Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
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235 •den eigentlichen Zentren des Judentums in der Uebergangsperiode von Altertum zum Mittel alter ,fehlt. Hier ist eine Ergänzung nötig, welche die inzwischen sich vollziehende Entwicklung wesentlich beleuchten würde. Der von B. gesammelte, mittelalterliche Stoff ist so reich und vielseitig, wie in keiner der bisher vorhandenen Quellensammlungen. Namentlich wird man es begrüßen, viele schwer erreichbare poetische Stücke hier zusammenzufinden. Neben den bekannten prosaischen Berichten über Verfolgungen werden historisch interessante Fragmente aus andersartiger Literatur; Briefe, Stücke aus Memorbüchern, einiges aus den Erinnerungen des Josel aus Rosheim u. a. abgedruckt. Auch die ,,Wiener Gesera“ von 1421 findet in hebräischer Geber- Setzung ihren Platz. B. hat den einzelnen Abschnitten Einleitungen vorangeschickt, in denen er mit großem Fleiß alles zum Verständnis des sachlichen Gehaltes der Texte Nötige vorträgt. In den allgemeinen Einleitungen, die beiden Bänden vorausgehen, entwickelt B. seine Anschauungen über Geschichte und Psychologie des Judenhasses. Inhalt und Sprache dieser Einleitungen sind würdig, wie vom Verfasser nicht anders zu erwarten war; über eine vereinzelte Entgleisung, wie die Huß und Luther betreffende (II, 156), liest man hinweg. Einen Protest erfordern freilich die in dem Werk geäußerten Urteile über das christliche Mittelalter. B. findet in ihm ״die Vorherrschaft der religiösen (d. h. doch wohl kirchlichen) Macht, aber nicht des religiösen Gefühls“ II, 9 (הגברת השלטן הדתי, ולא הרגש הדתי). Die Herrschaft der Kirche ״hat die besten sittlichen Kräfte im Menschen vernichtet“ usw. Mit einem derartig unhistorischen Denken kann man weder das christliche noch das jüdische Mittelalter verstehen. Die mittelalterlichen Juden selber haben in ruhigen Stunden auch anders geurteilt. Um ihr Denken aber handelt es sich. Es hätte gerade der von B. gestellten Aufgabe entsprochen, die Ansichten und Stimmungen der von ihm eingeführten ״Schriftsteller, ihre Urteile über die Umwelt und ihr Verhältnis zu dem ihnen auferlegten Martyrium zu analysieren. Bei der Verschiedenheit von Zeiten, Ländern und Bildungskreisen, aus denen die Berichterstatte-r stammen, wäre das Ergebnis vielseitig und interessant genug gewesen. Von diesem Gesichtspunkt aus wäre man auch zu einer Kritik der Quellen veranlaßt worden, an der es B. etwas fehlen läßt. Er betrachtet z. B. die Erzählung des Schebet Jehuda über die Verfolgung zur Zeit der Westgoten als historisch (I, 135). (II, 240 f. sind übrigens zwei Stücke aus dem Sch. Jeh. unter den Jahren 1417 und 1419 eingereicht, obwohl sie zwei Jahrhunderte früher anzusetzen sind; vgl. Graetz VT, 376 f.) Er druckt wahllos :Stücke aus Josef hakohens Emek habacha ab, obwohl dieser häufig erst, direkt und indirekt, aus christlichen Quellen schöpft, oder er läßt ihn selbst dann zu Worte kommen, wenn die von ihm überarbeiteten hebräischen Ori- ■ginale vorhanden sind, wie das z. B. bei den Aufzeichnungen des Ephraim 1>. Jacob der Fall ist. Josef hakohen hat aber seine Vorlagen in Einzelheiten mißverstanden und ihrem Stil die Ursprünglichkeit genommen. Das entspricht offenbar dem aus der Haskala-Periode stammenden Geschmack des Herausgebers. Er hat selber die von ihm benutzten drei älteren hebräischen Berichte über die Kreuzzüge (die er in nicht einwandfreier Weise ineinander schiebt) stillschweigend korrigiert, wo sie ihm grammatisch und stilistisch Anstoß zu bieten schienen. , So ist an einigen Stellen das für diese Schriftsteller so charakteristische שם נבלו ♦♦♦, ש0 נהרגה . 4 4) שם) getilgt. I, s. 156 z. 6 heißt es ויתנפלו עליו statt ויעלו עליו. Eine andere Originals teile (Neubauer Stern s. 51 z. 6) lautet: ושחטו זה את זה כולם כאחד בחירים ובתולות ♦ 4 . וקידם הקינות וכן לעוללים, שחטו את עצמן. Bei B. 1, 156 Z. 5 unten liest man statt dessen: וכן העוללים שחטו את עצמם. Es lassen sich noch andere Beispiele anführen. Aehnliche Korrekturen haben, wie eine zufällige Probe ergab, auch die Briefe aus der Zeit des Pfefferkornstreites erfahren. Man kann danach das Buch nirgends ohne Kontrolle benutzen. Schlimm ist mit der Erklärung der. Ortsnamen verfahren. Stellenweise sind, woran wohl äußere Verhältnisse schuld waren, die z. T. ganz sinnlosen Erläuterungen aus der Ausgabe des Emek habacha von Letteris übernommen (z. B. II, 66!.),obwohl in Wieners deutscher Ausgabe Besseres tax finden war. In dem Stück aus dem Me kor Chajim des Samuel Zarza (II, 210 f.) sind die von Wiener z. T. nur vermutungsweise geäußerten falschen Erklärungen von B. verewigt. Lies אנדריק für אנדריאן, S. 210 Z. 8 unten גאליש Gales, Wales. S. 211 Z. 11 hat B. מדריד, wo Wiener בדכט las!; es