Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 321 (sequence 1)
- Language
- German
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Zum 25 jährigen Jubiläum der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Von Rabbiner Dr. Lucas in G-logau. Seit dem Ende des Jahres 1901 und insbesondere seit Mai 1902 hatte ich die Arbeiten zur Gründung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums höchst intensiv auf genommen1. Fast überall stieß ich auf Interesse und entgegenkommendes Verstänänis. Natürlich fehlte auch die Kritik nicht, Abänderungs- Vorschläge waren nicht selten. Allen Aeußerungen gegenüber wurde an dem ursprünglichen Plan mit voller Bestimmtheit festgehalten. Von ganz besonderer Wichtigkeit war es, daß Herr Professor Dr. Martin Philippson für den Plan gewonnen wurde. Prof. Philippson schrieb mir am 26. Mai 1902: ,,Verehrter Freund! Ueber Ihr jüngstes Schreiben habe ich so reichlich nachgedacht, wie es die Wichtigkeit des Gegenstandes und die liebe und werte Person des Autors erheischte und schließlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, das ich Ihnen hiermit anzudeuten mir erlaube. Gründen Sie zuerst die Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Wissenschaft .... ich stelle mich und meine Mitwirkung Ihnen mit Freuden zu Gebot.“ Diesem Schreiben zufolge war Herr Prof. Philippson von früher geäußerten Bedenken abgekommen und es war in seiner Person, wie ich sogleich wußte, der glänzendste, kundigste und zugleich liebenswürdigste Leiter der Gesellschaft gewonnen. Bald darauf arbeitete ich einen Aufruf aus, der einer Anzahl von Gelehrten, zur Unterzeichnung zugesandt wurde. Mit wenigen Ausnahmen unterschrieben die angegangenen Herren. Trotzdem gelangte dieser Aufruf nicht zur Veröffentlichung. Es wurde vielmehr ein zweiter Aufruf in mehrwöchentlicher mündlicher Verhandlung in meiner Vaterstadt Marburg zwischen Herrn Geheimrat Prof. Dr. Hermann Cohen und mir verabredet. Als dieser Aufruf den Unterzeichnern zugestellt wurde, fand er gleichfalls weitgehendste Billigung. Nur einige Persönlichkeiten, die den ersten Aufruf unterzeichnet hatten, machten nicht mehr mit. Bemerken will ich an dieser Stelle, daß auch führende orthodoxe Gelehrte um Unterzeichnung und Mitarbeit angegangen waren. Diese traten aber nach mancherlei Verhandlungen doch zurück. Es Unterzeichneten am Ende die folgenden Herren: Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. Main; Prof. Dr. Bacher, Budapest; Dozent Dr. Baneth, Berlin; Direktor 1 Außerdem verhandelten damals einige Zeit die Herren Zahnarzt Dr. Lipschitz, Berlin und Rabiner Dr. Samuel, Essen mit mir wegen Herausgäbe einer Zeitschrift, die im Aufträge des Verbandes A. H. des Akadem. Vereins für jüdische Geschichte und Literatur oder auch als Beilage zur Allgemeinen Zeitung des Judentums erscheinen sollte. Monatsschrift, 71. Jahrgang. 21