Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus den Jugendjahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 1)
- Language
- German
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?׳20 Alis den Jugendfahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe. Von B. Rosen thal in Mannheim. Im Juni 1831 beauftragte der Großherzogliche Oberrat der Israeliten die israelitische Gemeinde in Karlsruhe/ ihm ihre Statuten vörzulegen. Die hierauf eingereichten Urkunden, die 1833 wieder an ihre Eigentümerin zurückgingen, bilden in Gemeinschaft mit dem Faszikel ,,die Anstellung des Rabbiners Thias Weil von Prag als Oberland-Rabbiner und Regulierung seiner Besoldung und Gebühren betr.“ die ältesten Bestandteile des dortigen Gemeindearchivs. Sie gewähren in die Verhältnisse der Gemeinde während der ersten Jahrzehnte ihres Bestehens aufschlußreiche Einblicke und bilden zugleich einen kulturhistorischen Beitrag zum jüdischen Gemeinde-׳ leben im 18. Jahrhundert1. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach fühlte sich in seiner Residenz Durlach beengt. Darum beschloß er, sich im benachbarten Hartwalde sein Versailles zu errichten, das der Mittelpunkt einer־ neuen Stadt werden sollte. So erstand 1715 die jetzige badische Hauptstadt Karlsruhe. Unter den ersten Ansiedlern, die sich, angelockt durch angekündigte weitgehende Freiheiten und Privilegien,/ in der neuen Siedlung niederließen, befanden sich auch mehrere Juden. Die meisten waren aus den umliegenden baden-durlachischen^ baden-badischen, kurpfälzischen und bischöflich speyerischen Ortschäften herbeigekommen. Schonl719 bestand in der jungen Stadt eine Judengemeinde, über welche Emanuel Reutlinger, vorher in Durlach; als ,,Rüger44 aller unter der Judenschaft in der Synagog und sonsten führgehenden strafbaren Händel bestellt und autorisiert wurde2. Um jene Zeit mag auch der Rabbiner Natan Uri Kahn seinen Sitz von Pforzheim in die junge Residenz verlegt haben. Einen starken Antrieb erhielt die Karlsruher Judenschaft, als der Markgraf 1724 den Hofjuden Salomon Mayer ,,zur Abstellung der unter den Juden in Karlsruhe täglich sich äußernden Zwistigkeiten44 zum Schultheißen ernannte und dessen Amtsgewalt auf die gesamte unteriänäische Judenschaft aus dehnte3. 1 Dem Synagogenrate in Karlsruhe sei an dieser Stelle für die freundliehe Ueberlassung dieser Akten herzlicher Dank ausgesprochen. 2 Vergl. Zehnter, G-eschichte der Juden in der Markgrafschaft Baden- Durlach (Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, N. F. XII S. 657). 3 Ueber ihn schreibt Zehnter a. a. O. S. 657 ff. u. a.: ,,Unser Salomon Mayer, geboren 1693 zu Oberwesel im Trierischen (in den hier zu besprechenden in hebräischer Kurrentschrift abgefaßten Urkunden unterzeichnet er auch stets Salomon Wesel. D. V.) wurde mit Schutzbrief v. 23. April 1717 nach Pforzheim aufgenommen als Schwiegersohn des dortigen Hofjuden Model. Im Jahre 1724 siedelte er aber nach Karlsruhe über. Im Jahre 1733 besaß er bereits zwei Häuser und führte ein großes Ladengeschäft. Nachdem er schon früher zürn Hofjuden ernannt worden war, erhielt er unterm 12. Februar 1737 das Patent als Hoffaktor. Später war Salomon Mayer auch württembergischer Höffaktor und erhielt am 31. Juli 1767 von dem Markgrafen Georg Augus t von Baden'- Baden ein Patent als Kabinetsfaktor. Der Haushalt des Salomoin Mayer war so umfangreich und die Zahl seiner fremden Gäste so groß, da.ß er in einer Eingabe sagt, er brauche wöchentlich 80 Pfund Fleisch, da er iiie ohne Gäste1 sei- In einer anderen Eingabe heißt es, er gehe zwölf :Karlsruher Juden Arbeit-