Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 3)
- Language
- German
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236 muß ברגש (Burgos) heißen (Madrid konnte im 14. Jhdt. nicht als ראש מלכות קשכיליה bezeichnet werden). Dasselbe Z. 12, und vorher muß es heißen: בעם מזער; Zamora hat hier keinen Sinn. Z. 15 lies מלינסיא, wie im Text bei Wiener steht. Zu dem Bericht über die Vertreibung der Juden aus Spanien II, 246 hat B. nicht einmal die Erläuterungen des ersten Herausgebers Marx herangezogen. Mit nach Deutschland gehörigen Texten steht es nicht immer besser. Auch dort hat B. Verkehrtes von den Vorgängern übernommen, so I, 186 Z. 15 בבהיים (in Böhmen) — Pappenheim! (Im allgemeinen kann hier auf die Kreuzzugsberichte nicht näher eingegangen werden.) Wo es an vorausgegangenen Erklärungen fehlte, wie in dem Bericht über die Hussiten (II, 165 f.), hat B. auch keine eigenen gebracht. In dem Frankfurter Brief II, 803 Z. 6 wird ווירדא mit Fürth erklärt, obwohl Kracauer Wörth liest. Und so vieles andere mehrl Mit der Sammlung der Selicha-Dichtungen historischen Inhalts verwirklicht B. einen schon vor Jahren erörterten Plan, freilich nicht in kritischem Sinne. Die Stücke, die den Quellenvermerk ממחזור כתב יד oder מתוך מחזר שאלודקי tragen, sind bereits von Salfeld ediert worden. An Erklärungen bietet B. viel Dankenswertes, auch manche glückliche, meist stillschweigende Textkorrektur (wozu aber die Verwandlung des נבור מעיר in נבור מאיר II, 20ל wohl nicht gerechnet werden kann), aber vielfach läßt er den Leser auch im Stich. Das an sich berechtigte Bestreben, in den Gedichten Anspielungen auf Zeitverhältnisse zu entdecken, ist stärker, als der Wunsch, in das innere Verständnis der Dichter einzudringen, womit der historischen Erkenntnis viel mehr gedient wäre. An wesentlicheren Mißdeutungen mußte das Gedicht אמרר בבכי (I, 250 f.) leiden. B. sucht es, m. E. mit Unrecht, gerade auf die Verfolgung in Boppard zu beziehen, was der vorsichtige Salfeld nicht getan hat; das Jahr 1195—96 hat ja noch andere Leidensstätten aufzuweisen. Irrtümlich spricht B. S. 249 davon, daß in dem Gedicht von Gotteslästerungen der Christen die Rede ist; וקלל אלהימו S. 250 Z. 3 unten wird ja von einem jüdischen Märtyrer ausgesagt. Von Kreuzfahrern wird nichts erwähnt. Steht S. 250 Z. 14 absichtlich בנושאים עלי צלם? Natürlich muß es מלי heißen. Gänzlich mißverstanden ist das Gedicht אותותינו לא ראינו (I, 263 f.). In der Machsorhandschrift aus dem Jahre 1470, die es überliefert, steht zwar die Ueberschrift: על האותות והסימנין הנגזרין על הצבור, und sogar Zunz hat diese Deutung übernommen. Aber das erweist sich bei durchgehender Interpretation als unmöglich. Die erwähnten Zeichen und Ausdrücke, wie בגד בוגדים בנרו/ ואדר שלמותי המירו, können doch nicht eine Anspielung auf die von Innozenz III. anbefohlene Judentracht enthalten! Vielmehr Sandelt es sich um folgendes: Den Juden werden, teils von Apostaten (בונדים), die Zeichen der Ueberlieferung und der Geschichte entgegengehalten, welche die Wahrheit des christlichen Glaubens zu bestätigen scheinen (שמו אותותם אותות). Das jüdische Volk wartet dagegen vergebens auf die Zeichen seiner Erlösung, die Wahrzeichen seines Glaubens (אותותינו לא ראינו, und so öfter). Die Feinde suchen die Juden zum Abfall zu nötigen. Wie kann man die Worte: בבודי מעלי הגושימו ואדר שלמותי המירו anders verstehen! Dasselbe bedeuten die Worte: נם כל מחשבותס להשניא זמנין ודתות. Der ehrwürdige Autor, dessen Interessen und Verdienste weit über den Rahmen einer historischen Quellenpublikation hinausgehen, wird diese Aus- Stellungen, die ja nur dem besseren Verständnis der ihn! wie uns allen teuren Texte dienen sollen, gewiß begrüßen. Sein Werk regt zu erneutem Nachdenken über eine zu sehr vernachlässigte Gattung der jüdischen Literatur an. Eine Fortsetzung der Sammlung bis an die Gegenwart, wie es B. plant, wäre ein bewundernswertes Unternehmen. Aber hier würde die Beschaffung des Materials und seine kritische Auslese noch weit größere Schwierigkeiten bieten, als in den beiden ersten Bänden. Fritz Baer. Zwei Essaybände. €h. N.. Bialife: Essays, Autorisierte Ueberiragung aus: dem Hebräischen von. Vi k t 0 r K e 11 n e r. Jüdischer Verlag, Berlin, 1925. Z* I, Finkelstein: Stürmer des Ghetto, Essays. Safreth-Verlag (Rath und Präger), Wien, 1924. Man tut eigentlich unrecht, die beiden hier zu besprechenden Werke zusammen fassend zu behandeln, nur weil sie beide ,,Essays“ heißen und sind.