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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 und hat die Aufgabe, Lücken in den biblischen Erzählungen auszufüllen, Schwierigkeiten zu lösen. An jener Stelle mußte meine Untersuchung, von den lokalen Verhältnissen bedingt, auf eine einzige biblische Erzählung beschränkt bleiben. Hier will ich Sagen zu anderen Erzählungen der Bibel behandeln. 1. Melchfsedek. Melchisedek, König von Salem und Priester des Höchsten, begrüßt den Abraham bei der Rückkehr von seinem siegreichen Feldzug gegen die vier Könige. Er empfängt Abraham mit Brot und Wein und segnet ihn. Abraham aber gibt ihm den Zehnten von der gesamten Kriegsbeute (Gen 1418-20). Dies die Erzählung der Bibel, in einem Berichte, der den modernen Bibelerklärern so viel Kopfzerbrechens machte und mehr ,,sensus“ hervorgerufen als ״capita“. Auch die alten Exegeten der Agada haben, wenn auch nicht den Bericht im ganzen, doch die Melchisedekepisode als Problem empfunden und sich mit dessen Lösung beschäftigt — mit dem Unterschiede, daß die Modernen viel fragen und wenig antworten, während die Agadisten wenig fragen und viel antworten. Und es ist gut so, Durch diese ihre Methode haben unsere Alten auch für ihre späteren Epigonen ein Gebiet der Forschung geschaffen. Aufgabe dieser Forschung ist es, die Fragen zu finden, zu denen die Antworten gehören. Erst durch die Fragen werden die oft rätselhaften Antworten selbst verständlich. Diese im allgemeinen nicht leichte Aufgabe wird in unserem speziellen Falle durch eine sonderbare Gruppierung der Antworten oder Sagen noch um ein Bedeutendes erschwert. Und dennoch will ich den Versuch unternehmen. Melchisedek ist ein Gerechter1, ein Gelehrter, der den Abraham nicht bloß in den Vorschriften des Opferdienstes unterrichtet, sondern ihm die ganze Thora überliefert hat2. Abraham, Isaak und Jakob, die ,,Pfeiler der Welt“, verdanken ihren wirtschaftlichen Segen dem Verdienste Abrahams, daß er dem Melchisedek den Zehnten gegeben3. Melchisedek ist auch kein Geringerer als Sem, der Sohn Noahs, der Urahn Israels4. So die eine Richtung, die als die vorherrschende zu bezeichnen ist. Andererseits aber wird gesagt: Melchisedek hat sein Priestertum verwirkt, das dem Abraham gegeben wurde5. Wäre bloß eine der beiden Richtungen gegeben, so wäre die Frage nach dem exegetischen oder dogmatischen Hintergrund oder der psychologischen Keimwurzel der Sagen eine Frage, bloß eine Frage. Sie wird aber durch das gleichzeitige Vorhandensein beider Richtungen zu einer Schwierigkeit. War Grund und Interesse vorhanden, den Melchisedek zu verherrlichen, woher dann die Opposition gegen sein Priestertum? Hatte man aber Ursache, den Melchisedek zu verkleinern und ihm das Priestertum streitig zu machen, warum 1 Gen. r. LVI 10. 2 Gen. r. XLIII 6. 3 Gen. r. XLIII 8, Pes. r. Kap. 25, 127b. 4 u. 5 Vgl. weiter unten Text und Anmerkungen.

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