Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Jüdische Geschichtsschreibung in russischer Sprache
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 3)
- Language
- German
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Man muß schon.sagen,; daß die Schriftleitung des.,XI, Bandes der jStarina ׳ Polen und Rußland stiefmütterlich behandelt. Die ,Beiträge zur Qesphi'chte der Juden■ im Altertum, Mittelalter usw.. sind, zwar lehrreich und auch in; der Problemstellung z. T. neu, sie basieren aber alle auf bereits xeföf|ehtlichtem Quellenmaterial und Geschichtswerken in ..westeuropäischen Sprachen,. Was wir aber von der Starina erwarten, ist eine ,eingehendere Beharidlung/der Geschichte der russischen Juden, zumal die Archive nach der Revolution zugänglich geworden sind. . . ..... Auf die . anthropologisch-ethnogTaphischen! Beiträge•;!kann ich nicht eingehen, weil ich mich nicht dazu, kompetent:fühle.!־,.;Erwähnen;־möchte!,;ich noch die einleitende Studie L.: Sternbergs, des Mitgliedes der Lenmgräder Akademie der Wissenschaften und Herausgebers; der. Starina: ״Das:Problem der jüdischen nationalen Psychologie,‘6 worin eine Fülle von Fragen; .aufgeworfen wird, die aber auch nur zu streifen der mir zur Verfügung stehende Raum nicht gestattet. EM unveröffentlichtes Aktenstück von Jtfsef Perl. Von Dr. J. Nacht in Radautz. Das nachstehende Schriftstück rührt von Josef Perl1;(!?731839—־) in Tarnopol her, dem bekannten Mäzen und Haskatakämpfer in Galizien. Perl, der schon in seinem Werke2 ״מגלה טמירייך gleich , Isak Erter dem Chassidismus in heißender Satyre manch ’ scharfen Hieb versetzt, tritt in diesem!Aktenstück als fanatischer Ankläger desselben vor der öffentlichen Gewalt auf. In seinem: Bildungseifer! hatte er sich dem von Zunz in Berlin ins Leben gefhfehen Kulturverein angeschlossen und gründete unter anderem die'erste israelitische Volksschule in Tarnopol, deren Leiter er längere Zeit war,. Dies sein Lieblingswerk eiferte bekanntlich zur Nachahmung an. So hat z. B. I. B. Levinsohn, der einige Zeit in Tarnopol verbrachte, swo er Gelegenheit hatte, die Schule, Perls; in Augenschein; zu nehmen,! bei seiner Rückkehr nach ,Rußland in einer Bitte 'an'(den :Großfjärsten Konstantin diesem ans Herz gelegt3, er möge sich; für die Gründung j üdischer Volksschulen in Rußland naclr perlschem MÜster eihsetzen. Während aber das Perlsche Schulwerk bei den Maskilim;großen Anklang fand, leisteten ihm die. Chässidim den,heftigsten'/Wi^rst^iid, so daß Perl sich veranlaßt fühlte, zu energischen Gegenmaßregeln zu' greifen. V, . . Dies um so mehr, als Perl mit seiner Schuleauch^dein/Judentum in streng traditionellem Sinne zu dienern glaubte. ׳Denn,; Josef Perl war keineswegs, wie fälschlich von manchen behauptet wird, ein ״Aufklärer^ in assimilatorischem Sinne. Er war vielmehr — dies teilt mir ein alter Gelehrter,, der noch pef$önliche;Ftettn:de Perls kannte, mit — ,,ein echter Original]ude66, niclit hur,was'.seinegediegenen talmudischen Kenntnisse betrifft, sondern auch seinem Äeußern nach. Wie sein berühmter Landsmann, der Philosoph Nachmän Kröchmal, hat ,,auch er noch einen seidenen Kaftan und eirieZob^lmützfe sbgar 1 Das Manuskript wurde mir. von dem Gelehrten/Herrn; Jacpb Bickel (durch seinen Sohn Herrn Prof.; Bickel) übermittelt, dem ich auch, manche Mitteilung, die ich in meinen einleitenden Bemerkungen wörtlich wiedergebe, verdanke. 2 Vergl. über Perl Kerem Chemed, Heft 5, S. 104. 3 Vergl. David Kahane, Haschiloah, Bd. 27, S. 320-