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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. 433

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Konnte das alte Judentum Dogmen schaffen?
Date
1926-01-01
Page
433 (sequence 1)
Language
German
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Konnte das alte Judentum Dogmen schaffen?1 Von Univ.-Professor Dr. I.Scheftelowitz. L. Baeck hat S. 225 ff. dieser Zeitschrift 1926 einerseits die Stellung der Führer der jüdischen Reformbewegung zu den Dogmen treffend beleuchtet, andererseits sucht er aber auf Grund der Definition, die nur für den christlichen Dogmenbegriff aufgestellt worden und zutreffend ist, darzulegen, daß dem Judentum die kennzeichnenden Merkmale der Dogmen fehlen. Allein bei der Untersuchung der Dogmen außerchristlicher Religionen dürfen unmöglich die Eigenheiten des christlichen Dogmenbegriffes als Maßstab dienen. Hätte Baeck recht, so würden sich bisher alle modernen Islamforscher;geirrt haben, die von den Dogmen des älteren Islam sprechen. Unrecht hätten die Indologen, die von dem Dogma der Seelen- Wanderung (Samsära) und des Karman (pali k a m m a) reden. Es hätten sich die Iranisten geirrt, die z. B. von dem Auferstehungsdogma und dem dualistischen Dogma der Zarathustra- Religion sprechen, gemäß dem es als eine Gotteslästerung gilt, wenn man behauptet, daß nicht nur das Gute, sondern auch das Böse von einer und derselben Gottheit herrührt2. In allen diesen außerchristlichen Religionen fehlt die genaue Formulierung von Glaubenslehren, worin nach Baeck ,,das wesentliche Merkmal des Dogmas“ besteht. Da überdies der indische Begriff der Seelen- Wanderung gar nicht zu dem alten Offenbarungsin ha 11 der Veden gehört und ferner die zarathustrische Auferstehungslehre in den ältesten Teilen des Awesta, in den Gäthas, überhaupt nicht vorkommt, so würden schon aus diesem Grunde nach Baeck jene Lehren unmöglich als Dogmen angesehen werden können, denn -der Begriff Dogma wird nach ihm wesentlich bestimmt nicht nur 1 Mit obigem Aufsatz des Herrn Professor Scheftelowitz schließen wir die Aussprache über die Frage, ob die religiösen Grundlehren des Judentums als Dogmen bezeichnet zu werden verdienen. Gleichzeitig eröffnen .wir durch den' Aufsatz des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann eine Aussprache über den Inhalt dieser Glaubenslehren und ihre Beziehung zu einander. Es wird sich freilich bei dieser Erörterung die persönliche Anschauung und Richtung der Verfasser deutlicher zur Geltung bringen als in den meisten Beiträgen unserer Monatsschrift. Wir werden indessen gern weitere Aeußerungen berufener Mitarbeiter zu dieser wichtigen Frage bringen, aus denen, ebenso wie es bei dem Aufsatz des Herrn Rabbiner Goldmann der Fall ist, Anhänger aller Richtungen lernen können. Die Schriftleitung. 2 Gegen dieses zarathustrische Dogma wendet sich offenbar das jüdische!Dogma, das ich oben S. 73 dargelegt habe. Ein Jude, der dem Dualismus ]huldigte, galt als Ketzer (pö) Sanhedr. 39a. Monatsschrift, 70, Jahrgang. 28

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