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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 321

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Joel als Seminarlehrer und seine Wahl zum Rabbiner in Breslau
Date
1926-01-01
Page
Seite 321 (sequence 2)
Language
German
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blütenreicher Entfaltung gelangte, um später in den Jahren seelsorgerischer Praxis die reifen Früchte seines Geistes £11 zeitigen. Und diese 10 Lehrjahre waren gleichzeitig Lernjahre, in denen er trotz einer unterrichtlichen Tätigkeit von 20—24 Wochenstunden, zu denen er vertraglich verpflichtet war, den großen Wissensschatz in sich sammelte oder vielmehr bereicherte, über den er auf allen Gebieten der Fachwissenschaft und der allgemeinen Religionsphilosophie souverän verfügte. Ueber die Erfolge seiner Lehrtätigkeit äußerte sich der kompetenteste Beurteiler derselben, der Seminardirektor Zach. F r a n k e 1, in einem Bericht an das Kuratorium vom 29. März 1858 mit folgenden Worten: Dr. Joel hat sich ״als ein sehr fähiger Lehrer bewährt, der mit tiefer Auffassung des Gegenstandes gewissenhaften Fleiß und eine die Aufmerksamkeit und Wißbegierde der Hörer anregende Lehrmethode verbindet/' Und als Joel zur Abhaitung einer Probepredigt in Stettin eingeladen wurde, äußerte sich Frankel in einem an das Kuratorium erstatteten Bericht vöm 23. September 1859 folgendermaßen : ״Die Leistungen des Dr. Joel am Seminar sind vortrefflich, sein Abgang wäre für dasselbe fast ein unersetzlicher Verlust/'1 Worauf das Kuratorium erwiderte: ״Als unersetzlich dürfen wir nur Euer Hochwürden Bedeutung für" das Seminar betrachten." Der Vielgelöbte aber wurde für seine Verzichtleistung auf eine Probepredigt in Stettin mit einer Gehaltserhöhung von 100 RTh. entschädigt und ihm die lebenslängliche Anstellung angeboten unter der Bedingung, daß derselbe seines Kündigungsrechtes'sich begebe, womit Joel sich einverstanden erklärte. Weitere Anerkennungen für seine ״fortgesetzt rege und erfolgreiche Tätigkeit" in Form von persönlichen Zulagen folgten. Die Musterpredigten, die Joel in der Seminarsynagoge gehalten, lenkten die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich und fanden solche Beachtung, daß er, als Geiger (am 1. August 1863) einem Rufe nach Frankfurt/Main gefolgt war, zum Nachfolger desselben an erster Stelle designiert wurde. Seine Gegenkandidaten waren: Dr. Cohn-Potsdam und Dr. Stein-Danzig. Nachdem seine Probepredigt in der Gemeinde allgemeinen Beifall gefunden, äußerte sich im Vorstandskollegium der Wunsch; sich über Joels religiöse Richtung, insbesondere seine Stellungnahme gegenüber den damals brennenden Kultusfragen, Gewißheit zu verschaffen, zu welchem Zwecke ein Kolloquium veranlaßt wurde, das am Abend des 5; September 1863' im Hause des Herrn I. Frieden! h a 1, Vorsitzenden der Kultuskommission, II, im Beisein von mehreren Vorstandsmitgliedernund des Syndikus Dr. Honigmann stattfand: Bei dieser Gelegenheit gab Joel eine programmatische Erklärung folgenden Inhalts' ab : Seine Aufgabe stelle sich ihm-gleichsam .unter dem biblischen Bilde von der Lage der alten Wiederhersteller des Gottestempels dar, die in der rechten Hand: die Kelle, in der linken das Schwert hielten, um, mitten in der heiligen Arbeit, jederzeit zur Abwehr gerüstet zu sein. — Den wesentlichen Teil seiner Aufgabe erblicke er allerdings mehr nach: der positiven Seite hin, d; h. in der 1 Vergl. M. Braun in seiner Geschichte des jüd.־theolog. Seminars in Breslau, S. 88. Monatsschrift, 70. Jahrgang. 21

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