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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 210

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 kann darüber keinen Zweifel geben, daß man hier nicht von altpalästinensischen Ideen sprechen darf; vielmehr wurde die Engellehre von gelehrten Männern nach Palästina importiert. Man kann dieses besonders gut beobachten, wenn man die Lehre von den Engeln, die in den Lehrhäusern der Tannaiten geläufig war, mit der in den Lehrsätzen derAmoräer aufmerksam vergleicht. Die zweite Lehre ist allgemein anerkannt und gehörte zu den landläufigen Ansichten beider, vgl. vorläufig die Zusammenstellung im Jahrbuch für jüd. Volkskunde I 307—310. In der Beurteilung der rabbinischen Engellehre ist auch der vielfach gegen die Juden erhobene .Vorwurf einer Engelanbetung zu berücksichtigen, vgl. Kerygma Petri, ed. v. Dobschütz S. 51, TU. 1893. W. Leucken, Michael, Gott. 1898, S. 4, 13, 62, 100, Contra Cels. I 26, 5, 6, Lightfoot, St. Pauls Epistie to the Collossians S. 90 ff., P. Wendland, Hellen, röm. Kultur, S. 152 und J. Geffcken, Zwei gr. Apologeten S. XXXIII. Die Aussprüche der Tannaiten und Amoräer über Dämonen lehren in unzweideutiger Weise, daß man hierbei nicht von einem ״Bauernglauben“ sprechen darf. Da doch die meisten der hierher gehörigen Nachrichten mehr oder weniger wohlbekannten Autoritäten, Lehrern und Predigern, angehören, so ist es nicht zu begreifen, wie man dieselben einer ,,Bauernreligion“ zuweisen kann oder darf. Wie verhält es sich aber mit den דרכי אמורי im 6. Kapitel der Tosefta Sabbath? Es ist richtig, daß dieser Katalog heidnischer Gebräuche von den Rabbinen zusammengestellt worden ist, um ihre Mißbilligung und Verurteilung desselben auszudrücken. Die Frage ist aber, ob wir diese Sitten und Gebräuche als altpalästinensische, dem ersten Jahrhundert angehörig und als bäuerisch bezeichnen dürfen? Hier sind noch gründliehe und eingehende Vorarbeiten und Versuche am Platze. Die Tosefta bedarf einer literar- und religionsgeschichtlichen Untersuchung. Wir besitzen zwar eine noch immer wertvolle Abhandlung über diese Bräuche von E. L e w y im dritten Bande der Zeitschrift des Vereines für Volkskunde, die in den meisten Werken über Volkskunde zitiert wird. Allerdings legt L e w y den Schwerpunkt der Vergleiche und Erklärungen auf den Einfluß der abendländischen, d. h. griechisch-römischen Kultur, wiewohl doch heute eine Berücksichtigung der ebenso wichtigen morgenländischen nicht zu unterschätzen ist. Wie wir aber bereits gezeigt haben (Jahrbuch I 282 ff.) und im Laufe dieser Besprechung noch öfters Gelegenheit haben werden, darauf zurückzukommen, waren die דרכי אמורי in ihrer derzeitigen Gestalt den pal. Lehrern vor dem letzten Viertel des 3. Jahrhunderts noch unbekannt. Man hat gute Gründe zu bezweifeln, ob diese Baraita überhaupt palästinensischen Ursprungs ist und ob man darin ״altpalästinensische'Bauernreligion “ zu sehen berechtigt ist. Hier liegt noch ein weites unbebautes Feld. Allein, wenn wir auch den Bezeichnungen altpalästinensisch und Bauernglaube nicht zustimmen können, so muß doch volles Lob und Anerkennung der Belesenheit und dem Fleiße gezollt werden, mit welchem die Literatur aus allen hierhergehörigen Gebieten Religionswissenschaft, Volkskunde, Anthropologie und Ethnologie zusammengetragen ist. Wir gehen nun zu den einzelnen Kapiteln über, in dem wir eine kurze Inhaltsangabe der Abschnitte geben und ihr unsere Bemerkungen folgen lassen. Der G eisterglaube bildet den Gegenstand des ersten Kapitels (S. 1—31). Hier werden die Vorstellungen von Geistern, Engeln, Dämonen, guten und bösen, Aufenthalt derselben besprochen; insbesondere die Ver- Wandlung von Gottheiten und Dämonen in Engel, von Sündern in Dämonen; ferner Trauersitten und primitive Tierverehrung. Die Engel- und Dämonenlehre ist viel zu kurz behandelt und bedarf einer erneuten und gründlichen Untersuchung. Die Idee von den Schutzengeln der Völker und später der einzelnen Dinge ist weder palästinensisch, noch bäuerisch, sondern echt platonisch, vgl. die Belege und Ausführungen bei Bigg, The Christian Platonists of Alexandria2, S. 29, 2 und früher, Dähne, Gesch. Darstellung II 64. Ebenso fordert die Behauptung des Vf., daß die Auffassung der Heidengötter als Dämonen, eine jüdisch ״ palästinensische sei, zum Widerspruch heraus. Die rabbinisehe Literatur bietet dafür keine Belege aus alter Zeit. Im Gegenteil: sie lehrt, daß die Götzen eitel und nichts seien (אין בהם ממש), während die Dämonen eine höhere Stufe behaupten. Der vom Verfasser erwähnte Standpunkt ist ein philosophischer und ist alexan-

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