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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 462

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Die Juden in Badia Polesine
Date
1927-01-01
Page
Seite 462 (sequence 2)
Language
German
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462 noch lange in ihren Händen1. Von den Juden, die in Rovigo, Lendinara und Badia wohnten, waren die der ersteren Stadt sicherlich die zahlreichsten und wohlhabendsten, wie aus den Gemeindeakten,, unter denen sich über 20 Druckschriften befinden, hervorgeht2. Rovigo kommt übrigens auch als jüdischer Familiennamen vor. Sein bekanntester Träger ist wohl der Rabbiner Abraham, welcher im 17. Jahrhundert in Modena gewirkt und geschrieben hat. Heutzutage ist im Polesine die Aufsaugung des von jeher an Zahl verhältnismäßig sehr geringen jüdischen Volks teils durch Mischehen noch viel weiter vorgeschritten als sonst irgendwo in Italien. Während nun Urkunden, die Juden in Rovigo und Lendinara betreffend, bekannt geworden sind, dürfte die untenstehende die erste von solchen in Badia— 22 Kilometer von ersterer Stadt entfernt — sein. Sie gibt uns ein Bild von der Wohlhabenheit, wohl durch Geldausleihen erlangt, mehrerer der dortigen jüdischen Familien, von ihrem bedeutenden Grundbesitz und ihren geschäftlichen Beziehungen in der Grafschaft Bologna, also im benachbarten Kirchenstaat. 1427, Mai 9, Indiktion 5. Badia Polesine. Durch zwei Urkunden, 1425, November 15, Indiktion 3, in Badia Polesine von ein und demselben Notar, Jacobus, ausgefertigt, hatten die Juden Abraam Dactari aus Bologna und Dolceta3, Tochter des verstorbenen Juden Musetus4, in ihrer Eigenschaft als Vormünderin ihres Mündels Abraam, Sohnes ihres verstorbenen Ehemannes, des Juden Sabatucius aus Rovigo, sowie als Kuratörin ihres erwachsenen Sohnes Salamon, folgenden Tausch geschlossen: Abraam Dactari hatte der Dolceta sowie dem Salamon von den Be- Sitzungen des Dactarus und seiner Brüder in der Grafschaft Bologna zwei Häuser, ein Häuschen, ein Feld mit Weinbergen und Ulmen, sowie eine Wiese in Oliveto5, einen Weinberg in Musano6, einen Kastanienhain, ferner ein Feld in Oespel!ano7, zwei Hufen Wiesenland in Monteveglio, ferner seine ausstehenden Forderungen im Dorfe Samoggia8 übertragen. Dolceta ihrerseits hatte dem Abraam Dactari ihre und Salamons Forderung von 300 venetianischen Golddukaten an den jüdischen Geldverleiher Leucius in Lendinara, von 90 Golddukaten an den jüdischen Goldschmied Conscilius9 in Badia Polesine, Faktor des Leihhauses des Juden Mizolus aus Ferrara, überlassen, und ihm außerdem in bar 10 Golddukaten sowie 800 Bologneser Pfunde gegeben. Die beiden vorstehenden Verträge werden nun aufgehoben, und statt ihrer erhält Abraam Dactari alle vorgenannten Güter in der Grafschaft Bologna mit Inbegriff jedoch sämtlicher an ihnen haftenden Schulden und Außen- 1 Gessi Roberto, L^rganizzazione di mestiere e l’arte della lana nel Polesine nei secoli 15° e 16°, Nuovo Archivio Veneto, N. S., vol. XVI, parte 2a, S. 222 ss. Gessi Benvenuto, Gli ebrei in Rovigo e il commercio della lana. In memoria di Gddone Ravenna, Padova, 1904, S. 63—82. 2 Morpurgo Edgardo, RivistaIsraelitica, Firenze, 1911, S-20—23,74—75. 3 Dulcitia als jüdischer Mädchennamen findet sich bereits in den ersten Jahrhunderten der üblichen Zeitrechnung auf den Inschriften der römischen Katakomben. Berliner, Geschichte der Juden in Rom, Frankfurt a. M. 1893, I, 76. 4 Wohl aus der Familie des obengenannten Musettus, welche seit Ende des 14. Jahrhunderts eine Leihbank in Lendinara betrieb. 5 Teil von Monteveglio bei Bazzano, Kreis Bologna. 0 Vielleicht Musiano, Teil von Pianoro, Kreis Bologna. 7 Bei Bazzano. 8 Teil von Savigno bei Bazzano. 9 Die Familie Gonsigli wurde im 16. Jahrhundert die angesehendste und ־wohlhabendste des Ghettos von Rovigo, nach dem sie sich von der Republik Venedig mannigfache Privilegien verschafft hatte, Morpurgo Edgardo, a.a.O. 20.

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