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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 377

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Eine apologetische Mischna
Date
1926-01-01
Page
Seite 377 (sequence 2)
Language
German
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377 Daten zu benützen hat, soll an einem Beispiele erläutert werden. Nirgends kann man so leicht durch Irrlichter und Schattenbeweise verführt werden, als auf diesem Gebiete. Eine Selbsttäuschung ist umso eher möglich, da alle Sektenbewegungen in der Kirche, wie in der Synagoge, in alter, wie in neuester Zeit sich bis zum Verwechseln ähnlich sind. Das Redaktionsprinzip der Mischna wurde schon von den ältesten Erklären! besprochen und untersucht. Hier ist noch ein weites Feld der Forschung unbebaut, das zum Teile noch brach liegt. Wir gedenken hier den noch immer unerklärten Zusammenhang der Mischna Rosch ha Schana III 8 zu behandeln. Die Mischna unterbricht die Schofargesetze und bringt eine Agada über Ex 17u und Num 218, die weder mit dem Vorhergehenden, noch mit der Folge in Verbindung gebracht werden kann. Bartinora sucht zwar eine solche herzustellen, oder besser, zu entdecken, indem er auf כיוון לבו in der vorhergehenden M. und שמכוונים לבן לאביהם שבש׳ hindeutet. Der Text in der Mischna hat aber gar nicht diese Redewendung. Wir haben ומשעבדין את לבן לאביהם שבשמים vor uns, ebenso die Mischna im Babli, hingegen hat die Mischna im Jeruschalmi, wie Bartinora voraussetzt, aber nur im ersten Satz, מכוונים. Allein, warum wurde diese Agada nicht in M. Berachoth II 1 oder IV 5—6, wo die Frage von מצות צריכות כוונה auch behandelt ist, eingeschaltet? Zacharias Frankel (Darkhe ha Mishna 321) lehrte, daß sowohl die Traktate, wie auch die Kapitel der Mischna logisch und systematisch eingeteilt sind. Abweichungen und Ausnahmen von dieser Regel sind als Zusätze zu erklären und zu behandeln. Man darf daher mit Recht eine streng logische Folge in einem und demselben Kapitel erwarten (vgl. über diese Fragen L. Blau, Ueber die Komposition des Mischnatraktates Schebuoth, in Königsbergers Monatsblätter, 1891, 97—101). Was bedeutet hier dieser Zusatz, oder Unterbrechung des Lehrstoffes? Man kann doch diese Agada nicht anders denn als eine Störung ansehen! Wir wollen zuerst die agadischen Lehrsätze selbst betrachten. Die Mischna zitiert Ex 17n, knüpft daran die Frage: Können die Hände Mosis Krieg machen oder brechen?, d. h. hängen Sieg oder Niederlage von den in die Höhe gehobenen Hände eines Mannes ab? Antwort: Nein. Was bedeutet aber der Vers? Antwort: Wenn Israel zum Höchsten hinauf schaut und die Herzen sich dem Vater im Himmel unterwerfen, dann siegen sie, wo nicht, fallen sie. Jeruschalmi liest, wie bereits bemerkt: ,,und die Herzen auf den Vater im Himmel gerichtet sind“. Dieselbe Einteilung in der zweiten Predigt. Erst Num 218. Frage: Kann der Blick auf die Schlange töten oder Leben schenken? Antwort: Nein. Derselbe Schlußsatz. Die Mekhilta (ed. Friedmann 54a) hat diese Agadasätze, die inhaltlich unserer Mischna entsprechen, obwohl sie dem Wortlaute nach verschieden sind. Die Mekhilta hat ferner noch eine dritte Predigt, die in der Mischna fehlt. Warum? Hat der Redaktor der Mischna die dritte Predigt noch nicht gekannt, oder hat er einen besonderen Grund gehabt, dieselbe beiseite zu lassen? Dafür muß es irgend einen Grund gegeben haben. Sehen wir zuerst von diesem dritten Punkte ab, und vergleichen wir die zwei Predigten in der Mischna mit der

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