Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Beziehungen der Juden zur Freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 461 (sequence 18)
- Language
- German
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461 einmal eine Zeit anbrechen, in der Haß umgewandelt sein wird in Liebe und in der der Name Gottes einzig sein wird bei allen Völkern des weiten Erdenrundes, getreu dem Worte des Propheten: Für eine kurze Weile verließ ich Dich, im Augenblick des Zürnens verbarg ich mein Angesicht vor Dir, Aber mit ewiger Liebe erbarme ich mich Deiner, denn würden auch Berge vergehen und Hügel wanken, so wird meine Liebe nicht von Dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wankend werden. Die Juden in Badia Polesin®. Von Prof. Dr. Ermarmo Loevinson, Direktor des Kgl.'Ital. Staatsarchivs in Parma. Unter Polesine von Rovigo, d. h. dem Land zwischen den Poarmen hei dieser Stadt, verstand man im Mittelalter ein viel beschränkteres Gebiet als heutzutage, nämlich nur die drei Ortschaften Rovigo, Badia und Lendinara mit ihrem Gemeindeland, also ohne das Gebiet Adrias und das zwischen Adigetto und Po1. Juden treten im Polesine erst viel später als in Venedig, Padua, Bassano, Cividale, Verona, Treviso und Capodistria auf, weil sich Handel und Industrie dort viel später entwickelten als hier: Dort blieb bis ins 14. Jahrhundert der Ackerbau fast die einzige Beschäftigung der Bevölkerung2. Wie in den Marken und der Romagna finden wir im Polesine die ersten Juden nicht vor der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, und ebenso wie dort sind es Geldleute, welche die noch fehlenden öffentlichen Kreditanstalten ersetzen3. Durch Kontrakt vom 8. Januar 1386 verpachtete die Gemeinde Lendinara dem Salomone, Sohn des verstorbenen Musetto, sowie dem Musetto, Sohn des verstorbenen Alvicio, den Betrieb einer Leihbank in Lendinara, und am 15. Dezember 1391 schloß die Gemeinde Rovigo einen ähnlichen Vertrag für ihr Gebiet mit dem genannten Salomone, sowie den Gebrüdern Alvicio und Emanuele, Söhnen des verstorbenen Musetto aus Bologna. Beide Kontrakte wurden dann am 30. Dezember 1394 vom Marchese Niccolö von Este bestätigt4. Die wirtschaftlich beste Zeit für die Juden des Polesine scheint die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts gewesen zu sein: Unbehindert konnten sie ihren Geschäften nachgehen. Die Stadtrechte Rovigos, Lendinaras und Badias legten diesen keine wesentlichen Einschränklingen in den Weg5. Namentlich der Wollhandel war und blieb 1 Gessi Roberto, Nuovo Archivio Veneto, N. S., vol. XVI, parte 2a, S. 223. 2 Derselbe, Atti e Memorie della R. Accademia di scienze, lettere ed arti di Padova, N. S., vol. XXV, 1909, S. 57—64. 3 Siehe u. a. Bernardi Amy A., Revue des Etudes Juives, vol. 48—49, Paris 1904. 4 Gessi, Roberto, a. a. 0. 62—64. 5 Statuta peninsulae Rhodigii, Patavii, 1591; Statuta Rhodigii, Lendinariae et Abbatiae, Venetiis, 1648.