Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 16)
- Language
- German
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416 sich uraltes Erbgut birgt. Nicht richtig ausgelegt ist Psalm 26 *בחנני ה. F. gibt ihm den Inhalt, daß der Betende so um die Prüfung Gottes gebetet habe aus dem Bewußtsein, daß er die Prüfung schon bestehen werde, während Jesus demütiger gebetet habe: bringe mich nicht in eine Lage, in der ich als schwacher Mensch der Verlockung zum Bösen erliegen könnte. Diese Gegenüber- Stellung ist irrig, denn das Psalmwort hat nicht jenen Inhalt, es nimmt vielmehr auf die Vergangenheit Bezug und ist gesprochen in der Dankbarkeit gegen Gott für den erwiesenen Beistand zu echtem Tun. Diese Ausstellungen sollen, ebenso wie die zu dem zuerst angezeigten Buche F.s, das Ganze in seinem Wert nicht schmälern, nur berichtigen und ergänzen, um die Benutzung fruchtbarer zu machen. Aus Böhmen. Von Dr. Mas Grunwald. Eger.1) Eindrucksvoll ist der Anblick des sogenannten ״Mordgäßchens“ in Eger, in dem bei dem Egerer Judenmorden 1350 eine Anzahl der unglücklichen Opfer des Fanatismus erschlagen worden sein sollen (vgl. A. Stein, Geschichte der Juden in Böhmen S. 23). Zu sehen ist auch noch der ,,Judenhof‘, wo einst das jüdische Rathaus gestanden hat. An die Judengasse schließt sich bezeichnenderweise, wie u. a. auch in Krems, das übrigens in einem Martyrologium mit Eger zusammen genannt wird (Salfeld, Martyrologium S. 268), die ,,Frauengasse“. Das Ghetto pflegte man in die verworfenste Stadtgegend zu verlegen. Nach Ed. R e i c h 1, Denkmäler des Egerer Ghetto (Egerer Jahrbuch 1875, S. 96 ff.), wohnten in Eger im 14. Jahrhundert 2500 bis 3000 Juden2. Der erwähnte Judenmord, von einem predigenden Mönche am Gründonnerstag 1350 provoziert, war angeblich ״ohne Wissen des Rates“ geschehen, der aber doch dem Könige einige Tausende Schock Geldbuße zahlen und dem einzigen Juden, der sich gerettet hatte (Meir), das Ansässigkeitsrecht gewähren mußte. Die vorhandenen Grabschriften lassen schließen, daß bald darauf wieder Juden in Eger ansässig waren. 1364 bestätigt ihnen Karl IV. den Besitz der Synagoge, des Friedhofes usw., sowie alle ihre Rechte, ,,die sie seit jeher besaßen“. In ,,Unser Egerland“ berichtete kürzlich Archivar Dr. Siegl über die Verbrennung zweier Juden in Eger, die unter König Wladislaw und trotz dessen — wohl verspäteten — Verbotes auf Betreiben von Bamberger Mönchen erfolgt sei. Dieser Exzeß dürfte mit den weiter unten aus Strakonitz und Budweis berichteten im Zusammenhänge stehen. R e i c h 1 bringt auch die Inschrift auf einem Steine, der aus dem alten Beth- 1 Ueber Eger vgl. Jew. Encycl., ferner die Prager und Wiener Grab- Schrifteneditionen, R. Jekel und R. Nathan aus Eger: Leket Joscher ed. Freimann S. XXXVI und XLV1, Mardekhai zum Fisch aus Eger 1500 bei Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden. 2 So auch Stein 1. c. nach Rabb. M. Sachs.