Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
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451 Zeiten die Zahl der Einwohner; die Zahlen und Rechnungen gehen allerdings etwas durcheinander. — An Druckfehlern notiere ich: S. 25: Sukkah 51b (nicht a); S. 36: denn (nicht dann); S. 56: Tos. Ed. III (nicht II). Für die Zusammenstellung der jüdischen Berufe verweise ich auf eine interessante Stelle des Kosmas Indikopleustes (5, sc.), der in seiner “/p1a־c1avt*/.7j T0ft0־(p7.cp׳׳a alle Betätigung auf letzliche göttliche Anleitung zurückführt (cf. ed. Winstedt [Cambridge 1909] p. 121). Mit großer Befriedigung legt man dieses Heft aus der Hand, um zu der Fortsetzung, dem 2. Hefte, zu greifen, das die sozialen Verhältnisse behandelt. In derselben schönen Art, die das erste Heft gezeigt hat, gewährt uns der Verf. im 2. Teile einen Einblick in die sozialen Zustände in der Zeit um Christus. Erfreulich ist, mit welchem Erfolge der Vf. die Agada zu verwerten weiß. Durch genaue Erklärung der Begriffe, z. B. auch der Münzberechnung, wie durch Exkurse gelingt es ihm, das Verständnis zu erleichtern bezw. oft erst zu ermöglichen. Die Sprache des Büchleins ist im allgemeinen schlicht und ohne Anstoß; aber Ausdrücke wie ,,die Umgehung“ (S. 27) oder ,,um diese Verpflichtung drückte man sich“ (S. 48) atmen tendenziösen Geist; tendenziös ist es auch, wenn die ärmlichen Verhältnisse der Priester (S. 24) übertrieben und die Besitzlosigkeit der Hierarchie zu wenig gewürdigt wird. Auch der Rückschluß von der gegenwärtigen Lage der jüdischen Thorakundigen auf die alte Zeit (S. 28) erscheint sehr gewagt. Dennoch liegt gerade in den Einzelbemerkungen der größte Wert des Buches. Im einzelnen möchte ich bemerken: S. 2 ff.: Die Schilderung des Herodischen Hofes hält sich zu stark an die Herodes-Biographie in der Pauly-Wissowaschen Realencyklopädie. S. 19: Beim Namenglauben wäre auf Dornseiff, das Alphabet in Magie und Mystik, S. 54, zu verweisen gewesen, sowie auf die Handhabung heute, die keineswegs immer apotropäisch ist. S. 20: daß der ,,am ha-arg “ sich den Abgaben entziehen will, besagt weder sein Name, noch läßt darauf irgend ein Umstand schließen; es war mehr Unwissenheit als Böswilligkeit. S. 40: Die Prachtentfaltung des Herodes wird mit Unrecht auf seinen Ehrgeiz zurückgeführt; das will auch Josephus nicht sagen; hier ist der Wetteifer mit Rom entscheidend, der nicht bloßem Ehrgeiz entspringt. S. 47, 6: Der Ausdruck ,,Brotbrechen“ will keine Arkandisziplin bezeichnen, sondern entspricht dem hebr. בציעת הפת. s. 51: Ueber den 2. Zehnten klärt auf Hoffmann, Leviticus 409 und Deuteronomium 213 ff. S. 58: Die hier mit Anführungsstrichen gebrachten Stellen zeigen doch keine wörtliche Uebersetzung. Nach der neuerdings von S. Krauß (Synagogale Altertümer) gegebenen Erklärung der zehn ,,Müssiggänger“ עשרה בטלנים dürfte die Anmerkung auf S. 34, 7 zu ändern sein. Druckfehler sind leider auch stehen geblieben, so 58, 6 muß es heißen: ant. XV, 7, 7 nicht 2. Zu dem hier besprochenen Teil II a, der den Untertitel ,,Reich und arm“ führt, ist noch ein Teil IIb zu erwarten, der ״Hoch und niedrig“ betitelt werden soll. Es wäre wünschenswert, wenn dann der Verfasser die talmudischen und midraschischen Quellen nach dem Original, nicht nach einer Uebersetzung beibringen würde. Auch sollten die Josephus-Zitate mit Paragraphen versehen werden. A. Posner. Mose ben Maimons Führer der Unschlüssigen. Ins Deutsche übertragen und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Dr. Adolf Weiß. I (CCCXXII und 394 S.); II (IX und 313 S.); III (VIII und 392 S.). Philos. Bibliothek Bd. 184 a XXX c; Leipzig, Meiner, 1923/24. .Wenige Jahrhunderte, nachdem Maimuni seinen ,,Führer“ veröffentlicht hatte, brach das aristotelische Weltbild zusammen. Daher steht die dauernde Wirkung des Buches, so außerordentlich sie auch war und so bedeutend sie in methodischer Hinsicht noch sein kann, doch nicht in vollem Verhältnis zu der wahrhaft gigantischen Leistung des Verfassers auf philosophischem, exegetischem, kulturgeschichtlichem Gebiete. Genau das umgekehrte Mißverhältnis zwischen der Leistung und der möglichen Wirkung besteht bei seinem neuesten Uebersetzer. Er hat mit einem äußerst bescheidenen Aufgebot an eigenem Wissen und Können an Grund der Vorarbeiten anderer Gelehrter eine durchaus brauchbare Arbeit geliefert, eine Arbeit, die die Wissenschaft nicht einen Zoll weiter bringt, aber solchen Lesern, die kein Hebräisch (oder gar Arabisch) verstehen 29*