Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist das überlieferte Judentum eine Religion ohne Dogmen?
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
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75 {vgl. Köbez II16 a; 8 b). Wer aber deshalb ablehnt, die hier behände!- ten Glaubenslehren als Dogmen anzusehen, weil das Judentum seit Jahrhunderten der autoritativen Behörde entbehrt, welche über die Mittel verfügt, sich gegen Widerstrebende durchzusetzen, der müßte auch zu dem Schlüsse gelangen, daß es überhaupt kein für den Juden verbindliches Religionsgesetz mehr gibt, daß das Judentum als Religion dem Menschen somit keinen festen Halt mehr gewähren kann. Daß aber eine solche Schlußfolgerung in schroffem Widersprach steht־ zu dem Geiste des von Leo Baeck mit Begeisterung und echtem Idealismus gezeichneten ,,Wesens des Judentums'', braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Welche Stellung also auch immer der Rabbiner und Religionslehrer zu den Dogmen einnimmt, es ist seine Pflicht, der Gemeinde und der Jugend eine wahrheitsgetreue Darstellung von der Religion zu geben und die alten Dogmen nicht zu verschweigen. Kritik daran zu üben, bleibt ihm überlassen. Aus ostjüdischer Geschichte. Von Louis Lew in in Breslau. Die wichtigste und umfassendste Quellenpublikation aus neuester Zeit ist das Werk Dtlbnows über die Protokolle der ,litauischen Landessynode1. Zugrunde gelegt ist eine Grodnoer Handschrift. Ergänzungen und Varianten stammen aus Abschriften der Pinaxe in Brzesz und Wilna. Text und wissenschaftlicher Apparat sind ausschließlich in hebräischer Sprache gegeben. Die Veröffentlichung seitens Dubnows begann bereits 1909 in der Petersburger Zeitschrift Jewreiskaja Starina. Sie enthielt auch eine russische Uebersetzung. Der Krieg unterbrach die Arbeit. Die damalige russische Regierung hatte verboten, hebräisch zu drucken. Mit Kriegsende konnten die Protokolle zwar bis zum Ab- Schlüsse geführt werden; aber es fehlten die Zusätze und auch die notwendigen wissenschaftlichen Hilfsmittel. Jener Druck in zerstreuten Heften, die jetzt selten sind, nahm zehn Jahre in Anspruch, so daß die Protokolle der breitenOeffentlichkeit unzugänglich blieben. Diese Wunde des Krieges ist nunmehr geheilt. In der Einleitung gibt Dubnow einen Abriß der Synodalgeschichte Litauens und der Vierländersynode, die nach ihm etwa zwischen 1530 und 1580 entstanden ist. Letztgenanntes Datum ist jedoch unrichtig; bereits 1555 starb ein Präsident der Synode2. Der Verfasser behandelt ferner die Trennung beider vom Jahre 1623, den Aufstieg bis zum Jahre 1700 und den Niedergang, die Tätigkeit der Rabbiner der Hauptgemeinden auf den großen Weadim, Verfassung, Diäten, Abschriften der Protokolle, Vorarbeiten. Er macht auf den Reichtum dieser Fundgrube aufmerksam für die Erforschung der Ge- 1 פנקס המדינה או פנקס ועד הקהלות הראשיות במדינת ליטא קדביין תקנות ופסקים משבת שפ-ג עד שנת תקכיא .... ערוך בצרוף מבוא והערות ע״י שמעון דובנוב. עינות ברלין תרפיה. Hebr. Verlag ״Ajanoth“. 2 Lewin, Neue Materialien z. Gesch. d. Vierländersyn. III, Frkft. a. M. 1916, S- 38 (Jahrb. d. jüd.-lit. Gesellsch. XI 178).