Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 3)
- Language
- German
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313. Mittel. Daß man die Gräber nicht unsichtbar machen wollte, zeigen ihre Fassaden. Nebenbei wird ihre Erkennbarkeit ja auch vom jüdischen Recht gefordert, damit, man nicht unversehens unrein werde (Schek. I 1, Maas, sch. V 1). Die Einrichtung des Grabes mit Vorhalle, Zentralkammer und Grabkammer scheint Br. der Anlage des Tempels in Jerusalem verwandt und darum als ein Zeichen der Kultgrotte, zumal eine große Zentralkammer überflüssig sei. Die Größe dieser Kammer bestimmte natürlich der Luxus einer reichen Familie, im übrigen entsprach sie dem verständlichen Bedürfnis, im Innern des Grabes einen Raum ohne Leichenplätze zu haben, um hier die letzten Vorbereitungen der Bestattung vorzunehmen, und dem Wunsch, die Anlage nach drei Seiten erweitern zu können. Im übrigen ist für das Grab als ״Dauerhaus“ (bet ‘öläm, Pred. 12,5) das antike.Haus doch das natürliche Vorbild, und die Frage ist nur, welchen Haustyp der Tempel von Jerusalem darstellt, da er doch auch ein Haus sein will. Felsaltäre hat man schon vor Br. bei Jerusalem, zu sehen geglaubt. Wer palästinischen . Steinbruch öfters gesehen hat, wird diesem Irrtum kaum zum Opfer fallen, denn er würde dann beobachtet haben, daß derartige völlig unregelmäßig behauene Felsbänke das unbeabsichtigte Resultat gewöhnlicher Steinhauerarbeit sind. Daß die von Br. in der Gegend von Jerusalem beobachteten Kolumbarien, denen ich noch andere hin zufügen, könnte, kultischen Charakter haben müssen, steht Br. deshalb fest, weil ihre Höhlungen weder für Tauben noch für Aschenurnen brauchbar seien. Sie seien für beide Zwecke zu klein, außerdem würden Tauben, nicht in Zisternen artige Gruben fliegen, um sich da niederzulassen. Aschenurnen scheiden in der Tat aus, aber nicht ebenso die Tauben. Nach Br. ist eine Nische von '20 mal 20 cm Bodenfläche zu klein für sie. Ich habe nun die Taubenlöcher in palästinischen Bauernhäusern öfters gemessen und fand solche zu. 20 x20, 21 x21, 20 x30 cm. Mein halbbeduiniseher Freund ‘Abd el־Wäli brachte mir zuweilen wilde Tauben zum Verkauf, die er in Zisternen gegriffen hatte. Er erzählte mir, daß sie gern nachts und während der heißen Tageszeit in trockenen Zisternen sitzen. Man deckt die Oeffnung mit dem Mantel zu, steigt hinein und fängt sie. Ebenso berichtet Wetzstein vom Haurän, daß die syrische Feldtaube, wenn sie keinen Gemeindetaubenturm, wie ich sie dort auch gesehen habe, zur Verfügung hat, in den Wänden tiefer Brunnen nistet. Dazu wurde mir von einem aus Grusien kommenden Pastor erzählt, daß die Bauern dort 3% m tiefe flaschen förmige Gruben mit kleinen Nistlö ehern für die Tauben grade zu anlegen. Uebrigens ist das dreistöckige Kolumbarium des wädi sir mit seinen Fluglöchern in den Fenstern ein zweifelloses Taubenhaus, mit, Nistlöchern von 21 zu 19 cm Bodenfläche und dachförmiger ]Bedeckung von 21 cm Mittelhöhe. Palästinische Feldtauben, denen es an Bäumen und Häusern meist fehlt, haben eben andere Gewohnheiten ־ als die deutschen. :י Dasselbe gilt bei den Keltern, die Br. unpraktisch erscheinen, und deshalb einen Tennen- und Kelterkult bis in die römische Zeit voraussetzen sollen. Weil jetzt der Zement des Mosaiks teilweise verschwunden ist, erscheinen sie ihm als bloße Sammler von Unrat, der ,,in der־ Hitze des Orients bald in Fäulnis übergehen würde“, obwohl die trockene Hitze des Orients grade die gegenteilige Wirkung hat. In Wirklichkeit bedeutete der Mosaikboden eines Kelters — für Tennen kommen sie nicht in Frage — eine Verbesserung ihres Bodens zum Zweck der Verdichtung und des leichteren Ablaufs der Flüssigkeit. Daß eine zerstörte Kelter als Tenne klassifiziert wird und dann als unpraktisch bezeichnet, werde nur nebenbei erwähnt. Schal envertiefungen betrachtet Br. ohne weiteres als Zeichen kultischer Benutzung einer Oertlichkeit, obwohl ich im Palästinajahrbuch 1908, S. 21 ff., auf früheren und heutigen praktischen Zweck solcher Schalen aufmerksam gemacht und mich u. a. auch mit Schalengruppen beschäftigt habe, die Br. aufgefallen sind. Leben und Wirtschaft des heutigen und alten Orients muß eben gründlich kennen, wer im Orient archäologisch tätig sein, will. Leider hat es vielen Archäologen an dieser Schulung gefehlt. Die Vergleichung von vielleicht auch nicht richtig verstandenen ähnlich scheinenden Objekten anderer Länder kann nur zu allerletzt herangezogen werden. Daß die Aufmerksamkeit sich jetzt auch von jüdischer Seite auf alle wichtigen Denkmäler der Vergangenheit Jerusalems richtet, ist um so dankens-