Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Judengemeinde in Aurich
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 13)
- Language
- German
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- Aurich 1× ep/1044059
- Emden 1× ep/1044505
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206 ostfriesischen Synagogengemeinden, damit auch für Aurich. An: einzelnen Daten der Geschichte der Auricher Gemeinde aus dem; 19. Jahrhundert interessieren noch die Folgenden: Isaac Beer, der letzte Inhaber des Amtes des Landrabbiners und Landparnaß in Aurich starb 1826 im 82. Lebensjahre. Schon seit 1813 war Löwenstamm Oberlandrabbiner für Ostfriesland in Emden, während der alte Parnaß in Aurich noch weiter fungieren durfte. Im Jahre 1828 erging ein Beschluß des Kabinettsministeriums und Bekanntmachungen der Landdrosteien (Aurich vom 28. III. 1828), durch welche den Juden die Pflicht auf erlegt wurde, bei Verlust des Aufenthaltsrechts im Versäiimnisfalle einen festen Familiennamen anzunehmen. 1842 trat der jüdische Schulverband ins Lehen, jedoch mit der Berechtigung der Eltern, die schulgeldpflichtig zur Stadtschale blieben, ihre Kinder auch in die allgemeine städtische Volksschule schicken zu können. Im selben Jahre wurde der Friedhof an der Emder Chaussee vergrößert. 1868 macht der Magistrat das neue Synagogenstatut bekannt1. An der Schule .wirkten zwei, manchmal drei Lehrkräfte, der ,,Oberlehrer und Prediger" war vielfach akademisch vorgebildet. Ueber die Persönlichkeiten gibt die Schulchronik näheren Aufschluß. 1887 wurde der am 3. 5. 1801 zuerst begründete Wohltätigkeits verein (Gemiloth Hrassodim) erneuert. 1894 erwog man, die Elementarschule aufzuheben und alle Kinder der Volksschule zuzuweisen. Als die Stadt aber auf die allgemeine Schulumlage verzichtete und eine Entschädigung an den jüdischen Schulverband gewährte, konnte sie bestehen bleiben. 1911 fand eine Renovierung der Synagoge statt, die mit der Zentenarfeier ihrer Eröffnung am 15. September 1911 wieder in Gebrauch genommen wurde. Die Frontkämpfer des Weltkrieges vereinigt der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der in Aurich eine tätige Ortsgruppe unterhält. Der äußere Verlauf der Geschichte der Juden in Aurich ist in der neueren Zeit sichtlich kein besonders bewegter. Die bekanntesten Familiennamen in der jüdischen Gemeinde sind Wolff und Wallheimer, die unter dem Namen Abrahams schon im 17. Jahrhundert vorkommen und in zahlreichen Familien hier vorhanden sind, Hartog, ebenfalls eine alte schon im 18. Jahrhundert als Hartig vorkommende Familie, ferner Samson (früher von Hamburg gekommen), Hoffmann, Cohn, Seckeis (s. ob. Feibelmann), Stexnberg, von der Walde (spanisch Silveira), Goldschmidt (von Westfalen), van Dyk (Holland), Gedanski (Memel), Engländer (Hamburgischer Herkunft). Andre alte Familien Beer, Ballin sind fort oder erloschen. Im Feldzuge 1914/18 haben 13 Juden der Auricher Gemeinde den Tod für das Vaterland erlitten. Die hiesige jüdische Gemeinde verbindet ein festes Band unter sich und treues Festhalten an ihren religiösen Gewohnheiten, ihre innere Beständigkeit wird, wie sie das bisherige Gemeindelehen in sicheren Bahnen verlaufen ließ, auch ihre Zukunft verbürgen. 1 Amtsblatt, 'S. 1650צ,