Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 2)
- Language
- German
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450 dem er bald aber wieder skeptisch gegenübersteht. Ich möchte nicht referieren, was hier über die Jerusalemer Gewerbe und ihren Zusammenschluß (Handwerker und Zünfte), über den Fern- und Nahhandel, über den Fremdenverkehr, über die Festpilger (Berechnung der Wallfahrerzahl) vorgetragen wird; dies geschieht Alles sehr klar und instruktiv, zumal nach jedem Abschnitt in kurzen Sätzen das Fazit gezogen wird. Unbeschadet dieser vorzüglichen Anlage der Schrift weist sie im einzelnen neben zweifelhaften Deutungen auch offensichtliche Mängel auf. So wird der Name von Herodes des Großen Gattin Mariamne (wie bei Hebbel), S. 79, Mariam[m]e geschrieben; nur die Form Mariame ist als die griechische Umschreibung wissenschaftlich berechtigt. S. 9. Für die Existenz von Bücherschreibern in Jerusalem sei auf Sanhedrin 17b verwiesen, wo die Anwesenheit zweier פרפרים als notwendig vorausgesetzt wird, und wo es heißt, man dürfe nicht in einer Stadt wohnen, in der es keinen לבלר (libellarius) gäbe. — S. 14 (ebenso S. 68 und 76) wird die Synagogeninschrift des Theodotos ohne jede Literaturangabe gebracht, vgl. jetzt Deißmann, Licht vom Osten 4, S. 378. — S. 18 fehlt das Zitat für die Siloahquelle Josephus, b. V,?4410 § ־ (ayupopsac ebda, ist mit eimerweise schlecht übersetzt, besser krugweise). — S. 22 wäre Kautzsch, Die Heilige Schrift des A. T. nach der neuesten Auflage zu zitieren gewesen. — S. 24 wird für die berühmte Warnungstafel am Tempel auf Revue archdol. von 1872 verwiesen; es wäre jetzt zu nennen Thomsen, die lateinischen und griechischen Inschriften der Stadt Jerusalem ZDPV 44 (1921: auch gesondert bei Hinrichs, Leipzig erschienen). — S. 26. Die Auffassung, daß die goldenen Spieße auf dem Tempeldache der Abwehr der Vögel dienten, ist trotz Josephus (b. V, 5Ö, § 224) sehr zweifelhaft; Prof. Grotte hat vor Jahren wahrscheinlich gemacht, daß es sich um Blitzableiter handelt. — S. 28. In der Liste der Tempelbeamten (T. Scheq. II, 14/5) findet sich ein Arzt überhaupt nicht; der Arzt für die Priester, die durch das Barfußgehen auf dem Estrich leicht erkrankten, war, wie Preuß (Biblischtalmudische Medizin S. 13) wohl mit Recht annimmt, ein Priester. — S. 29. Die Josephus-Stelle a. 209, 7, § 220 scheint mir falsch aufgefaßt zu sein; u7usp toiut^q kann und wird sich auf wpav beziehen, so daß Josephus sagen will: der Lohn für die ,,Stunde“ (das ist keineswegs die Grundbedeutung von wpa) wurde sofort (nicht am Tagesende) ausbezahlt. — S. 41. Für Zimmt und Kassia wäre, neben Exod 3 023—25 au^ Plinius. nat. hist. 1242—3 zu verweisen. — S. 53. Das Verbot, B. Q. 82b, in Jerusalem Hühner zu halten, ist mißverstanden: 1. Die Hühner schaffen durch ihr Scharren nicht Unreinheit, sondern sie können dadurch verborgen liegende unreine Dinge aufwühlen, 2. da nur Hühner zucht (אין מגדלין heißt es) verboten ist, konnte man vorübergehend sehr wohl Hühner in Jerusalem halten, so daß Matth. 2674 u. a. Stellen gar nicht widersprechen. — S. 55. Zu Josephus a. 20 , 92, § 205 y^p-cnxov rcopianxoc cf. Strack-Billerbeck, Kommentar zum N. T. 85312."— S. 58. Jerusalem als Nabel der Welt (vielleicht schon Ez 55) gehört in die Omphalos-Lehre, ist nicht typisch, sondern topisch, vgl. J. J. Brawer, Palästina nach der Agada, S. 16 f. — S. 59 fehlt die Jos.-Stelle b. II, 122, § 228 ebda, wäre zu Jos. b. IV, 72, § 401 ff. auf Gittin 55b zu verweisen. — S. 64. Statt auf Jos. a. 310,1237 § י ff. hätte besser auf die biblischen Quellen hingewieseh werden sollen. — S. 65. Philo (Leben Moses [II] III 19) wird besser nach §§ (159) zitiert. — S. 68 ist Mi Taanith 13, sehr unklar wiedergegeben, der 7. Marcheschwan ist der letzte Termin der Heimkehr für die entferntest wohnenden Wallfahrer. — S. 78 fehlt das Zitat für Mirjam von Palmyra (Nasir 472). — S. 79. Die Beobachtung, daß die babylonischen Juden in Palästina nicht geschätzt wurden, mag richtig sein, es gibt aber auch gegenteilige Stimmen, z. B. Kethuboth lila. — S. 83. Von einem Nasiräat der Berenike im üblichen Sinne kann kaum die Rede sein, Josephus überträgt (b. II, 151313 § י), was er vom Nasirtum weiß, einfach auf das Gelübde der Berenike. — S. 89. Die Zahl des Josephus (b. V, 137, § 567) dürfte eine starke Abrundung enthalten, eine Einwirkung des Josephus auf Tacitus ist unmöglich; ihre häufigen Uebereinstimmungen erklären sich aus der gemeinsamen Benutzung derselben Vorlage, eines fiavischen Geschichtswerks (vgl. W. Weber, Josephus und Vespasian, Stuttgart 1921). — S. 91 ff. ist von besonderem Wert; die Errechnung der ״Festpilger“, die der Verfasser aus den überlieferten ,Zahlengaben in Verbindung mit den! im inneren Vorhof in Jerusalem zur Verfügung stehenden Raum gewinnt, ergibt die Zahl von 125 000, d. h. der Fremdenverkehr überschritt zu den Fest-