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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 172

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Ritualmord und Eselskult
Date
1927-01-01
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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172 im jerusälemischen Tempel ein Ruhebett gefunden, auf dem ein Mensch lag. Vor diesem habe ein mit Fleischgerichten, Seefischen und Geflügel besetzter Tisch gestanden, worüber der König in Erstaunen geraten sei. Alsbald nun habe der Mensch die Ankunft des Königs gefeiert, als wenn dieser ihm die größte Hilfe gewähre; er sei dem König zu Füßen gefallen und habe, indem er die rechte Hand (als Schutzflehender) zu ihm ausstreckte, um Befreiung angefleht. Der König habe ihn dann aufgefordert, ihm zu vertrauen und zu sagen, wer er sei, weshalb er sich hier befinde und was die Speisen zu bedeuten hätten, worauf er seufzend und weinend seine Not mit folgenden Worten geklagt habe: Er sei ein Grieche, und während er; um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, die Provinz durchzogen habe, sei er plötzlich von fremdstämmigen Menschen ergriffen, in einen Tempel geschleppt und hier eingesperrt worden. Dort wurde er von niemandem erblickt, aber dauernd mit Speisen gemästet. Anfangs hätten ihm diese unerwarteten Wohltaten Freude verursacht, hierauf aber Verdacht, dann Erstaunen,, zuletzt habe er einen näher herankommenden Diener gefragt und von ihm erfahren, daß es ein geheimes Gesetz der Juden gebe, dem zuliebe er genährt werde, und sie täten das jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit. Sie fingen nämlich einen durchreisenden Griechen auf, mästeten ihn ein Jahr lang, führten ihn dann in einen Wald, schlachteten ihn,, opferten seinen Leib nach ihrem Brauche, kosteten von seinen Eingeweiden und schwüren bei der Opferung des Griechen die Feindschaft gegen die Griechen zu hegen. Dann würfen sie die Ueberreste des Umgekommenen in eine Grube. Der Gefangene habe dann hinzu־־ gefügt, daß ihm nur noch wenige Tage beschieden seien und den König gebeten, ihn aus seiner schrecklichen Lage zu befreien“. .Die Geschichte sieht zunächst, ethnographisch betrachtet, ,,echt“ aus1. Ein Fremder wird oft von den ,,Wilden“ ihren einheimischen Göttern im Tempel geopfert. Eine nähere Analyse zeigt aber, daß die Erzählung des Apion aus zwei grundverschiedenen Be•־ s t a n d t e i 1 e a z u s a m m e n g e s e t z t ist. 1. Der Haßeid. Die Pointe der Geschichte liegt offenbar im Feindschaftseid, den die Juden jährlich leisteten, die Griechen zu hassen. Josephus zitiert aus Apion auch die hinbezügliche Eidformel (II, 121): ,,bei dem Gott, der Himmel, Erde und Wasser geschaffen hat, sich keinem Fremden und besonders keinem Griechen gegenüber freundlich zu verhalten“. Einen Haßeid solcher Art kannten die Hellenen auch sonst: ,,ich schwöre, daß ich mich nie jemals zu den Lyttiern freundlich verhalten werde . . . und ich will mit allen Kräften danach streben, der Stadt der Lyttier Böses zuzufügen“. So schworen die jungen Männer von Dreros (Kreta) um. das Jahr 220 v. Chr.2 Ein Eid, wie der von Dreros, richtet sich aber natürlicherweise 1 R. Reitzenstein. Das iranische Erlösungsmysterium (1921) 180 (und schon vor ihm J G. Müller in seinem Kommentar zu .,C. Apion Basel 1877, 263 f) vermutet darum, die Geschichte sei auf die Juden von den Judenhassern aus irgendwelchem syrischen Kult einfach übertragen. Vgl. übrigens jetzt _R. Reitzenstein, Hellenist. Mysterienrelig. 3 (1927), 199,1. 2 G. Dittenberger. Sylloge inscript. graec. P, 527.

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