Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Schriften zur Bibelwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
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Schriften zur Bibelwissenschaft. Betrachtet von Max Wiener, Berlin*. Wir haben im Folgenden einige Bücher anznzeigen, die großenteils darauf hinzudeuten scheinen, daß es auch für die Bibelwissenschaff ein alexandrinisches Zeitalter gibt, aus dem heraus wohl kaum noch neue Gesichtspunkte und Beleuchtungen als vielmehr neue Tatsachen und Entdeckungen führen können. Es soll nicht bestritten werden, daß die Nutzbarmachung längst gewonnener Erkenntnisse, ihre Verbreitung und Popularisierung fruchtbar und fördersam seiix können; es ist auch gewiß, daß dann und wann einmal eine neue Umgruppierung von Wissensdaten auf schmalem Ausschnitt des Gesamtgebietes andere Ausblicke bietet : im ganzen aber scheint es doch so, daß z.Zt. der Fülle der literarischen Produktion die Weite und Tiefe wirklicher und eigener Einblicke in die behandelten Erscheinungen nicht gerecht wird. Aus der Reihe ״die Klassiker der Religion" (herausg. von Gustav Pfannmüller, protestantischer Schriftenvertrieb, Berlin-Schöneberg) sind nachträglich — das Buch erschien schon 1913 — des Herausgebers ״Propheten" zu erwähnen. Nach kurzen Einleitungen über Lebensumstände, historischen Zusammenhang und religiösen Charakter der einzelnen Schriftpropheten wird eine, Auswahl aus ihren Reden gegeben. Der Verfasser hat großen Wert darauf gelegt, in zwanglosen Rhythmen den poetischen Gehalt des Prophetenwortes wiederklingen zu lassen und sich dabei doch dem Text in möglicher Treue anzuschließen gesucht. Ob es überhaupt je gelingen wird, das Problem einer Uebersetzung der Propheten zu lösen? —Diese deutschen Zeilen tönen jedenfalls viel glatter und ebener, als wir gewohnt sind, die leidenschaftlichen Ausbrüche eines Jeremia (vgl. z. B. Kap. 1510 ff.) in unserm Ohre zu hören. Liest man viel von diesen im allgemeinen gut gelungenen Versen, so wird man jedenfalls davon überzeugt, daß sich die Sprache der Propheten überhaupt nicht mit dem Auge lesen, sondern nur mit dem Ohre hören läßt. Etwas zu kurz gekommen erscheinen mir die Anfänge des israelitischen Prophetentums. Elia steht den Großen, von denen uns zufällig Schriften übermittelt sind, so nahe, daß er mehr als die paar Zeilen verdient, mit denen er abgefunden ist. Und warum wird auch in dieser Gesamtdarstellung der Propheten nicht der Versuch gemacht, das Bild des Moses durch all die Medien der Tradition hindurch, die seine Klarheit trüben, zu ergreifen? 1 Wir haben den Sammelbericht zur Bibelwissenschaft, den seither Herr Rabbiner Dr. Wiener übernommen hatte, im Einvernehmen mit ihm auf mehrere Gelehrte verteilt. Herr Dr. Wiener wird über die allgemeine bibelwissenschaftliche Literatur berichten, insbesondere über das Grenzgebiet zwischen Bibelwissenschaft und Weltanschauungslehre, sowie über Schrift- Propheten; andere Sammelberichte über Thora, geschichtliche Bücher, Hagiögraphen und Ausgrabungen sind in Bearbeitung und werden bald folgen. Ueber die Fortschritte der Sprachwissenschaft wird überdies in Einzelbesprechungen berichtet werden. Die Schriftleitung. Monatsschrift, 71. Jehrgang. 6