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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 473

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 473 (sequence 1)
Language
German
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473 Abrahams, Israel: Campaigns in Palestine tfrom Alexander the Great. The Schweich Lectures 1922. London 1927. XII und 55 S-. Die Britische Akademie veröffentlicht drei Vorlesungen, die Ahrahams 1922 gehalten und später für den Druck vorbereitet hat; die letzte Hand anzulegen hat ihm der Tod verwehrt. Mit Recht rühmt der Herausgeber Stanley Cook die Weite des Blickes und die Freiheit der Auffassung, die Abrahams auszeichnen. Aus dieser Weite und Freiheit wächst die reizvolle Dar- Stellung dieses eigenartigen Schriftchens heraus. Es ist keine Skizze der Feldzüge auf dem Boden Palästinas seit Alexander, es bietet keine Einzeldar- Stellungen, sondern es gibt mehr. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stehen die Makkabäerkämpfe. Kaum jemals ist, wie der Herausgeber mit Recht betont, deren Bedeutung mit so viel Wärme und Verständnis behandelt und die vergleichende Methode so instruktiv angewendet worden wie hier. Denn Abrahams hat hei seiner gründlichen Kenntnis der Einzelheiten den Blick nicht auf diese, sondern auf die Gesamtauffassung und die Eingliederung in das geschichtliche Gesamtbild gerichtet. So geht ihm, dem Nichtmilitär, das Verständnis für die militärische Seite auf, und so vermag er vorzugsweise drei Feldzüge allgemein geschichtlich, politisch und militärisch zu behandeln und zu vergleichen: die Makkabäerkämpfe unter Juda, den dritten Kreuzzug und General Allenbys Feldzug zur Eroberung Palästinas im Weltkrieg ■1917. Daneben wird der Zug Alexander d. Gr., der jüdische Krieg gegen Rom und der B/ukochbaaufstand und Napoleons ägyptisch-syrischer Feldzug herangezogen. Dm Kämpfen in Palästina und um den Besitz des heiligen Landes mißt Abra-. h<$ms entscheidende weltpolitische Bedeutung bei, trotz der Kleinheit des. Landes, das niemals eine beherrschende Stellung in der Weltpolitik eingenommen hat. Die militär-geographischen Bedingungen machen es zwischen Aegypten und dem Zweistromlande im Osten zugleich als Angriffsbasis wie als Glacis zu dem begehrten und hartumkämpften Besitz für jede dieser Großmächte. Das hat Täubler bereits deutlich gemacht1, und der Verlauf der militärischpolitischen Entwicklung bis zum Weltkrieg hat diese These bewiesen. Mahans Theorie von dem Zusammenwirken von Land- und Seemacht, die sich Abrahams rückhaltlos zu eigen macht, ist für Palästina mit seiner eigenartigen Lage sicher zutreffend. Sehr fein ist seine Würdigung der militärischen Fähigkeiten Juda Makkabis, den er nicht als Guerillabandenführer, sondern als. großen Feldherrn kennzeichnet. Er rühmt seine sorgfältige Vorbereitung und dann die rasche Durchführung seiner Pläne,, die Vertrautheit mit dem Gelände und mit der Taktik der Gegner, die er an dem für sie ungünstigen Gelände zum Kampf zwang, die Benutzung der inneren Linie, die ihm den Sieg über Nikanor und Gorgias ermöglichte, seine Abneigung gegen die Defensive oder vielmehr seine Fähigkeit, auch die Defensive offensiv zu führen, und seine begeisterte Freudigkeit. Den großen Mangel seiner Führerfähigkeit sieht Abrahams in seinem Unvermögen, die Verpflegung zu regeln. Die strategischen und taktischen Uebereinstimmungen und Verschiedenheiten der späteren Palästinakämpfe werden zum Vergleich berangezogen. Lehrreich, ist auch die Erwähnung des Einflusses der Malaria auf den Feldzug Richard Löwenherz‘ und General Allenbys. Aber es wäre durchaus verfehlt, wollte man in Abrahams Arbeit eine militärische Studie sehen. Er faßt mit Recht die Makkabäerkämpfe nicht als das Ringen von Judentum und Hellenismus in seiner Allgemeinheit auf, sondern als den Kampf zwischen syrischem Hellenismus und judäischem Hebraismus und formuliert das jüdische"Problem -als das des Verhältnisses von Staat und Staatsbürgertum und Religion2. Denn bei den Juden bestand keine Antipathie gegen den Hellenismus, vielmehr ist Antiochos Epiphanes für die Zuspitzung des Konfliktes verantwortlich (S. 14 f., 19). Die Erwähnung des Horns hei Daniel und in späteren Schriften und die arabische Bezeichnung Alexanders als des Zweigehörnten erklärt Abrahams durch Heranziehung der■ hellenistischen Münzen, die seit Alexander den König mit Widderhörnern zeigen. Die volle Auswirkung der Katastrophe des jüdischen Krieges sieht er in dem Bar Kochbakrieg. Mit der ihm eigenen Objektivität nimmt er Josephus 1 30. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. 1912. S. 83 f., jetzt auch Tyche S. 124 ff. 2 Vgl. mein ,,Religion und Staat im nachexilischen Judentum iai MGWJ 69׳ (1925) S. 135 f.

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