Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 2)
- Language
- German
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131 gegenüber zusammengehörig erweisen lassen. Er erörtert nur die Grenzfälle, indem er gründlich beweist, daß Mf d i r e k t weder auf H noch auf P zurückgehe, ebensowenig P auf H. Demgegenüber dürfen wir vielleicht auf Grund des von Ehrentreu gebotenen Materials die Vermutung äußern, daß H und die Vorlage Von Mf e i n e Ueberlieferungsgruppe vertreten. In beiden findet sich nämlich eine eigenartige Lücke, die als solche ganz unzweifelhaft ist: aus der langen alphabetisch geordneten Liste P 18 fehlte in den Vorlagen von H und Mf der Anfang bis zum Buchstaben מ (S. 111—113). Ehrentreu führt diese Eigentümlichkeit S. 113 ausdrücklich auf die Urschrift X zurück und glaubt, daß P nachträglich ergänzt habe — ohne daß sich jedoch für diese Vermutung aus der Beschaffenheit des fraglichen Stückes heraus ein positiver Anhalt gewinnen ließe. Ganz analog ist das Verhalten der drei Rezensionen in folgendem Fall. In derselben Liste P 18, in der einmal vorkommende Wörter, die mit toi' anfangen, aufgezählt werden, findet sich das Schlagwort ומשמן. Dies ist in P als ומשמן (Ex 2921), *n H und Mf aber als ומשמן (Jes 144) verstanden: beides sind nur einmal vorkommende Wörter. Da die Beispiele im großen und ganzen nach der Reihenfolge der biblischen Bücher geordnet sind, so ist ziemlich klar, daß im Sinne des Urhebers der Liste die Auffassung von P die richtige ist. Das Einfachste wäre nun wohl zu vermuten, daß der Redaktor von X in seinem Werke nur die Schlagwörter geboten habe und daß die Bezeichnung der Verse (durch Anführung ihrer Anfangsworte) erst später in beiden Ueberlieferungszweigen unabhängig voneinander und im vorliegenden Einzelfalle in verschiedenem Sinne erfolgt sei. Dies ist jedoch nicht die Meinung Ehrentreus (S. 113—115; vgl. auch S. 155). Er glaubt vielmehr, daß schon der Redaktor von X über die Schlagwortform der Randmassora-Listen hinausgegangen sei, und nimmt infolgedessen an, daß er bei ומשמן die Absicht seines Gewährsmannes mißverstanden habe, daß -dieser Irrtum aber dann von P bemerkt und richtig gestellt sei. Wir vermögen uns dieser Auffassung um so weniger anzuschließen, als Ehrentreu schon selbst — wie wohl aus S. 155 entnommen werden kann — einigermaßen wankend geworden ist. — Da das אכלה ואכלה 'D, wie E, mit Recht betont, aus den Materialien der Randmassora heraus geschaffen ist, so wäre es für die Frage nach dem Ursprungsland und den sonstigen Umständen seiner Abfassung gewiß von Bedeutung, wenn man die Sondergruppe der Randmassora festlegen könnte, der das ם' אכלה ואכלה entstammt. Hier münden die speziellen Probleme der sekundären Massora, als welche man dieses Buch ansehen darf, in die allgemeinen der primären, für deren Behandlung Kahle — besonders in seinen ,,Masoreten des Ostens“ — die Wege gewiesen hat. Die Probleme der Randmassora sind umfassender als die der selbständigen Massora und auch insofern wichtiger, als wir von ihrer erfolgreichen Behandlung ungleich reichere Auf- Schlüsse über die Ueberlieferungsgeschichte der Bibel erwarten dürfen. Möchten daher auch sie bald einen Bearbeiter finden! A. Spanier. Walter von Hauff, Sexualpsychologisches im A. T. (Arbeiten aus dem sexualpsychologischen Seminar von Prof. W. Liepmann, Berlin, Band I, Heft I), Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag, 1924, 60 S. Das Schriftcken eröffnet eine Sammlung, die zu reiner und unbefangener Schätzung des Sexuellen anleiten will. Unter diesem Gesichtspunkte interessiert den Verf. die Frage, ob die asketischen Ström u n g e 11 im Christentum, die ,,den langsamen Selbstmord heilig sprechen“ (S. 52), etwa aus dem jüdischen Mutterboden des Christentums stammen oder woher sie sich sonst geschichtlich erklären lassen. Er untersucht daher zunächst die vorexilische Religion. In drei Kapiteln (der Ursprung des Lebens, die Ehe, der Volksgott als Eheherr des Volkes) weist er ganz richtig nach, daß sich die Religion Altisraels zwar von den Ausschweifungen der semitischen Naturkulte weit entfernt hielt, aber nie zur Askese geneigt, vielmehr eheliche Fruchtbarkeit stets hochgeschätzt hat. Aus der natürlichen Stellung zum Geschiechtsieben ergibt sich nach ihm die durchaus unbefangene Ausdrucksweise mancher biblischer Büeher, die er (S. 30, 42) gegen den ״unpsychologischen“ Vorwurf der ,,Derbheit“ in Schutz nimmt. Und es ändert 9*