Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829939-2833255--46910-2833343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
215 Zeremonie und Mahlzeit anläßlich der ersten Haarschur, die eine ausführ־ lichere Beschreibung erfordert1. Ob man von Volksfesten anläßlich der Pubertät sprechen kann, ist auch noch sehr fraglich. Ueber die Aehnlichkeit zwischen der persischen und jüdischen Vorstellung von der מצדדי *tn-Feier vgl. m. The Doctrine of Merits 186, 6. Zu den Berichten in der Mischna über die Volksfeste in Ab und Tischri sollte die bisherige Literatur genauer geprüft werden. Dieser Stoff bildete des öfteren Gegenstand der Forschung. Obwohl man bisher kein endgültiges Urteil, das sich allgemeiner Ueberein- Stimmung erfreuen durfte, fällen konnte, so ist eine vollständige Zusammen- Stellung der Ansichten nützlich als Basis der Untersuchung. Soviel steht wohl fest, daß die Amoraim selbst nicht mehr genau die Bewandtnis dieser Feste kannten. Im zehnten Kapitel werden Sitten ohne magischen Eins chlag besprochen. Solche sind die Bedeckung der Haare bei den Frauen, die Barhäuptigkeit bei den Männern, darüber vgl. bereits oben zu S. 10. Ferner werden noch einige HochzeitsundTrauersitten angeführt. Im einzelnen ist zube-־ merken, daß der Brauch des Fastens am Hochzeitstage wohl mit dem Gedanken zu verbinden ist, nach welchem man durch Fasten zum Kindersegen gelangen kann, vgl. Jahrbuch I, S. 289. Ferner ist zu beachten, daß auch bei einem Todesfälle gefastet wird. Die Sitte, Sack oder Vorhänge am Trauerhause anzubringen, findet man auch im Hochzeitshause oder in der Geburtsstube. Die Beobachtung lehrt, daß ähnliche Bräuche und Handlungen in diesen drei wichtigen Lebenslagen und Lebensäußerungen auf eine tiefer liegende Ursache und alte Vorstellungen hin deuten. Wichtig ist der Gebrauch von schwarzen und weißen Trachten. Schwarz ist die Farbe des Unheils und der Sünde, weiß die der Unschuld. Zuletzt verweist Verf. auf die Wichtigkeit des etymologischen Materials für die Geschichte der Sittenkunde. Wir bezweifeln, ob die jüdische Ehe tatsächlich irgend welche Anlehnung an die Raubehe hat, Die angeführten Beispiele und Vergleiche sind recht interessant und lehrreich. Sie verdienen unter diesem Gesichtspunkte eine weit umfassende und eingehende wissenschaftliche Untersuchung. Zuletzt spricht Verf. vom Weltbild. Das Bild der Welt wird analog den Erscheinungsformen des täglichen Lebens dargestellt, z. B. Topf, Becher. Hierher gehören die Vorstellungen vom Nabel der Erde. Es gibt noch andere Vorstellungen, die der Verf. nicht berührt. Die kleine Stadt in Eccl 9, 14 ist die Welt, Gen. r. 33, 1. Die zwei Welten verhalten sich zu einander, wie Sabbat zum Werktag, Meer und Land, Wüste und Stadt. Ruth r. 3, 3, Eccl. r. 1, 16, Pirke RE. K. 43. Stoisch ist der Gedanke, daß die Welt einem Hospiz gleicht, s. MGWJ. X 348. Die Lehre vom Nabel der Welt spielt eine ganz bedeutende Rolle in der Agada, so ist Zion der Nabel der Welt. Joma 54B, Sifre 76a, 148a, Pesikta 25a, Pes. r. 34a, Pirke RE. K. 11, Joma 5, 4 und DEZ. K. 9. Das Heiligtum in der Mitte der Welt, Jub. 8, 12 u. 8, 19; das Paradies, s. Harnack, Örigenes I 33, Tiberias die Mitte Palästinas, b. Meg. 6a, Pirke K. 35, Sanh. 37a, ferner die Arbeiten von Roscher und Wensinck und HB. XVII 93. Zur Vorstellung vom Grundstein s. Jahrbuch I 284, vgl. auch Midrasch Konen, 2 a. Tanh. 134 B, M. Psalmen 47 d, Pal. Taanith 64 c, Pirke K. 10, Midrasch Abkhir in Jallcut § 145. Ueber die Sonne als Achse in der Hand des Zimmermanns, Gen. r. 64, b. Nid. 32a, auch bei Philo und Josephus, vgl. ferner Chwolson. Ssabier II 453, 723, 10. Die Sonne ist das Herz, der Geist, der König der Welt, s. HB. XIII 34. Der Norden hatauch unheilvolle Bedeutung, s. Dwir I 121, bes. Anm. 5. vgl. auch Midrasch Tadsche S. XVI, MidTasch Konen und Hizkuni, Crem. S. 3a. Im Schlüsse berührt Verfasser einige "hochwichtige Fragen, die nicht, nur die ,*’wissenschaftliche Forschung, sondern^״auch das praktische Leben׳ angehen. Diese verdienen, besonders in unseren Tagen, ernste Berücksichtigung, und das ganze Werk darf wohl der Beachtung aller, die sich für das religiöse Problem interessieren, recht warm empfohlen werden. London. A. Marmorstein. g. אבן ספיד II 47. Kohinker, H. S. A Sketch of the history of the B. I. 1