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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Geschichtsschreibung in russischer Sprache
Date
1927-01-01
Page
Seite 307 (sequence 2)
Language
German
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Juden aus Litauen vertrieben worden — nach Kaffa gelangte, ־wo er bis zu seinem Tode lebte. Einige seiner Schriften sind gedruckt worden, aber sein Bibelkommentar ״Ozar Nechmad“ ist zum größten Teil unveröffentlicht geblieben. Moses aus Kiew war ebenfalls ein begeisterter Anhänger Abraham Ibn Ezras. Bs fesselte ihn in dieser originellen jüdischen Persönlichkeit sowohl der Freigeist und der Denker, als auch der den magischen Künsten ergebene Mystiker und Astrologe. Neben dem ,,Ozar Nechmad“ besitzen wir von Moses ein kabbalistisches Werk ״Schuschan Sodoth“ (Korec, 1779 u. 1 84ל), das von Nachmanides stark beeinflußt war. Als geschichtlicher Beitrag wäre noch zu nennen der temperamentvoll geschriebene Aufsatz Sv Losinskis: ״Ueber die wirtschaftliche Rolle der Juden 1m Mittelalter/‘ der einer Reihe von Vorurteilen entgegentritt und insbesondere vor einer Ueberschätzung der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Juden im Mittelalter warnt, und der Aufsatz von J. Sosis: ״Die Spiegelung der sozial-ökonomischen Verhältnisse in der mittelalterlichen ethischen Literatur.“ Der Verfasser analysiert die Ausführungen des ״Sefer Chasidim“ des Jehudah Hechasid (unter Benutzung der Auflage von 1538 und der vollständigeren Ausgabe der Mekize Nirdamim Berlin, 1891) über die sozialen Verhältnisse der deutschen Juden und unternimmt es, aus denselben Schlüsse auf die wirtschaftlichen Zustände zu ziehen. Der Versuch, die mittelalterliche Sittenliteratur als Quelle zur Untersuchung der sozialökonomischen Verhältnisse der Juden heranzuziehen, ist zu begrüßen und verdient Nachahmung. Der Nationalökonom der Leningrader Universität, Joseph Kulischer, behandelt auf Grund der Acta Borussica die Rolle der Juden in der preußischen Seidenindustrie im 18. Jahrhundert. Zur Geschichte der Juden in Polen wird in einigen kleineren Aufsätzen beigetragen, die dem Fachmann manches Wissenswerte bieten. Von allgemeinerem Interesse ist ein Artikel von Joseph Kieinman: ״Die Juden während des ersten polnischen Interregnums (1572—1574),“ in dem die Judenpolitik des Königs Heinrich Valois, der nur einige Monate auf dem polnischen Throne saß, neu beleuchtet wird. Die landläufige Darstellung in unserer Geschichts- Schreibung, wonach dieser erzkatholische König, einer der Miturheber der Bartholomäusnacht, die Generalprivilegien der polnisch-litauischen Juden nicht bestätigt haben soll, wird als unhaltbar zurückgewiesen. In einer bisher unveröffentlichten Urkunde, die der Verfasser aus den Aktenbüchern der ״Litauischen Matrikel“ vollständig publiziert, bestätigte dieser König der Gesamtjudenheit des Großfürstentums Litauen zu Krakau am 6. Mai 1574 sämtliche Privilegien, die seine Vorgänger den Juden erteilt hatten und erklärte, daß sie nur ihm und seinen Beamten unterstehen und alle Rechte gemäß dem (liberalen) ersten Litauischen Statut von 1529 genießen sollen. Letzteres ist insofern wichtig, als nach dem zweiten litauischen Statut von 1566 die rechtliche Lage der litauischen Juden sich verschlechtert hatte. Da Heinrich Valois mit Hilfe des Magnatentums entgegen dem Willen des Adels, der die Einführung des zweiten litauischen Status von 1566 seinerzeit als einen Erfolg seiner anti-magnatischen Politik verbuchen konnte, gewählt wurde, erblickt Kieinman in der Wahl Heinrichs und der Niederlage des Adels einen Gewinn für das Judentum. Er kommt auf Grund weiterer Nachprüfung des einschlägigen Materials zum Ergebnis, daß die Wahl Heinrichs den Juden nur angenehm sein konnte, denn es hätte ja leicht geschehen können, daß das vereinigte polnisch-litauische Reich einem Ivan dem Grausamen zugefallen wäre, dessen vandalische Ausrottung der Polotzker jüdischen Gemeinde im Jahre 1563 den litauischen Juden noch lebhaft in Erinnerung war. Dieser Umstand erkläre auch, warum der Krakauer Kahal ein Feuerwerk anläßlich der Krönung Heinrichs angeordnet habe, das im Krakauer Gemeindebuch vermerkt wurde. Kieinman wirft noch die Frage auf, inwieweit die Wahl Heinrichs dank den Bemühungen des türkischen Diplomaten Salomo Aschkenasi zu Stande gekommen ist, der die polnisch-jüdischen Verhältnisse aus der Zeit seiner ärztlichen Tätigkeit in Krakau kannte. Zur Geschichte der Juden in Rußland bringt die Starina nur einen Aufsatz:. ״Aus der Geschichte der Sektiererbewegung unter den russischen Juden.“ (Duchowno Biblejskoje Bratstwo) von N. A. Buchbinder ךmit unveröffentlichten Briefen Gordins und anderer Anhänger der jBibeb Brüderschaft.“ 20*

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