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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 256

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Ritualmord und Eselskult
Date
1927-01-01
Page
Seite 256 (sequence 2)
Language
German
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256 von verzweifelten Versuchen, die jüdische Onolatrie doch nachzuweisen1, absehen, setzen alle Erklärungen eine Verwechselung oder ein Wortspiel als Ursache der Fabel voraus. Taiiäquil Faber2 stellte z. B. die Erzählungen in Verbindung mit dem Namen des Gründers des leontopolischen Tempels Onias (Ovfoo lepbv Omav), und Bocharts feinere Vermutung derselben Art3 : die ägyptische Bezeichnung für den Esel: ,,eio“ klingt dem jüdischen Göttesnamen: ,,Xao“ ähnlich, wurde noch im XX. Jahrhundert zweimal4 erneuert. Andere gingen von der apionischen Erzählung, daß‘ Epiphanes im Tempel ein Eselsbild gefunden hätte, aus, Für den einen ist die Lösung des Rätsels, daß der König den heiligen Stein ״Eben Schetija“ im Halbdunkel des Allerheiligsten verkannt habe5. Ein anderer meinte, Antiochos hätte vielmehr ganz gut gesehen, das Bild des Steines gehörte aber zu den hieroglyphischen Zeichen für den ägyptischen Gott Seth-Typhon, dessen Tier der Esel war. Daraus wäre die Behauptung von der jüdischen Eselsanbetung entständen6. Die gegenwärtig verbreitetste7 Erklärung vermutet, daß der Judengött mit Seth-Typhon, sei es noch von den älteren Aegyptern8 , sei es in der hellenistischen Zeit unter dem Einfluß der manethonischen Gleichstellung der Hebräer mit den Hyksos identifiziert wurde. Daraus ergab sich die Behauptung von einer Verehrung des heiligen Tieres des Seth. Diese Hypothse schenkt sich aber den Beweis für ihren wichtigsten Teil: die Identifikation des Gottes der Juden mit Seth-Typhon. Ein antikes Zeugnis dafür existiert meines Wissens nicht9. Ich verzichte darauf, noch weitere Vermutungen aufzuzählen10, auch sie gehen vom Postulate aus, daß etwas Wahres doch in der Geschichte stecken soll. J o s e p 11 u s meint dagegen, sie sei von 1 W. Pleyte, La Religion des preisraelites (Utrecht 1862) 152 f.; R. Wünsch, Sethianische Fluchtafeln (1890) 108; F. de Mely, C. R. Acad. Inscr. 1908, 91* — Ueber die (recht schwachen) Spüren des Fselskültüs hei den Semiten siehe C. J. Ball, Proceed. Soc. Bibi. Areh. 1910, 6ל und S. Sehiffer, Rev. dtud. anc. 1919,- 242. 2 Zit. von ׳ Steph. Morinus Dissertat. VIII (2;.׳ Ausg., Dordaci 1700), 302. 3 S. Bochart, Hierozoicon Life. II c. 18. 4 I. Halövy, Rev. Semit, 1903; D. Simonsen in Festschrift f. H. Cohen (1912). ■! ■■ 5 H. Graetz, Monatsschr. f. Gesch. d. Judent. 1872, 196 f. 6 H. Rösch, Theol. Stud. und Krit. 1882, 530 ff. 7 Z. B. E. Meyer;־ Ursprung des ChristentumsTI, 33; W. Bousset־H. Greßmann, Religion des JiKfentüm's (1926) 76, 1. 8 F. E. Movers, Die Phönizier (Bonn 1841) 1, 297; J. G. Müller, Theolog. Studien und Krit. 1843, 910 ff. 9 Die Anrufungen des Seth in den ägyptischen Zauberpapyri als Sabaoth, Adonai usw. können als ein solcher keineswegs gelten. Der wüste Synkretismus dieser Texte identifiziert den Judengott ebenso gut mit Osiris oder mit Mithras (P. Mimaut) oder mit Min (P. Oslo) usw. Und anderseits wird Seth allen möglichen Gottheiten gleichgestellt. 10 Die Verwechselung des Judengottes mit Dionysos (Sv Krauß, Jew. Enc. II, 224),. mit Kronos :( A. Bouche-Leclercg, L’astrologie: grecque 483, 3). Die Verwechselung der Juden; mit irgendeinem Nachbarvolke (W. Robertson Smith, Religion der Semiten, 325; J. Häldvy, RevJ Semit. 1903, 158; A. Büchler, Z. f. Alttest. Wiss. 1902, 224). Verschiedene andere Vermutungen: Morinus a. a. O:; D. FeuchtWaiig, MjGrWJ 1911, 47; W. Deoniia, Rev. et. gfecq. 1925, 52. Eine Reihe älterer Hypothesen stellt G. Ruperti in s'einer Täcitüs-Ausgabe zu Hist. V, 4 zusammen.

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