Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 2)
- Language
- German
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312 Art rund um Jerusalem ursprünglich ״Kultgrotten“ waren, die man nur später als Grabstätten eingerichtet hat. Auch die nach Absalom, Jacobus, Zacharias benannten monumentalen Gräber des Kidrontales sowie das Grab der Helena von Adiabene seien erst nachträglich mit ihrem Schmucke hellenis bis eher Kunst versehen worden und wären ursprünglich Kultstätten gewesen. Hier hätte schon bedenklich machen können, daß es auffallend ist, wenn Bibel undl jüdisches Recht gar keine Veranlassung fanden,; den .,Grottenkult“ zu bekämpfen, wenn die Umgebung Jerusalems mit derartigen Kultstätten geradezu besät war. Und warum können die Felsenkammern; nicht Gräber gewesen sein, wofür jedermann sie bisher gehalten hat und׳ wofür auch die Untersuchungen unseres Palästinainstituts nirgends einen Anstoß ergaben. Der große Hof und die Zisternen der Anlage des Grabes der Königin von Adiabene sollen nun zu einem Grabe nicht passen. Es scheint aber doch natürlieh, daß eine Königsfamilie, die in Jerusalem drei Paläste hatte, ein königliches Begräbnis haben wollte. An dem Hauptzugang der Stadt von Norden her erwarb sie ein ebenes Grundstück, das mit einem eingesenkten Hof versehen werden mußte, um die übliche Grabfassadenwand herzustellen. Nun wäre der eingesenkte Hof durch den Winterregen ein Teich geworden, wenn man nicht dafür gesorgt hätte, daß das einlaufende Wasser wenigstens teilweise abgeleitet und — wegen der Kostbarkeit des Wassers in der Umgebung von Jerusalem — gesammelt wurde. Daher die Zisternen. Die Größe des Hofes ermöglichte eine große und nicht eingesperrt wirkende Fassade, bot außerdem einem großen Leichengefolge Raum. Die Art der Verzierung mit einer Girlande — neben welcher ein großes Gesims, volle Umrahmung und eine Säulen- Stellung zu erwähnen war — erschien Br. nachträglich, ״weil man es sonst nochschöner gemacht hätte“. Aber schon für diese ״nachträgliche“ Arbeit mußte die ursprüngliche Fläche um etwa einen halben Meter zurückgelegt werden, so daß jede andere Ausführung ebenso möglich war. Nun ist grade in der Kammer, hinter der Br. besondere Geheimnisse vermutet, der Sarkophag der Königin Zadda gefunden worden. Es wäre also zunächst zu fragen gewesen, inwiefern ihre Einrichtung dafür geeignet war. Im übrigen ist' es eine Tatsache, daß alle Grabanlagen ihre Geschichte hatten. Sie wurden erweitert, mit neuen Kammern und Grabstätten versehen, schließlich zuweilen zu Zisternen, Ställen, Wohnstätten, Kapellen eingerichtet. Die verschiedenen Weisen der Felsarbeit sind dabei wichtige Kennzeichen. Es ist hier unmöglich, auf Einzelheiten einzugehen, die sich nur an Ort und Stelle beurteilen lassen. Es kann nur konstatiert werden, daß für die von Br. als nötig erachtete Zurücklegung einer Reihe von Anlagen in das 12. und 13. vorchristliche Jahrhundert keinerlei technische Wahrscheinlichkeiten erkennbar sind, im besonderen auch nicht dafür, daß eine Anlage einst ״Kultgro-tte“ war und dann erst Grab wurde. Wenn Kammern keine besonderen Leichenstätten enthielten, so war entweder die Absicht, noch solche herzustellen, wie es die Mischnä, Möed katon I 6, als möglich voraussetzt, oder die Kammern waren für die Niedersetzung von Stein- oder Holzsärgen bestimmt, welche das jüdische Recht als gewöhnliche Bestattungsform voraussetzt, wie aus Klein, Tod und Begräbnis in Palästina zur Zeit der Tannaiten, S. 33, zu ersehen ist, wenn man nicht zu den Quellen selbst greifen will. Außerdem zeigt das sogen. Herodesgrab, wie eine auf Sarkophage berechnete Anlage beschaffen war. Von mir berichtet Br., daß ich in Petra in el-chazne trotz alles Suchens kein Grab habe finden können, während ich in meinem deutschen und englischen Bericht darüber betont habe, daß eine gründliche Untersuchung des mit Dung bedeckten Bodens bisher nicht stattfand. Wird dort kein Grab gefunden, so bleibt die Möglichkeit, daß an Sarkophagbestattung gedacht war, wenn die Anlage nicht als Idealgrab eines vergotteten Königs gemeint gewesen ist. Auch dann bleibt die Anlage nach den in Petra vorhandenen Parallelen ein Grab und ist kein Tempel. Nebenbei fällt auf, daß die bei Jerusalem so oft vorkommende Gestaltung des Leichenplatzes als offene Nische unter den Beweisen für eine ,,Kultgrotte“ erscheint. Ebenso soll ein nach Br. ungenügender Verschluß gegen die Verwendung einer Anlage als Grab sprechen. In Wirklichkeit mußten ja wohl die Toten sich selbst bewachen, wie es nach palästinischer Anschauung die moslemischen Heiligen vom Grabe aus noch •heute tun; Eine Steinplatte oder eine in Angeln gehende Steintüre mit einem Riegel, den ein ״Schlüssel“ zurückschob, zuweilen noch außerdem ein Rollstein und eine über ihm liegende Decke wie im Grabe der Helena waren die dabei üblichen