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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Aus den Jugendjahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe
Date
1927-01-01
Page
Seite 220 (sequence 14)
Language
German
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11er schon die Rufe. ״Freiheit, Gleichheit ־und Brüderlichkeitu über den Rhein gedrungen und die französische Nationalversammlung hatte bereits die Postulate festgesetzt, die allem, was Menschenantlitz, trägt, eine Summe von Rechten zugestehen, die aus dem Menschsein als natürliche Folge hervorgehen. Vom Norden‘her waren auch all״־ mählich die Weckrufe Mendelsohns und seiner Jünger über den Main gekommen, die das deutsche J udentum auf rüttelten und ihm das, was im'Unterbewußten lange geschlummert hatte, klar und deutlich vor Augen stellten: daß Judentum und die Kultur der Umgebung keine wesensfremden Welten seien. So setzte auch in Karlsruhe um die Jahrhundertwende eine, vorzüglich von der Jugend getragene,, vorwärtsdrängende Bewegung ein, der selbst die Autorität eines Tia Weil nicht Einhalt zu bieten vermochte und welche die zur Hilfe angerufene Staatsgewalt auch nicht mehr mit dem Polizeistock eindämmen wollte1. Es gibt eben Regungen und Strömungen, die Jahrhunderte lang schlummern können, sich aber, wenn ihre Zeit gekommen, geltend machen und trotz aller Hemmungen durchsetzen. Auch die badische Regierung pflog um jene Zeit Verhandlungen, wie die Rechtslage und die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Juden verbessert werden könnten. Wenn diese Erwägungen vorerst auch in den Amtsstuben der Regierungsstellen stecken blieben, so bildeten sie doch die Grundlagen für das Judenedikt Karl Friedrichs von 1809, durch welches das neugeschaffene Großherzogtum Baden die Judenfrage in einer Weise regelte, von der Jost wenige Jahrzehnte später sagte: ״Ein weiseres Gesetz dürfte wohl in diesem Jahrhundert und vielleicht in der ganzen Geschichte der Israeliten nicht erschienen seih; denn auch selbst in den Staaten, welche alle Schranken aufgehoben haben, ist auf die innere Entwicklung und organische Behandlung nirgends so väterlich Bedacht genommen worden/' Schriften zur Bihelwisseuschaft. Betrachtet von Max Wiener, Berlin. (Schluß) II. Schienen uns die systematischen Darstellungen, besonders über das Gebiet des prophetischen Schrifttums, sich wesentlich im alten. Geleise zu bewegen, so haben wir heute über philologische und exege״ tische Bemühungen zu berichten, in denen der Versuch gemacht wird, gewisse Dinge neu zu sehen. Franz Praetorius setzt seine Arbeit an der Erkenntnis der Metrik der prophetischen Literatur fort. Zwei Abhandlungen,, die Gedichte des Arnos (1924) und die Gedichte des Hosea (1926), metrische und textkritische Bemerkungen (Halle a. S./ Max Niemeyer) liegen vor. Es sind Fortsetzungen und weitgehende Selbstkorrekturen des Autors. Beide Schriften zeigen eine wesentlich konservativere Haltung dem Text gegenüber als 1 Vergl. Löwenstein, a. a. O. S. 29 11. 55 (Beilage Nr. 9) u. Fecht. a. a.'Ö- S. 247.

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