Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 8)
- Language
- German
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201 Schriften zeigen — die Blüte zeitgenössischer Bildung, die volle logische Schulung eines Maimonides bzw. der zeitgenössischen Christliehen Scholastiker besitzen und doch die Lehre von der Möglichkeit der Metallverwandlung mit guten, heute als richtig erkannten Gründen gegen ihre nur mit Vorurteilen kämpfenden Gegner verteidigen. Wer dasselbe im Italien der Renaissance tat, war ein abergläubischer Bücherwurm1, der die Ergebnisse der Hinweise des ,,Geber“ auf die allein entscheidende Erforschung der Natur durch den Versuch nicht kannte und auf die Entstehung von ״Blitzessig“ durch Gewitter und die Auflösung von Gold in Weinessig wartete, während jeder Goldschmied schon Gold in Königswasser wirklich aufzulösen verstand2. Es bleibt noch zu erweisen, daß Juden der Neuzeit — und das wären jüdische Goldarbeiter und Wechsler oder Aerzte und Apotheker gewesen — sich praktisch oder literarisch noch mit Alchemie abgaben. Wenn man mittelalterliche Hand- Schriften abschrieb — und daß man das tat, beweist z. B. der späte Codex Gaster —so war es, weil die jüdischen alchemistischen Geheimlehren bei den Christen neues Interesse fanden, seit die Bewegung der ״christlichen Kabbala“ die Aufmerksamkeit auf das okkulte Schrifttum der Juden gelenkt hatte3. 1 Praktische metallurgische Kenntnisse sind ja auch dem Simon ibn Labi um 1560 (Scholem S. 29) zugänglich: das ,,Metall halb Gold, halb Silber aus Ophir“ ist das Blaßgold oder Elektron von Somaliland und Arabien, das als ,,weißes Gold der 4ammw“ (d. h. der Walad eAmm von Kataban) schon die Aegypter kannten (Lippmann 5313). Daß Ophir die arabische Küste des roten Meeres ist, hat B. Moritz in seinem neuen Arabienwerk endgültig erwiesen; ,,man schmilzt es ein, und läßt Gold und Silber gesondert hervorgehen“, ist der von den Lydern zur Zeit des Kroisos erfundene Kuppelationsprozeß durch Zusammenschmelzen mit Blei. 2 Vgl. 0. S. 1 5ל das absprechende Urteil des Simon b. Zemach Duran über die Alchemie. 3 Dieses Interesse ist zweifellos von Sopherim und zufälligen Besitzern alter Hss. — auch Nichtjuden — geschäftlich ausgebeutet worden. Es muß gar nicht ,,jedenfalls nur die freche Mythologie“ (0. S. 96) des Gluverius sein, daß die Juden keinen Christen für würdig halten, den אש מצרף zu lesen. Viel eher ist das wirklich die Behauptung eines schlauen Buchhändlers gewesen, der den Preis eines vielleicht bloß aus Knorr von Rosenroth ausgeschriebenen Manuskripts in die Höhe treiben wollte. Aber es ist nicht einmal gar so sicher, daß Cluverius nichts anderes als nur die Zitate bei Knorr benützt hat. Denn wenn diese — wie ich Scholem S. 97 gern glaube — ,,fast die ganze Schrift“ wiedergeben (in solch einem Text ist eben jedes Wort für einen Mann wie Knorr kostbar!), dann kann doch niemand (noch dazu ohne Cluvers Aufsatz gesehen zu haben — 0. S. 96!) beurteilen, ob dieser Alchemist Knorr’s Druck oder eine Hs. des א״מ vor sich hatte. Der starke Ausdruck Scholems deckt hier ein sehr schwaches Argument und noch, dazu ruhen auf diesen ganz unbewiesenen Verdächtigungen des Cluver die weiteren Behauptungen S. •104, daß ״außer Knorr v. Rosenroth kein Gelehrter das Es mesaref gekannt hat“, sowie daß ,,die alchemistischen Autoren, welche nach Knorr schrieben, das Buch sicher nur aus der Kabbala denudata kannten“. Nichts ist leichter möglich, als daß sowohl echte, wie interpolierte, um ein Kapitel vom Stein der Weisen erweiterte Hss. des tatsächlich vorhanden waren, ja vielleicht noch sind. Man darf auch nicht ohne.weiters sagen, Waite’s Angabe von einem Zitat des Pardes Rimmonim im ״stimmt nicht“. In dem von Waite erwähnten, von Sch. nicht gesehenen Drücken .kann sehr wohl eine solche Randglosse in den Text gerätem sein. Der durch unzuverlässige Angaben oft enttäuschte Bibliograph der Qabb'ala sollte doch den Glauben an die gelehrte und ungelehrte Mitmenschheit nicht g a n z verlieren!