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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 350

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joels Bedeutung für die jüdische Predigt
Date
1926-01-01
Page
Seite 350 (sequence 4)
Language
German
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350; Sondßrnote. Joel versteht es :ganz ausgezeichnet, den Midrasch für die Predigt, fruchtbar zu machen. So beleuchtet er z. B. den Gedanken, daß vor der Erhabenheit der sittlichen Offenbarung Gottes die Naturoffenbarung schweigen müsse, durch den rabbinischen Aussprach: ,,Als Gott die Lehre gab, da schwiegen die Vögel unterm Himmel, das Getier auf der Erde, die Winde ließen die Flügel fallen, das Meer glättete seine Wellen, die Seraphim sprachen nicht ihr Heilig, sondern die Welt schwieg authorchend und hervorbrach das Wort: Ich bin der Ewige, dein Gott!“1־ Im.Unterschiede von Je II i ne’k, bei dem Midrasch sich, an Midrasch reiht und oft im geistreichen Gedankenspiel kühnbeschwingter Kombination den modernen Gedanken mit. dem alten Bilde, verbindet, bleibt J. auch in der Ausdeutung des Midrasch schlicht und wahr. Denselben Vorzug hat auch seine Behandlung des Schriftwortes. Wohl gehen auch seine Schriftdeutungen zuweilen über den nächsten Sinn des Schriftwortes hinaus, sie dringen aber dann zu dem wahrhaft tiefem Sinn desselben vor, ohne daß eine dem Bibelvers fremde Äbzweckiing hineingetragen wird. ,:{■ Joels Predigten, deren hauptsächliche Bedeutung in der kanzelmäßigen Behandlung, von Weltanschauungsfragen, liegt, zeigen strenge Gedankenzucht und logische Gedänkenfolge. Ohne Umschweife wird an den Gegenstand herangeführt und das Thema scharf formuliert.: . Oft auch wird die zwei- oder dreiteilige Gliederung angegeben, wie in Festpredigten v. J. 1867, S. 108: ״der Geist Gottes raht auf mir,“ das ist 4er Quell, aus dem dieserTag seine Kraft schöpft ״auszurufen ein Jahr der Gnade vom Ewigen,“ das ist das Ziel, auf das: der Tag hinarbeitetj lind mit dem Worte ״Heil den Demütigen, Heilung den gebrochenen Herzen und Freiheit den Gefesselten“ werden die Mittel angegeben, wie wir uns zur Würde freier Menschen erheben. Doch finden sich auch thematische Predigten ohne Text. Joel war eben kein Mann; der Schablone, da wo. er glaubte, etwas sagen zu können, tat er es; auch .im; Sinne des Wortes: Meister kann die; Form zerbrechen! . : : •Was; J-öel in seiner Gedenkrede auf Michael Sachs einst sagte2, darf• auch an seinem Gedenktage ihm als Wort dankbarer Verehrung über das Grab hinaus nächgerühmt ׳ werden: Salomo empfiehlt dem Menschen, seine Tage dem Schatten g l e i c h zu machen, David beklagt den Menschen, •dessen Tage Schatten s i n d. Wie ist der Widerspruch zii verstehen? Schatten ist ein doppelsinnig Wort. Es bedeutet das Flüchtige und Vergängliche, aber auch das Labende und Erquickende. ־— In seinem dahineilenden־ Leben hat der Verklärte so viel Labung und Erquickung seinen Schülern und seiner Gemeinde gespendet, daß. sein Andenken ein gesegnetes bleiben wird. ..In der Geschichte der jüdischen Kanzelberedsamkeit wird sein Name .als der eines Meisters; nnd Klassikers in dankbarer Ver-. ehrung genannt werden. . 1,.־, Fes tpre digt.e n v. J. 18 61S.. 8 6, 2 Nachl&ßprödigten II, .$׳־ .6ל2• ״

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