Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Theodor-Ahlbecks Bereschit Rabba [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 7)
- Language
- German
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472 dafür, daß sie entschlossen ist, diese Ehrenschuld jüdischer Wissenschaft um den Preis hoher Opfer abzutragen. Die höchste Anerkennung aber, nach Theodor, gebührt Albeck, der das Werk der Selbstverleugnung weiterführt und die künftigen Forscher der Mühe enthebt, auf die Handschriften zurückzukommen. Möge es ihm, möge es uns gegönnt sein, daß er das verdienstvolle Unternehmen ehestens würdig abschließe. Bernhard Heller. J. L. Palache: Het Heiligdom in de Voorstelling der Semietische Völkern E. I. Brill, Leiden 1920, XII +180 ־ Seiten. Wie der Titel ankündigt, handelt es sich um eine vergleichende Studie.. Sie umfaßt eine Einleitung und 5 Kapitel, die sich entsprechend mit den ältesten Heiligtümern: Gotteshaus und Himmel, Gotteshaus und Naturheiligtum, Heiligtum und Kosmos, Heiligtum und Paradies beschäftigen. Es ist eine geschickt geschriebene, lehrreiche Arbeit, reich an Material aus älteren jüdischen Quellen. Die kritische Methode, deren sich der Verfasser bedient, befähigt ihn, viele unhaltbare Theorien abzulehnen, die in den letzten Jahren Anhänger gefunden hatten, und wird viel dazu beitragen, seinen Ruf als nüchterner• Denker auf dem Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft zu festigen. Gerade diese kritische Methode und der klare gesunde Menschenverstand,, mit dem allein er an die vorliegenden Fragen herangeht, machen das Hauptverdienst des Buches aus. Von Anfang an weist Palache die Entwicklung^־', theorie zurück, besonders in der Form, in der sie von der Schule Wellhausens3‘ anerkannt wurde, als durchaus unzureichend, die Tatsachen zu erklären (S. 8),; und immer wieder ist der Leser erfreut über die Ein wände, mit denen es Palache gelingt, die sinnwidrigen Theorien dieser Schule zu zerstören. So schreibt; er z. B., wenn er sich mit der Behauptung Westphals beschäftigt, ,,daß sich Amos sonst nie in ähnlicher Weise geäußert hat46 — ,,nie in einem Buch von 9 Kapiteln!“ (S. 39). Es ist durchaus richtig, wenn er feststellt, daß die Schriftsteller des Alten Testaments nicht Weissager waren, die ein theologischphilosophisches System entwickeln wollten, sondern Sittenprediger, Dichteruswv, und in der Erkenntnis des dichterischen Geistes und seiner Offenbarungen erhebt er sich weit über die Gelehrten, die er mit Scharfblick und Verständnisbeurteilt. Seine Theorie von den Beziehungen zwischen Himmel und Heiligtum,, die er der Westphals gegenüberstellt, ist meisterhaft durchgeführt. Die Anschauung, daß der Himmel der Wohnsitz Gottes ist, ist auch in Israel sehr alt.. Aber zwischen Theorie und Praxis klafft ein weiter Spalt. ,,Man kann nun einmal im Himmel keine Opfer bringen.“ Die Tatsachen zeigen, daß man schon in früheren Zeiten gewisse Stellen auf der Erde für den Wohnsitz Gottes, hielt, wo man ihn finden und mit ihm in Berührung kommen konnte. Das Unlogische, das nach unserer Anschauung in dieser Ansicht klar zu Tagetritt, existierte für die Alten nicht (S. 42 f.). Andererseits ist zu hoffen, daß Palache seine Zustimmung zu Duhms* Ansicht noch einmal überprüfen wird (S. 46), daß nämlich Jesaia 66 gegen den Bau eines Samaritanertempels auf dem Berge Gerizim gerichtet sei und aus der Zeit Esras und Nehemias stamme. Als die Samaritaner gewünscht hatten, sich mit den Juden zu vereinen, war ihre Hilfe zurückgewiesen worden. Unmöglich kann das Volk, das die Unterstützung von seiten der Samaritaner abgelehnt hatte, sie dann dafür getadelt haben, daß״ sie jenes Heiligtum nicht anerkannten, an dem sie nicht teilhaben durften. Aus historischen Gründen sollte die Gruppe von Kapiteln, zu der dieses gehört, zu einem etwas früheren. Datum im Babylonischen Exil als Jes 40 angesetzt, werden. Der Prophet wendet sich gegen den Bau eines Tempels in Babylonien., Auch darin stimme ich mit Palache nicht überein, daß man ein religiöses Motiv für die Zentralisation der Verehrung zum ersten Mal unter Josiali (S. 58• Anm.) findet. Das Gesetz für die dreimalige Wallfahrt (Ex2314 ff.) hatte gewiß׳ eine politische Wirkung, aber seine Grundbedeutung war sicherlich eine religiöse — wie das religiöse Motiv allen Wallfahrten zugrunde liegt. Bei der Lektüre von Palaches Buch fielen mir eine Menge gelungener Stellen auf, welche ich zitieren wollte, aber das würde zu weit führen. Man kann das Buch aufs dringendste empfehlen als die beste Untersuchung des in ihm behandelten Gegenstandes. Harold M. Wiener. (Aus dem Englischen übertragen von B. F.}•