Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
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364 Das Erlaubte konnte aber sehr leicht in Verbotenes übergehen, und zwar dadurch, daß man entweder einer anderen Gottheit dort diente oder etwas Heidnisches (z. B. eine Aschera) hinzufügte oder Gaben, welche man nur am Zentralheiligtum hätte opfern sollen, dahin brachte. Stellen wir z. B. I Kön 20lo und Jes 279 zusammen. Dort klagt Elia über das Niederreißen von Altären; hier dagegen rügt Jesaia die Altarsteine. Besteht hier aber ein tatsächlicher Wider- Spruch? Nein, denn Elia spricht von legitimen Kultorten des Ewigen, Jesaia aber von solchen, an denen sich auch Ascherim und Sonnensäulen befanden. Letztere hätte auch ein Elia gewiß mißbilligt. Auf dieselbe Weise müssen wir eine solche Bama wie Samuels (I S 9) von den Bamot, über welche die Königsbücher klagen, streng unterscheiden. Erstere war durch nichts Heidnisches profaniert, und wir können sicher sein, daß Samuel dort nichts Gesetzwidriges getan hat. Letztere dagegen waren mit allerlei religiösen Verbrechen aufs engste verbunden. Wenn der Geschichtsschreiber über die Bamot klagt, so spricht er von ihrem Kultus, wie er sich im Laufe der Zeit gestaltet hatte und ihm aus der Geschichte des Königreiches bekannt war, nicht von solchen Altären und Opfern, welche ein Samuel oder ein Elia als dem reinen Dienste des Ewigen zugehörig betrachteten. Hier muß ich aus Gründen des Raummangels abbrechen. Dieser Aufsatz sollte sich nur mit Buddes Angriffen gegen mich beschäftigen und die wahren Tatsachen in Bezug auf außerkultische Schlachtung und die vom Gesetz behandelten rechtmäßigen Schlacht- und Opferstätten darlegen. In den übrigen Punkten haben sich mit Wellhausen auseinandergesetzt Kegel in N. K. Z. 1924 (Juni und November) und ich selbst in meinen ,,Essays in Pentateuchal Criticism“ Kap. VI1, ״Pentateuchal Studies“ 225—3052 und Bibliotlieca Sacra 1919, 209—220. Auf diese Untersuchungen ist nie eine Antwort erfolgt. Nach vieljährigen Erfahrungen mit den Wellhausenianern sehe ich den Grund darin, daß man keine überzeugende Antwort geben kann. Sefer Maharil. Von Rabbiner Dr. Rosenthal in Köln. Referat auf der Rabbinertagung in Kassel, am 24. Mai 1927, zum 500. Todestag des Maharil (21. Elul 5687). ,,Die Geistlosigkeit auch der angesehensten deutschen Rabbiner in jener Zeit (2. Hälfte des 14־. Jahrhunderts) zeigt sich auch darin, daß nicht einer von ihnen irgend ein bedeutendes talmudisches Schriftwerk hinterlassen hat, daß sie vielmehr sämtlich einen Weg einschlugen, der so recht geeignet ist, Stumpfsinn zu erzeugen. (Die östreichischen Rabbiner) verlegten sich lediglich darauf, die Bräuche der Gemeinden — Minhagim, — denen früher nur eine geringe Aufmerksamkeit geschenkt wurde, niederzuschreiben und zu verewigen. Ihre Jünger und Jakob Möln (Maharil) haben ebenfalls nur solche geistlose Zusammenstellungen hinterlassen, die 1 1910, Oberlin Ohio U. S. A. 2 1912, London und Oberlin.