Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 1)
- Language
- German
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300 י י .1 יע קב קל צקי ן, זוטות, הוצאת.אשכול*, ברלין, התרפיה .2 י ע ק ב' ק ל צ ק י ן, שקיעת החיים, הוצאת "אשכול", ברלין, התרפיה In diesen beiden Bänden legt K 1 a t z k i n , der in der hebräischen Literatur, aber auch als Schriftsteller in deutscher Sprache (Arbeiten zur־ zionistischen Ideologie und über Philosophie, z. B. über LI erm,a n n Cohen)‘ .sich einen klangvollen Namen erworben hat, gesammelte Aufsätze vor, die z. T. bereits vor mehr als zwanzig Jahren geschrieben, zum andern Teil in den letzten Jahren in hebräischen Wochenblättern /so die זוטות s. str. im העולם, Jahrgang 1924) und periodischen Zeitschriften (שקיעת החיים in 5684 ,התקופה) veröffentlicht worden sind. Während das zweite Werk eine^ straffe Komposition, gemäß seiner einheitlichen Abfassung, aufweist, ist das erste nach Inhalt und Wert ungleichartig und in seiner Struktur locker.. Dennoch fehlt es nicht an einer verbindenden Idee, an einem Leitmotiv:: es ist im Gegensatz zu שקיעת החיים, das Problem ,der wissens c h a f t - liehen Philosophie unter weltanschaulichem Gesichtspunkt behandelt,, der L e b e n s philosophie, der Kulturkritik gewidmet, enthält zahlreiche Aphorismen über Freundschaft, Liebe, Schriftsteller ei, Politik etc. Eines darf man gegenüber bei den Büchern feststellen:' Sie gehören, sprachlich zu dem Besten, das in neuhebräischer Sprache geschrieben worden ist. Ja, es ist selbst dort, wo gelegentlich der Gedanke sich in mittlerer Höhe bewegt, noch immer um der Diktion willen ein hoher Genuß, die Gedanken zur Lebensweisheit zu lesen. Ueber diese stilistische Kraft hinaus, die die Lektüre so angenehm gestaltet, hat Klatzkin sich ein hohes Verdienst um die philosophische Terminologie in der hebräischen Sprache erworben. Hier möchte ich fast ohne Ausnahme seine Benennungen als geglückt bezeichnen. Ich kann nicht in jedem Fall nachprüfen, ob ihm die Autorschaft für die Nomenklatur zukommt, möchte aber nach meiner Kenntnis des Schrifttums glauben, daß das meiste von ihm stammt. ידע für Bewußtsein, מחישה für Wahrnehmung, .מצןדמר für Prämisse, תנות für Bedingtheit, תעריך für Wertmaß, um nur einige Beispiele anzuführen, halte ich für ausgezeichnet. Ob קדימה für Primat ebenso adaequat ist, und ob vor allem מספר ש1טה für Irrationalzahl (trotz הדם שוטה) am geeignetsten ist, ist mir weniger sicher. — In dem zweiten Buch, das durchaus ernste Fragen behandelt, handhabt er die hebräische Sprache mit derselben Virtuosität, ja mit größerer noch als im ersten, weil es ihm, ungeachtet der schwierigeren Materie, mühelos gelingt,, den spröden Stoff zu meistern, Es ist im Rahmen dieser Besprechung nur möglich, einige Abschnitte zu streifen. — Auf der Höhe schriftstellerischer Leistung sehen wir im ersten Buch unseren Autor in dem als *,,Feuilleton“ überschriebenen Abschnitt. In גרמנים בני דת משה gibt er eine ätzende, vielleicht das Maß der Gerechtigkeit nicht ganz innehaltende Kritik der Frankfurter Trenn ungs Orthodoxie (übrigens bleiben auch die anderen Richtungen nicht verschont). Diese Satire ist mit dem Scharfblick des Gegners gesehen und erkennt sehr bedenkliche' Schwächen: die Klerikalisierung, die Selbstgerechtigkeit und die auch im Kapitel ״Philäntrophie“ gegeißelte Art der Zedakah Und die Abneigung gegen Gemiluth Ghessed. Daß diese schonungslose Attacke nicht etwa aus Unverständriis der religiösen Seele geschrieben ist, beweist der prächtige Aufsatz. אב ובנו, der dem Andenken zweier der größten litauischen Rabbiner gewidmet ist, den Brisker Rabbinern R. Joseph Ber und R. Chajim Soloweitschik. Die menschliche Größe des letzteren, auch sonst vielfach bezeugt, kommt hier zu ergreifendem Ausdruck, wenn wir hören, welche Fürsorge der Brisker Raw unehelichen Kindern zuwandte. — In משיחותיו של דוד ולפסק ist der mit Humor begabte Autor am Werke. Dieser schlagfertige Mann, den schon Herzl treffend als David Litwak charakterisiert hat, war im Leben und der Kontroverse allen gewachsen. In den Aufzeichnungen aus dem Kriege sehen wir Klatzkin als Skeptiker und allen Mächten gegenüber als unbestechlichen Kritiker. Gerade den Aphorismen gegenüber muß sich der Referent Beschränkung auferlegen. Sie enthalten u. a. außerordentlich fesselnde Beiträge zur Psychologie des geistigen Schaffens, Gedanken und Sprache. Wir finden aufschluß-