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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 100

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1927-01-01
Page
Seite 100 (sequence 1)
Language
German
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100 Die neutaebräische AufkiärangsÜteratur in Üalizien. Von Dr. M. Weißberg in Stanislau. (Fortsetzung) Was Mendel Lewin, der autochthone Maskil, durch seine stille, kein berechtigtes Gefühl und keine Person verletzende Jahrzehntelange Lebensarbeit an Gutem und Lebensfähigem gewirkt hat, wäre fast durch den k. k. Maskil, den mit dem Mendelsohnischen Kreise verbundenen, Herz Homberg, im Keime erstickt worden. Herz Homberg (geboren in Lieben bei Prag 1749, starb 1841) gehört der allgemeinen jüdischen Literaturgeschichte an. Hier wollen wir nur kurz seinen Anteil an der galizischen Haskala skizzieren. Er war 1787 als Schuloberaufseher der zu gründenden jüdischen Normal- und Trivialschulen durch Kaiser Josef II. nach Lemberg berufen worden. Mutete schon sein und seiner Mitarbeiter äußeres Gebaren, Tracht, Lebensführung, Sprache, die polnischen Juden fremdartig an, so muß auch sein erster amtlicher Schritt als ein falscher, ver-: letzender bezeichnet werden. Gleich nach seiner Ankunft erließ er an die Rabbiner und Vorsteher der galizischen Judenschaft ein umfangreiches, in Form einer Broschüre gedrucktes Manifest, welches hiermit in seinen Grundzügen wiedergegeben sei:1 שמעוני! Schon 6 Jahre sind es, daß Kaiser Josef die Norm als chulen, wo jüdische* Lehrer unterrichten, errichtet, um die Juden innen und' außen zu säubern, sie an Reinlichkeit und Ordnung zu gewöhnen, ihnen überhaupt jene Vollkommenheit zugänglich zu machen, die sie als Menschen, nicht als Israeliten brauchen. Auch verschiedene Freiheiten in Handel und Verkehr hat ihnen die Güte des Kaisers gewährt, zwar sind manche damit nicht zufrieden, indem sie glauben, die Güte des Kaisers mache die Kinde? dem guten Wege abtrünnig. Aber das sei eben das Wesen der Dummen, denen es schwer falle, sich von.der Gewohnheit freizumachen. Es sei aber gar nichts, für die Religion zu fürchten. Die großen Weisen früherer Jahrhunderte haben allgemeines Wissen besessen. So Rabbi Säädjä Gaon, Rambam, Ramban und in neuer Zeit Rabbi Jacob ben Zwi Emden. Der Kaiser habe ihm die Aufsicht über die Normalschulen in ganz Galizien an vertraut, um den Unterricht zii reformieren, bis jetzt sei dieser Unterricht dem Zufälle überlassen. Nur verlorene Existenzen werden Meladim. Da verdrängen Fremde die würdigen Einheimischen. Der Lehrer lebt in ewiger. Unsicherheit, weil er jeden Sabbat es allen ״Verhörern“ rechtmachen solle.; Die armen Kinder empfangen gar. keinen Unterricht. Kinder verschiedenen Alters, verschiedener Anlagen * werden gleichzeitig vom selben Melamed, im seihen Lokale unterrichtet. Er empfehle also folgende Reform: Die Rabbiner mögen sich versammeln, konstatieren, wieviel das Minimaleinkommen eines Melamed betrage; Manche werden dann subventioniert, manche von der Gemeindekasse ganz bezahlt . werden. Der Gemeinderabbiner möge dannjeden Melamed eine seiner Fähigkeit entsprechende Tätigkeit anweisen. Dem נ Sendschreiben an die Rabbinen behufs Errichtung von jüdischen Eiementarschulen laut Befehl des Kaisers Joseph II. Lemberg 1788.- (Aufe nommen im Meassef 5548, S. 22ל f.);

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