Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 Dennoch aber trat beim Einsetzen der Diskussion eine Opposition in Erscheinung, die von recht beachtlicher Stelle ausging und alles, was gegen die Neugründung vorgebracht werden konnte, eingehend darlegte. Insbesondere traten auch alle Bedenken, die gelegentlich einer Rabbinerversammlung in Frankfurt a. M. vorgebracht waren, erneut in Erscheinung. Das Ende war, daß trotzdem nach dem Schlußwort von Lucas die ganze Versammlung mit allen gegen zwei Stimmen die Gründung der Gesellschaft zum Beschluß erhob. Im Anschluß daran referierte Dr. Baneth über Arbeitsgebiete und Aufgaben der Gesellschaft. Die Gesellschaft solle Stipendien an jüngere Gelehrte vergeben, wichtige und wertvolle Schriften veröffentlichen bzw. deren Veröffentlichung ermöglichen, Lehrstühle schaffen oder dotieren, öffentliche Generalversammlungen mit wissenschaftlicher Tagesordnung abhalten. Die Förderung der Wissenschaft des Judentums werde zur Notwendigkeit gegenüber dem verheerenden Abfall in den Reihen der Gebildeten, sei aber auch aus Rücksicht auf die Angriffe Andersgläubiger unbedingt erforderlich. Eine wissenschaftlich hochstehende Publizistik würde dem Judentum Achtung und Anerkennung erzwingen. Es folgten die Referate von Dr. Brann und Prof. Geiger. Brann sprach von den Erfahrungen, die er bei der Schriftleitung der Monatsschrift gemacht hatte, und berichtete sodann über Plan und Ausgestaltung des zukünftigen Organs der Gesellschaft. Geiger empfahl die Herausgabe von Berichten über die wissenschaftliche Arbeit eines• bestimmten Zeitraumes nach Art der Jahresberichte für neuere deutsche Literaturgeschichte. Ueber den letzten Punkt 4 der־ Tagesordnung, Statuten und Organisation der Gesellschaft, berichtete Prof. Philippson an Hand des Statutenentwurfs. Nach Beendigung dieses Referates und der sich an die einzelnen Paragraphen anschließenden Diskussion wurden die 21 Einberufer der Versammlung und neben ihnen Prof. Dr. Maybaum, Berlin und Rabbiner Dr. Poznanski, Pilsen in den geschäftsführenden Ausschuß gewählt. Philippson wurde durch die Versammlung zum Vorsitzenden, Lucas zum Schriftführer ernannt.. Bei Uebernahme des Amtes leitete Philippson gewiß nicht zum wenigsten die Erinnerung an seinen Vater Dr. Ludwig Philippson und mich selbst besonders die Erinnerung an meinen Großonkel, den Naturforscher, Dichter und Religionsphilosophen Dr. S. L. Steinheim, den unter anderem treueste Freundschaft mit Gabriel Rießer und Leopold Zunz verband. Nach der ersten Ausschußsitzung, die für den 28. und 29. November nach Berlin berufen war und in der namentlich die Statuten auf Grund von Anregungen der Herren M. A. Klausner und Rechtsan walt Mako wer endgültig festgelegt wurden, fanden zwei überaus 21*