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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 426

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 426 (sequence 1)
Language
German
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426 Breuer, Isaac: Die Wel־fc als Schöpfung und Natur. Frankfurt a. M. 1926, bei J. Kauffmann. Dieses Buch gibt sich nach Titel und Inhalt, insbesondere dem Vorwort, das zum Ausdruck bringt, daß die Ausführungen ,,als Prolegomena für ein System jüdischer Philosophie gewertet sein wollen“, als wichtige Publikation. Wäre es weniger anspruchsvoll, so könnte man die Dialektik rühmen, einzelne gelungene Partien anerkennend hervorheben und über die Schwächen mit Nachsicht hinweggehen. So aber muß ein strenger Maßstab angelegt werden. Der Titel sagt das Wesentlichste. Gott der Schöpfer hat mit dem sechsten Schöpfungstag aufgehört zu ,,schöpfen“. Natur ist Ruhe des Schöpfers, bildet einen Schleier um die Schöpfung, ist ihr sabbathliches Kleid. Im Menschen aber bleibt Schöpfung lebendig: am Sollen im ',,Ich“ wird das Sein im ,,Ich“ zu Bewußt-Sein, am Sein im ,,Ich“ wird das Sollen im ,,Ich“ zu Bewußt-Sollen. Das Urteil ,,es soll sein‘* ist alles, was der Mensch von seiner Seele weiß (d. h. evident ist nur die formale, nicht die materiale Ethik). Der Mensch hat mehrfach seine Bestimmung verkannt: das Geschlecht vor der Sintflut huldigte schrankenlosem individualistischen Machtstreben, die Nach־ kommen Noachs, deren Schicksal sich im דוד הפלגד״ erfüllte, dem Götzendienst des Machtstaates, der nur die Seinsgesetze, nicht die des Sollens kennt. Abraham kam aus eigenem Bemühen zu der Erkenntnis, daß die Welt als Schöpfung zu begreifen sei, daß in ihr also noch Gottes Schöpfungswille fort־ wirke und über die Naturhaftigkeit hinauswolle. Abrahams Nachkommen ward dann durch Gottes Schöpfungswort ,,Schöpfungsrecht“ zuteil, wie es in der Thorah niedergelegt ist. Es macht die Menschen zu freien Bürgern der ,,Schöpfungsnation,“ die als Schöpfungsstaat organisiert ist. Im Gegensatz hierzu hat das römische Recht den Bürger zum Philister erniedrigt, indem es Familie und Staat völlig auseinanderreißt, wie es auch öffentliches und privates Recht unterscheidet und durch jenes dieses vergewaltigen kann. Immer noch sind die Staaten nach diesem Schema gebaut, immer noch ist der Bürger Philister. Nur im Kapitalismus gelang es dem Bürger-Philister, selbst im kleinen zur Herrschaft zu gelangen. Die jüdische Erziehung soll demgegenüber die Einbürgerung in schöpfungsgeschichtliche Sphäre bewirken, denn das ist unerläßliche, aber auch völlig ausreichende1 Bedingung des Judeseins- Die Aufgabe unserer Gegenwart heißt: Zurück zur Welt als Schöpfung, zurück zur jüdischen Nation. Die Mahnung lautet: Bleibe geschichtlich! Mit dieser Skizze muß ich mich begnügen. Das Buch enthält noch eine Reihe von Gedanken und führt das Wiedergegebene in anderer Folge und mit vielen Variationen aus, wie denn Breite sein besonderes Merkmal ist. — Zur Kritiksei gesagt: Das Buch verliert viel durch seinen Aufbau. Es ist eingeleitet durch ein journalistisches Kapitel, zu dem der Verfasser offenbar auf einer Pariser Reise die Anregung empfangen hat. Nachkriegsprobleme füllen es aus. Die Gedankengänge des Buches sind von sehr mäßiger Homiletik durchsetzt. (Auf S. 62 findet sich ein unerträglicher, epigonenhafter Symbolisierungsversuch des טלית). Uebersetzung und Deutung von Bibelversen sind willkürlich. So die Uebertragung des an den Eingang gesetzten 103. Psalms; ferner ״ עם נוש ע בדדNation in Gott gegründe t“2. ־— Sentimental und unkünstlerisch ist die Schilderung von Mosis Tod, geschmacklos der ,,Humor“ und die Satire in Kapitel II. Schlimmer sind wesentliche Schwächen, mit denen das Schicksal des Buches verknüpft ist. Dieses Werk trägt nichts zu der großen Auseinander- Setzung zwischen dem Judentum der Ueberlieferung und der Philosophie bei. Wenn man es Breuer zum Verdienst anrechnen will, daß er keine schwächliche Eintagsapologetik betreibt, so vergesse man nicht, daß er vielfach Kollisionen dadurch umgeht, daß er die Welt eben als Schöpfung und Natur darstellt und begreift. Dieser Lösungsversuch mag ernst gemeint sein — man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß er auch ein prachtvoller Ausweg ist, der von vornherein vor allen Konflikten schützt. Der Gegensatz zum 1 Von mir gesperrt. Referent. a Von mir gesperrt. Referent.

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