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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 289

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Zur neuesten Mischna-Literatur
Date
1926-01-01
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
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.289 Zur neuesten Mischna-Literatur. Zu der Besprechung der Karlschen Ausgabe der Mischna Pessachim durch Herrn Dr. Albeck (S. 412־ff. des vorigen Jahrgangs) erhalten wir folgende Zuschriften, die wir g e k ü r z t. wiedergeben. . . Herr Karl schreibt uns: Durch die von mir in jener Schrift vorgenommene kritische Untersuchung einer in seinen ,,Untersuchungen zur R. d. M.“ ausgesprochenen Thesen offenbar betroffen, tritt Albeck‘an die Rezension mit dem Rüstzeug ausgesuchter verletzender Kraftausdrücke heran, um vor allem den Verfasser persönlich zu treffen. Statt einer vorurteilslosen sachlichen Besprechung des zu beurteilenden Gegenstandes, erlaubt er sich ein Pauschalurteil, wie ,,Verfasser besitzt nicht die geringsten philologischen Kenntnisse“ usw., ohne in der Lage zu sein, einen einzigen Beweis für diese Behauptung anzuführen. Ferner wirft er mir vor: ,,das Passahfest wird hier irü Lichte der Bibelkritik dargestellt“; er verschweigt, daß ich an vielen Stellen die herrschende Bibelkritik zu widerlegen suche und daß, wo dies nicht geschiebt — weil mir die Beweiskraft fehlt —, zwar die Hypothesen der Bibelkritik zitiert, diesen aber die Ansicht der Apologetik zur Seite gesetzt wird. Charakteristisch ist auch, daß zum Beweis für seine Behauptung, daß ,,.,die radikalsten Hypothesen als die größten Selbstverständlichkeiten hin- •gestellt werden“, eine Stelle aus meinem Werke in falscher Uebersetzung zitiert wird. Die Stelle lautet richtig übersetzt: ״Daß Mazza und Maror ihren Ursprung nicht dem Auszug aus Aegypten verdankten, scheint über allen Zweifel erhaben, da doch deren Gebrauch (nach der Darstellung der Thora) dem Auszug vorangegangen ist. Deren Entstehung wird daher notgedrungen in einer alten Sitte zu suchen sein“. Und diese These soll radikal oder unrichtig sein! Oder ist sie etwa deshalb radikal, weil der Ursprung eines Brauches, der zur Zeit des Auszuges aus Aegypten geübt: wurde, in eine ältere Zeit versetzt wird? . Das Merkwürdigste aber ist, daß A. offenbar in meinem Buche nur geblättert, es aber eigentlich gar nicht gelesen hat. Er verrät dies nicht allein :durch manche Ungenauigkeiten, davon er sich beim Hinweise auf gewisse ,Stellen schuldig gemacht hat, sondern auch besonders dadurch, daß er Seite 403 betreffs מלקט אדם עצמות אביו einen Gedanken in eigenem Namen ausspricht, der in meiner Arbeit (S. 70, Note 21) zum Ausdrucke kommt, ohne auf diese Tatsache hinzuweisen. Und trotz des offenbaren Mangels an Vertrautheit mit' meiner. Arbeit nimmt Albeck doch keinen Anstand, zu behaupten: ,,in der Tat gehören auch sämtliche Erklärungen des Verfassers, die R e f. einer Prüfung unterzogen hat, in das Reich der Phantasie, für die die Mischna keinen Anhaltspunkt bietet“. Zum Beweis greift er zwei, sage zwei (die eigentlich eine sind) vermeintliche Irrtümer aus einer etwa 100 Seiten starken Arbeit heraus. Wir wollen sehen, wie es um diese angeblichen Irrtümer bestellt ist. In meiner Arbeit habe ich die These ausgesprochen, daß das Wörtchen "אור“ in Verbindung mit einer folgenden Tages beZeichnung .in zweifacher Weise aufgefaßt. werden kann : entweder im Sinne von Abend vor oder Abend nach dem genannten Tag. Für letztere Behauptung verweise ich auf ■22 דיה b, wo der Ausdruck "1א1ר עבור“ nicht den Abend vor, sondern den nach dem ,,עבור“ bezeichnet. Auf Grund dieser Tatsache nehme ich mit Rücksicht auf das biblische Gesetz אך ביום הראשון תשביתו an, daß ,,אור לארבעה עשר בודקין את החמץ“ ursprünglich in Uebereinstimmung mit dem Pentateuch sich auf den Abend nach dem 14. bezogen haben dürfte. Was angesichts dieser Behauptung der Hinweis auf Edujol IV und Keritol I 6 zu bedeuten hat, ist mir unerfindlich. Der Hinweis auf Toss. Zebachim 56 b hingegen, wo zwischen ,,אור לשלישי“ und ,,לאור שלישי“ unterschieden wird, ist doch wohl nicht ernst zu nehmen. Auf seine Ausführungen zu Pes. I 3 ist folgendes zu erwidern. Bekanntlich ist R. Simon der Meinung, daß man durch Genuß von Chamez vor dem Feiertag sich keinerlei Gesetzesübertretung schuldig mache (bab. T. Pes. 28 b). Er erklärt also damit den zu seiner Zeit geltenden Brauch des Chamez- Verbrennens um die Mittagszeit des 14. für ungesetzlich (Aehnliches tut R. Jose der; Galiläer in bezug auf das 6^ד.3אה^^ am Pesach). Er wird aber gegen Monatsschrift, 70. Jahrgang. 19

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