Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Problem der Säkularisierung des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 23)
- Language
- German
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353 orientierten, das historische Judentum bekennenden Kreise der modernen Judenheit, mögen sie in Einzelfragen mehr konservativ oder mehr freisinnig gerichtet sein, müssen an jenem Aufbauwerk aktiv teilnehmen. Bemühen sie sich nicht selbst aus allen Kräften, die Entwicklung in ihrem Sinn zu gestalten — wen dürfen sie dann verantwortlich machen, wenn wirklich das geschichtliche religiösnationale Judentum untergeht und ein neues pseudo-jüdisches Volk in Palästina entsteht? Nur ihrer eigenen tatkräftigen Mitarbeit wird es gelingen, in Erez Israel ohne Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit Andersdenkender dem dort wiederauf lebenden jüdischen Volkstum im ganzen den Charakter des historischen Judentums zu sichern, es als echtes totales B'rithvolkstum aufblühen zu lassen. Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung. Von Harold M. Wiener in Jerusalem.. Aus dem Englischen übersetzt von H. E. In der Z. A. W. 1926, Heft 3/4, greift Professor Budde einige Behauptungen an, die nach seiner Ansicht ״wesentlich im. Anschluß an Wiener“ vorgebracht worden waren1. Ich fragte den Herausgeber an, ob er mir in derselben Zeitschrift Gelegenheit zur Erwiderung geben würde. Dies wurde mir abgeschlagen. Die strittigen Punkte sind von grundlegender Bedeutung für das ganze Gebäude der Wellhausenschen Schule. Bekanntlich schrieb Wellhausen über seine Stellung: ״Mein Unterschied von Graf besteht zunächst darin, daß ich immer auf die Zentralisierung des Kultus zurückgehe und daraus die einzelnen Differenzen ableite. Meine ganze Position ist im ersten Kapitel enthalten.“2 Eben die Grundlagen dieses Kapitels habe ich angegriffen; ich möchte meine Sache der Oeffentlichkeit vorlegen und ihr die Entscheidung überlassen. § 1• Außerkultische Schlachtung von Haustieren. Budde (a. a. O.) spricht über ״die vergeblichen Versuche, Profan- Schlachtung schon in weit älterer Zeit (nämlich als zur Zeit Josias H. M. W.) nachzuweisen .... Neu ist hier jedenfalls, daß das Deuteronomium jede Schlachtung und Verspeisung eines Herdentieres außerhalb Jerusalems grundsätzlich der von Gazelle oder Hirsch gleichgesetzt, und daß sein Blut ,wie Wasser״ auf die Erde gegossen werden soll. Daß hier ganz Neues angeordnet .... kann nicht ernsthaft bezweifelt werden/״ Hierin folgt er nur Wellhausen3 und spricht einen Satz aus, der für die Evolutionstheorie vom Ursprung der pentateuchischen Gesetzgebung wesentlich ist. Wir haben hier deutlich eine Tatsachen- 1 S. 188—9. 2 Prolegomena zur Geschichte Israels, 1906, 366. 8 S. z. B. a. a. O. § 18 ״zu opfern — oder zu schlachten9 denn beides ist ursprünglich ganz gleichbedeutend.“ S. 51, 52, 62 usw. Monatsschrift, 71. Jahrgang. 28