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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zu S. Dubnows Geschichtswerk
Date
1926-01-01
Page
145 (sequence 1)
Language
German
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Zu S. Dubnows Geschichtswerk1. Von I. Elbogen in Berlin. Graetz״ ,,Geschichte der Juden“ leitete seinerzeit eine neue Epoche in der jüdischen Geschichtsschreibung ein. Daß das Werk durch die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung überholt und vermittels der bisher üblichen Art der Verbesserung nicht mehr recht brauchbar zu machen ist, wird heute von allen Fachmännern zugestanden. Wenn irgendeiner, ist Simon Dubnow dazu berufen, eine neue jüdische Geschichte zu schreiben; in seinen weitverbreiteten Werken hat er sich als ein Meister der Synthese, ein Künstler des architektonischen Aufbaus, als lebendiger, geistvoller Darsteller bewährt und einen zahlreichen Leserkreis für sich gewonnen. Andererseits darf ebenfalls als die allgemeine Meinung ausgesprochen werden, daß in absehbarer Zeit kaum ein einzelner Gelehrter imstande sein wird, eine wissenschaftlich fundierte Geschichte der Juden allein zu schreiben. Sie erstreckt sich durch so viele Länder und Zeitalter, umfaßt so verschiedenartige Zonen und Kulturen, erfordert so vielseitige und vielsprachige Quellenkritik, so innige Vertrautheit mit den verschiedenartigsten Problemen, daß nur einem Universalgenie eine volle Beherrschung des Stoffes zugetraut werden kann. Und so gewiß ein unersetzlicher Vorsprung einer Darstellung von einer Hand darin liegt, daß ein einheitlicher Geist in ihr herrscht, eine Auffassung, ein Stil, so ist die Gefahr kaum zu vermeiden, daß unter der Vielseitigkeit des Stoffes die Originalität leidet. Auch in den bereits vorliegenden Bänden des Dubnow’schen Werkes wird die Abhängigkeit von bekannten Darstellungen dieser Perioden oft nur allzu deutlich. Es ist schon dem Umfange nach keine geringe Aufgabe, der D. sich unterzogen hat; man muß seiner Gelehrsamkeit und seiner Arbeitskraft die höchste Bewunderung zollen, wenn man Band um Band mit solcher Geschwindigkeit erscheinen sieht. Dabei hat er sich die Aufgabe nicht leicht gemacht, vielmehr Quellen und Literatur sehr gründlich durchgearbeitet. Er hat methodisch richtig erkannt, daß die jüdische Geschichte nur im Zusammenhang mit der Weltgeschichte verstanden und behandelt werden kann; seine Bezeichnung ,,Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ ist freilich abwegig, da kein einzelnes Volk, auch nicht das über die Welt verbreitete jüdische eine Welt geschichte hat. Will man die Geschichte des jüdischen 1 Dubnow Simon, Weltgeschichte des jüdischen Volkes von seinen Üranfängen bis zur Gegenwart in 10 Bänden. Orientalische Periode, Band I: Aelteste Geschichte (XXXI u. 486 S. 8°), Band II: Alte Geschichte (604 S.), Band III: Vom. Untergange Judäas bis zum Verfall der autonomen Zentren im Morgenlande (595 S.). Autorisierte Uebersetzung aus dem russischen Manuskript von Dr. A. Steinberg, Berlin, Jüdischer Verlag 1925/26. Monatsschrift, 70. Jahigang. 10

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