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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 439

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Konnte das alte Judentum Dogmen schaffen?
Date
1926-01-01
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 תחיית.ה&תימ besonders hervorgehoben werden soll. Eine derartige Unterstreichung eines einzelnen Glaubenssatzes im Gebet geschieht nicht ohne Absicht, die Lehre der Auferstehung bildete einen der Streitpunkte zwischen Sadduzäern und Pharisäern; die siegreiche pharisäische Volkspartei forderte die Anerkennung ihrer Anschauung auch im öffentlichen Gottesdienste'/ (Elbogen, Der jüdische Gottesdienst; 30), da gerade in der Synagoge die Sektierer ihre Anschauungexi vortrugen und zu verbreiten suchten, Sie waren hierdurch :gezwungen, auf diesen, den Auferstehungsglauben betonenden Segens- Spruch ״Amen״ zu sagen oder dem Gottesdienst fern zu bleiben. Hier in der Tefillä wurden auch diese Ketzer seit R. Gamaliel II. öffentlich verdammt, um sie endgültig vom Judentum abzuschütteln. Bereits in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts war zur Bekämpfung der Leugner des Auferstehungsglaubens dem im Tempel gesprochenen Schlußgebet die Lehre von der künftigen Welt eingeflochten worden, auf daß — wie ausdrücklich betont wird — ,,jeder wisse, daß diese Welt der künftigen Welt vorangeht wie eine Vorhalle dem Palaste" Töseftä Beräk. 7, 21)1. Hier liegt nicht die Lehre eines einzelnen Rabbi, auch nicht die eines bestimmten׳ Lehrhauses vor, sondern sie stellt dar die einmütige, prinzipielle, unwiderrufliche Glaubenslehre aller Lehrhäuser schon aus der Zeit des Bestandes des Tempels bis zur Endzeit der gaonäischen Lehrhäuser, der darum nicht ein einziger Rabbi zu widersprechen wagte. Schon aus dem Grunde hat das Synhedrion diese Lehre in das wichtigste Gebetstück, das dreimal täglich gebetet wird, aufgenommen, damit sie schnell Gemeingut der gesamten Judenheit werde und von keinem späteren Synhedrion mehr abgeschafft werden könne. Diese Untersuchung hat somit gelehrt, daß das historische Judentum die autoritative Behörde besaß, welche Dogmen schaffen konnte und auch solche geschaffen hat. 1 Nach L. Baeck verlangt nur ,,jede Erlösungsreligion“ das Dogma ־(S. 235 f). Dieser Auffassung, daß das Judentum nicht zu den Erlösungs« religionen gehört, begegnet man bei christlichen Forschern, so z. B. bei R. Eucken, Die Lebensanschauungeh der großen Denker 1921, 138: ,,Das Christentum ist nicht Ges e t ze s reli gi on , sondern Erlösungsreligion; als solche beschränkt es sich nicht auf eine Belebung und Anspannung vorhandener Kräfte, sondern es fordert einen neuen Menschen und eine neue Welt. . . . Inmitten aller Wirren der Zeit und aller menschf liehen Unzulänglichkeit erfolgt hier der Aufbau eines Gottesreiches“. Das nachexilisehe Judentum hatte sich nun bereits mehrere Jahrhunderte v. Chr. zur Erlösungsreligion gestaltet. Schon der obige in Tos. Ber. 7, 21;enthaltene Vergleich beweist dieses, den später Rabbi Ja‘aqob in folgende Worte kleidete: ,,Diese Welt gleicht der Vorhalle für die künftige Welt; bereite dich in der Vorhalle vor, damit du einst den Palast betretest“ (P. Abot 4, 21). Mit diesem Glauben war die Hoffnung auf das Kommen des Messias unzertrennlich verknüpft. Die Worte in der Tefilläh: ומביא גואל לבני בניהם waren für den Juden kein leerer Schall. Es wird immer wieder behauptet, daß schon aus dem Grunde der Unsterblichkeits- und Auferstehungsglaube kein jüdisches Dogma sein könne, weil er aus der Zarathustra־Religion entlehnt wäre. Allein diese Auffassung ist in meinem Buche: ,,Die altpersische Re* liginn und d3s Judentum“ widerlegt worden. Mäimonides nimmt (Jggäröt in Qöbes Tesubot Harambam ed. Lichtenberg, S. 8, 9a; vgl. auch S. 16) an,, daß die Seelen einst in körp er 1 os e r Form auferstehen werden: וחיי העולם הבא אחר תחיית המתים...* שאנחנו נאמין והוא האמת אצל בל בן דעת שהטהייב נפשות מבלי נופות כמלאכים*

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