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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 130 (sequence 1)
Language
German
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130 Besprechungen Ernst Ehrentreu: Untersuchungen über die Massora, ihre geschichtliche Entwicklung und ihren Geist. —ל• Hannover 1925: H. Lafaire. VII u. 161 S. (Beiträge z. semit. Philologie u. Linguistik. H. 6.) Bekanntlich ist uns die Massora in zwiefacher Gestalt überliefert: teils als Glosse, die in den Bibelkodizes an den Seiten der Kolumnen und an den oberen und unteren Rändern einherläuft, teils in Form eines selbständigen, vom Bibeltext losgelösten Werkes. Dieses Werk — denn nur eins seiner Art scheint es zu geben (wobei wir von Kommentaren zur Massora, die schon frühzeitig entstanden sein mögen, absehen) — ist das nach seinen Anfangs- Worten sogenannte Buch Ochla we-ochla, das nun freilich in jedem seiner drei Texteszeugen — es sind ein Pariser Kodex (P), ein Hallenser Kodex (H) und die zuerst in der Bombergschen Bibelausgabe 1524—25 gedruckte Endmassora (Mf) — eine von denen der beiden anderen stark abweichende Rezension bietet. Die vergleichende Untersuchung dieser drei Versionen ist das Hauptthema der vorliegenden Arbeit, die wohl seit einem Menschenalter der erste größere Beitrag ist, der von jüdischer Seite zur Massoraforschung geliefert wird. Bei der Vernachlässigung, der diese Studien anheimzufallen drohen, ist das anregende und geschickt geschriebene Büch schon wegen der Wahl des Themas ein Verdienst, gleichgültig wie man sich zu seinen Ergebnissen verhalten mag. Kap. 1 u. 2 beschäftigen sich mit der Randmassora, und der Verf. darf für sich in Anspruch nehmen, hier den ersten Versuch einer Analyse ihrer formengeschichtlichen Entwicklung geboten zu haben. Wiewohl er hierbei wie auch sonst auf eine Heranziehung der östlichen Massora und der Targum- Massora verzichtet hat, ist der Versuch für den Bereich der tiberischen offenbar im wesentlichen geglückt. Gegen einzelnes kann man Bedenken haben. So stellt Ehrentreu S. 64 den Ausdruck א׳ב מן חד חד zu dem anderen א׳ב מן חד רחד in Gegensatz und übersetzt. jenen: ein alphabetisches Verzeichnis von je einem Beispiel für jeden Buchstaben des Alef-Bet (חד חד hieße ja nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch: je eines). Es bleibt dabei unklar, wie er א׳ב מן חד וחד übersetzen will. Aber ohnehin ist die Interpretation entschieden unrichtig. Da der analoge Ausdruck א׳ב מן תרין תרין ganz unverkennbar die Bedeutung hat: ein alphabetisches Verzeichnis zweimal verkommender Wörter, so heißt א״ב מן חד חד ein alphabetisches Verzeichnis einmal vorkommender Wörter. Der parallele Ausdruck aber א׳ב מן חד וחד bedeutet: ein alphabetisches Verzeichnis einmal vorkommender einander paarweise zuzuordnender Wörter. Man wird diese Auffassung in Mf überall bestätigt finden; in P ist das חד חד mit einer Ausnahme (Liste 18) durchweg in חד וחד geändert. Die beiden ersten Kapitel, die die Hälfte des Buches ausmachen, sind wohl der wertvollere Teil der Untersuchung. Bei fortschreitender Lektüre kann man sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Verfasser es zuweilen an dem nötigen Maß von Kritik fehlen läßt. Dafür zwei Beispiele! Die in gewissen Randglossen mehrfach wiederkehrenden Worte!חמסודה הגדולה שכתב ר' גרשום sollen nach E. nicht heißen die große Massora, die M. Gr. schrieb, sondern . . . die er schreiben ließ. Die Begründung dafür lese man S. 98 selbst mach. Dabei heißt es aber einmal sogar (S. 92) במסורה הגדולה שכתב ר' גרשום מידו! — Mit .מסורה גדולד ist hier wie anderwärts ein Ochla-Buch gemeint. Um so mehr sind wir überrascht, auf S. 122 f. zu erfahren, daß Raschi unter dieser Bezeichnung nicht eine bestimmte Massora-Sammlung verstehe, sondern die ,,Gesamtheit der ihm vorliegenden, bezw. bekannten Ochla-Listen“. Was den Verfasser zu dieser eigentümlichen Begriffserweiterung veranlaßt hat, ist gar nicht ersichtlich. Er verweist nur auf einen (mit Raschi nicht zusammenhängenden) Satz im ם׳ האשל des R. Isaak b. Jehuda מצאתי במסורתא רבתי דם' אכלה ואכלה und möchte in dieser Formel den ,,Gattungsbegriff einer bestimmten Art von Massora (nämlich der ,,großen“ zum Unterschiede von der ,,kleinen“)“ ausgedrückt sehen. Welche Unklarheit! Man kann zugeben, daß מסורתא רבתי hier nicht als Titel aufgefaßt werden kann; aber sollte nicht einfach zu übersetzen sein: ich fand in dem großen Massora- Werk Ochla we-Ochla . . .? — Der Verfasser scheint sich niemals die Frage vorgelegt zu haben, ob sich nicht von den drei Rezensionen des ם״ אכלה ואכלה zwei als der dritten

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