmals zu Tage tretenden kulturgeschichtlichen Zusammenhängen die Abhängigkeit des Judentums von Griechentum und Islam, des Christentums und des Spinozismus vom Judentum überschätzt haben. Wir sehen heute objektiver: Untersuchungen wie D. H. Baneths Klärung des Verhältnisses zwischen Jehuda Hallevi und Gazzali, Julius Guttmanns Behandlung des Verhältnisses von Glauben und Wissen im Judentum, meine Darstellung der jüdischen Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen suchen durchaus der jüdischen Komponente des jüdisch-mittelalterlichen Denkens neben der griechischen und arabischen gerecht zu werden. Denn ebenso falsch wie die Ueberschätzung der einen Bildungselemente ist die der anderen; und Frau A. ist leider (natürlich auch unter dem Einfluß der Zeitrichtung) dem entgegengesetzten Fehler verfallen wie etwa Joel, wenn sie die Philosophie des jüdischen Mittelalters, soweit sie mehr als .Formel- Weisheit ist, ausschließlich aus dem Judentum erklärt. Hätte sie Recht, so hätte Männern wie Gabirol und Maimuni nicht bereits im Mittelalter der Vor-

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