Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Passivbildung des Grundstammes im Semitischen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 11)
- Language
- German
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260 an dem Vorgang (wie z. B. ״für sich, für sein Haus opfern“) intensiv beteiligt ist und von ihm betroffen wird.“ Kam dabei die als Agens wirkende Potenz zum Ausdruck, z. B. durch den Intransitiv, so war passiver Sinn etwa so, wie im nhd. ״durch ihn hat sich das Gerücht verbreitet gegeben“149. Demzufolge durfte auch im Semitischen bei dem Mediopassiv im Gegensatz zum inneren Passiv, wenn es darauf ankommt, der Urheber ohne Bedenken genannt werden, wie z. B. ולא יכדת כל בעור ע1ר ממי הממד nicht mehr soll ein lebendes Wesen von den Wassern der Flut vernichtet werden Gn 9U, ‘mad men Ioftanan wurde von J. getauft150. ~ Wenn aber mitunter, wie schon bemerkt, der Urheber auch beim inneren Passiv bezeichnet wird151, so scheint dieses eben von der ursprünglich neutrischen, d. h. intransitiven Bedeutung herzurühren. Man findet also in der Ausbildung des Passivs im Semitischen das Entwicklungsgesetz im eigntlichen Sinne wirkend. Ansätze aus dem Gemeinsemitischen, Intransitivstämme in inchoativer wie auch in passiver Bedeutung, waren allen Abkömmlingen mehr oder minder mit auf den Weg gegeben. Manche—•wie das klassische Arabisch, das Hebräische und vielleicht auch noch eine andere Tochtersprache des Kananäischen — haben diese Keime zu neuen organischen Gebilden entwickelt, zum inneren Passiv; andere wieder bewahrten ihre ur~ sprünglichen Medialformen, und andere schließlich haben ein organisches Gebilde — das Partizip Passiv pe‘11 — zu einem selbständigen Typus, zur pe‘il-Konjugation, auszugestalten versucht. Es scheint mir aus alledem hervorzugehen, daß die meisten semitischen Sprachen, wie die sämtlichen arabischen Dialekte, nicht darauf schließen lassen, daß das innere Passiv früher in ihnen vorhanden gewesen sei. Vielmehr ist dieses als eine sekundäre Neubildung au s ursprünglicher, begrifflicher wie lautlicher Steigerung deslntransitivs entsprungen anzusehen und in einigen mehr oder minder entwickelten Literatursprachen als relativ spät entstanden zu denken. Diese Verbalform war zu keiner Zeit allgemein verbreitet, wie. man früher anzunehmen pflegte. Auch in den modernen europäischen Sprachen ist die passive Ausdrucksweise nicht mit gleicher Selbst- Verständlichkeit in der Mundart lebendig wie in der Literatursprache. Daß Erstere überhaupt nichts Urwüchsiges sein kann, ergibt ja schon die einfache Ueberlegung, daß eine Tätigkeit, mag sie unmittelbar oder mittelbar vollführt sein, stets deutlichere Vorstellungen zeitigt als eine passive Versetzung in einen Zustand, durch ein Verbum finitum ausgedrückt. Es ist daher ganz natürlich, daß die älteren semitischen Sprachen sich der einfachen und deutlichen Medialformen zum Zweck des Passivs bedienten, und nur manche, auf einer hohen Entwicklungsstufe angelangt, erst das Bedürfnis hatten, eine neue Form zu diesem Zweck herauszubilden. 149 K. Brugmann, Kurze vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen, 2. Lieferung (Straßburg 1903) 601. 150 Brockelmann, GR II § 73; s. daselbst Beispiele für das Arabische und für das Aethiopische. 151 WO7 מיהוה מצעדי. גבר <von J. werden einem die Schritte gerichtet). Ps 3723, s. Brockelmann‘ ib. § 73b.