Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833498--47181-2833646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
424 geführten Stelle (Nik. Etli. 1, 6), derzufolge das Denken das eigentliche .Werk des Menschen ist. Selbst die Einengung des Erkenntnisideals auf die;metaphysische Erkenntnis und seine dem Aristoteles völlig fremde Umbiegung in das Religiöse, bei der gewiß der Einfluß des Neuplatonismus und' der ihm nahestehenden Aristoteleskommentare unverkennbar ist, wird doch vom Mittelalter auf eigenen Wegen erreicht. Gerade der naturalistischste unter den alten Aristoteleserklärern, Alexander von Aphrodisias, hat durch seine Umbildung der aristotelischen Lehre vom aktiven Intellekt den islamischen und jüdischen Aristotelikern die Möglichkeit geboten, die religiöse Umdeutung des Aristoteles in eigener Form zu vollziehen. Auf der anderen Seite schlägt doch bei solchen Denkern wrie Gabirol und Maimonides, die den Wissenschaftliehen Eros in sich selbst verspüren, der ursprüngliche Sinn der theoretischen Eudämonie des Aristoteles wieder durch. Es würde zu weit führen, auch für das Verhältnis des Mittelalters zu Plotin verwandte Erwägungen durchzuführen. Nur auf eine Einzelheit sei hingewiesen. Die für Jehuda Haievis und Maimunis Lehre vom,,UebermensGhen“ grundlegend wichtige Rechtfertigung der geistigen Rangunterschiede unter den Menschen (S. 69) lehnt sich ohne Zweifel an die Ausführungen Plotins (Enneaden III, 3, 3) an, denen namentlich Jehuda Ilalevi auch im einzelnen nahesteht. Ich lasse noch einige Einzelbemerkungen folgen. Der Midrasch scheint mir der griechischen Bestimmungslehre noch näher zu kommen als der Verfasser (S. 31) annimmt. Vgl. den Ausspruch Rabbi Simais, SifreDebarim § 306 (ed. Friedmann S. 132a), Bereschit Rabba 8, 11. — Als Wunder betrachtet Saadia nicht, wie S. 37 gesagt wird, die göttliche Vergeltung schlechthin, sondern nur die diesseitige Vergeltung. — Die Auseinandersetzung des Chasdai Crescas mit der Zweckiehre Maimunis liegt nicht, wie S. 6ל Anm. 4 behauptet wird, in zwei Fassungen vor. Die Stelle III, 1, § 1 ist vielmehr nur durch eine Blatt- Versetzung in der Ed. Ferrara von ihrem Anfänge in II, 5 § ,6־ getrennt worden (vgl. Bloch, Die Willensfreiheit von Chasdai Crescas S. II, III). Sehr fein abgewogen sind die abschließenden grundsätzlichen Aus- .Führungen über das Weiterwirken des Hellenismus im Judentum, die in allem Wesentlichen volle Zustimmung verdienen, wenn sich auch, was bei einem so komplizierten Problem selbstverständlich ist, über die Verteilung der Akzente üiid die Nuancierung im Einzelnen hie und da streiten läßt. Wir hoffen, daß der Verfasser seine Absicht, seiner schönen Studie eine gleichartige Behandlung anderer Einzelprobleme folgen zu lassen, recht bald auszuführen Gelegenheit findet. Julius Guttmann. Blondheim, D. Les Parlers Judeo-Romans et la Vetus Latina. Etüde sur les rapports entre les traduetions bibliques en langue romane des juifs au moyen äge et les anciennes versions. Paris, Edouard Champion, 1925, CXXXVII + 247 S., 8°. Obwohl ich nicht Fachinann bin, halte ich es für notwendig, auf dieses ,vortreffliche Buch die Aufmerksamkeit zu lenken, das in Deutschland vorläufig ganz unbekannt geblieben ist und mir nach Inhalt und Forschungsiriethode gleich beachtenswert erscheint. Einige wichtige Kapitel des Buches wurden zwar schon 1924 in der Romania und der Revue des Etudes Juives veröffentlicht, aber die volle Bedeutung dieser Studien wird erst jetzt klar, wo sie im Zusammenhang vorliegend Die philologische Untersuchung von 166 Worten, die der Ueberlieferung des von Juden des Mittelalters gesprochenen Französisch, Provenpalisch, Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Italienisch entnommen sind und zumeist Bibelübersetzungen in diesen Sprachen entstammen (S. 1—135, 171—179), führte den Verfasser zu der Erkenntnis, daß diese sonst ungebräuchlichen Worte auf das Altlateinische und besonders auf die Vetus Latina zurückgehen. Von da schritt er weiter vor zu dem Problem des jüdischen Einflusses auf diese alte Uebersetzung und des Zusammenhangs der jüdischen Bibelübertragungen des Mittelalters mit den antiken, besonders den griechischen Versionen. Er verfolgt diese Probleme, nach allen Richtungen. Zunächst wird der jüdische Einfluß im Römischen Reiche quantitativ und qualitativ festgestellt (S. XII—XXII), sodann die Frage untersucht* wann die Juden das