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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 202

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph
Date
1926-01-01
Page
Seite 202 (sequence 1)
Language
German
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202 Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph. (Bemerkungen zu Eislers Aufsatz,) Von Dr. Gerhard Scholem in Jerusalem. Auf Eislers Frage: was denn eigentlich dagegen spräche, daß die 1357 von Flamel erworbene Hs. eines Juden Abraham tatsächlich das Buch des Juden Abraham Eleazar gewesen sein könnte? läßt sich, wenn man einmal Flamels Bericht über die Auffindung für historisch zuverläßig ansieht, nur durch eine Vergleichung der Schriften Flamels, die ja auf die Hs. jenes Abraham sich gründen, mit dem Buch des angeblichen Abraham Eleazar antworten. Weichen beide voneinander ab, speziell in den in beiden eine zentrale Rolle spielenden allegorischen Bilddarstellungen des alchemistischen Prozesses, so entfällt jeder Grund, eine Beziehung zwischen jenen beiden Texten anzunehmen. Stimmen sie überein, so bleibt nach wie vor die Frage offen, ob nicht eben auf Grund der Erzählung Flamels die Einkleidung des Buches gewählt worden ist, wie ich vermutete. Beide Werke stehen mir hier nicht zur Verfügung. Immerhin möchte ich betonen, daß auch auf mich das Buch, als ich es vor mehreren Jahren in der Hand hatte, in seiner literarisehen Form den entschiedenen Eindruck einer späten Fälschung machte, und auf Grund dieses Eindruckes schloß ich mich Kopps Anschauung an; ob mit Recht oder Unrecht, wird vielleicht jemand, dem das ganze Buch zugänglich ist, zu entscheiden hierdurch angeregt werden. Jedenfalls liegt mir ein großes Stück aus ״Des Juden Samuel Baruchs Gabe Gottes“ (im ersten Band des ״hermetischen ABC vom Stein der Weisen“, Berlin 1778) vor1, und die Terminologie dieses Buches weist bei allem betonten Judaisieren doch aufs entschiedenste auf seinen Ursprung in der Schule Jakob Böhmes hin, und Eislers in jedem Fall reichlich hypothetischer Schluß auf das Ende des XII. Jahrhunderts läßt sich vor solcher Terminologie nicht halten. Der spezifisch Böhmesche Gebrauch von Begriffen wie ״Centrum der Natur“ oder ״paradiesische Kraft“ verbietet, die Schrift vor das XVII. Jahrhundert zu datieren. Die Einschaltung hebräischer oder chaldäischer Vokabeln besagt natürlich nichts, das brachte im XVII. Jahrhundert jeder theologisch gebildete Fälscher fertig — abgesehen davon, daß die Böhme-Schüler überhaupt eine besondere Vorliebe für Durchsetzung ihrer Schriften mit hebräischen oder pseudohebräischen Vokabeln zeigen. (Ich weise etwa auf Abraham von Franckenbergs erst jüngst vollständig ediertes Werk ״Raphael oder Artzt-Engel“ hin.) Wenn also der angebliche Samuel Baruch mit Sicherheit als spätes Produkt erklärt werden kann, wird wohl, nach der Einkleidung des ganzen Werkes, der sich auf ihn berufende Abraham Eleazar a potiori kein Vertrauen erwecken können. Eislers Widerspruch gegen meine Ansetzung des Esch Me- 1 S. 61—70־. Die hebräischen Worte sind sehr elementarer Art, die unverständlichen ״chaldäischen“ wie Atea Zamzi die ersten Substanzen, oder Abdarossa das Zentralsalz, machen einen sehr bedenklichen Eindruck. Uebrigens ist Zentralsalz ebenfalls ein rein böhmescher Terminus!

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