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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. 401

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
401 (sequence 1)
Language
German
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Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur. Von Rabbiner Dr. Dienemann in Offenbach a. M. Es sind in den letzten Jahren einige Bücher geschrieben worden, die der Frage nachgehen, inwieweit das Urchristentum — Urchristentum hier in dem Sinne genommen, daß es die Predigt Jesu selber mit einschließt — mit dem Judentum zusammenhängt, ob es aus ihm, und inwieweit es aus ihm zu erklären ist. Diese Bücher sind ihrem Werte nach sehr voneinander zu scheiden, aber es ist schon ein großer Fortschritt gegenüber einem früheren Zustand, wenn eine Einmütigkeit des Urteils sich herauszubilden beginnt, daß man Jesus und das Urchristentum stärker, als es bisher geschah, aus seinem Zusammenhang mit dem palästinischen Judentum erklären muß. Die Bücher, von denen hier die Rede sei, stehen nicht auf einer Ebene, sie sind innerlich nicht miteinander zu vergleichen, es wird daher gesondert zu ihnen Stellung zu nehmen sein; das geschehe in Anlehnung an das Talmud wort ,,man beginne mit dem Tadel, um dann um so besser zu dem Lobe überzugehen", derart, daß zuerst von einer Schrift die Rede sei, die eine scharfe Ablehnung verdient: Bornhäuser, Die Bergpredigt1. Sie geht von einer ganz bestimmten, aller bisherigen Erklärung entgegengesetzten Auffassung aus, daß nämlich die Bergpredigt nicht, wie es immer gedacht ward, eine Lehre für die Christenheit im Ganzen ist, also eine Lehre für jedermann, eine neue Begründung eines besseren Zusammenlebens der Menschen und einer reineren Frömmigkeit aller, sondern daß sie eine an die Jünger, die zwölf Apostel, und nur an sie, als besonders Herausgehobene und mit Lehramt Beauftragte ergangene Lehre sei. ,,Darum ist jede unvermittelte Verallgemeinerung der Forderungen der Berglehre hinsichtlich ihrer Adressaten über den Jüngerkreis hinaus unberechtigt. Der Nicht Christ ist überfordert, nicht weil er an sich schlechter ist als der Christ, sondern weil Gott nicht zu ihm (durch den Geist) in dem Verhältnisse steht wie zum Christen. Das bloß christianisierte Mischvolk in unseren Volkskirchen ist überfordert, wenn man diese Forderungen wahllos an alle seine Glieder richtet. Vollends unmöglich sind sie als Forderungen an den Staatsbürger.“ Es bleibe dahingestellt, ob dem Verf. die Beweisführung für diese These geglückt ist, dahingestellt bleibe auch, ob nicht in dieser These eine Verflachung der Bergpredigt liegt, eine Verengung, die weder mit der Idee der urchristlichen Gemeinde noch mit dem allgemeinen Priestertum vereinbar ist, der Entscheid darüber steht dem Nichtchristen nicht zu. Vom jüdischen Standpunkt aber muß man sagen, daß man bei solch einer These aufhorcht; sie ist letztlich die Rechtfertigung und Bejahung des stets von jüdischer Seite erhobenen Einwandes, daß sich auf die Bergpredigt 1 Prof. D. Karl Bornhäuser .,Die Bergpredigt/' Versuch einer zeitgenössischen Auslegung. 197 S. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1923. Monatsschrift, 71. Jahrgang. 26

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