Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 445

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Akkadisch silu - "Gebieter" in Gen 49,10
Date
1925-01-01
Page
Seite 445 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829934-2833021--46589-2833092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

445 auch Qere und Ketib des vielumstrittenen Wortes trefflich passen. Das Qere שילו im samaritanischen Pentateuch und in 40 massoretisehen Hss. entspricht genau dem akkadischen sein, silu, während das Ketib שילה mit dem sog. graphischen Heb, dem alten Vokalzeichen für a1 offenbar sila, sela zu lesen ist2. Bekanntlich3 wurden die Kasusendungen — u, — i, — a des akkadischen in der hier in Betracht kommenden Zeit nicht mehr gesprochen und daher in der jüngeren Keilschrift ziemlich regellos durcheinander verwendet. So schrieb der Dichter von Gen 4910 ,,sila“, das alte Qere fügt silu, die richtige Nominativform, erklärend dazu. Beide Male ist das Wort ,,nach der Schrift“ wieder gegeben, so wie Engländer und Franzosen ,,the Kaiser“, ,,le Kaiser“ zu schreiben pflegten, wenn sie vom deutschen Herrscher sprachen, oder deutsche Zeitungen vom ,,Zaren“ oder gar ,,Czaren“ redeten, wenn sie den Selbstherrscher aller Reußen meinten. Das genaueste Gegenstück dazu aus der Entstehungszeit von Gen 4910 selbst ist die hebräische und akkadische Bezeichnung der ägyptischen Großkönige mit ihrem einheimischen Titel ,,Phara‘0“ (akk. pir‘u) prc3. Hätte der Dichter nicht an einen neuen Sargon von Akkad oder Sargon I. von Assur oder an einen neuen Samsi-Adad als künftigen sar kissatu, sondern an einen künftigen Sesostris oder Thutmosis III. als nb rdr ,,Herr der Welt“4 gedacht, so würde er gesagt haben, ,,‘ad ki jabho phara‘0 . . ,,bis ein Pharao kommt, dem die Völker sich unterwerfen“. Es besteht kein zwingender sachlicher Grund dafür5, mit Marti6 den ganzen Vers 10 auf Nebukadnezar zu beziehen und für spät -eingefügt zu halten. Warum sollte nicht wirklich schon zur Zeit Davids oder Salomos jemand für eine ferne Zukunft die Wiederkehr eines jener gewaltigen ,,Weltherrseher“ erwartet haben, denen in ferner Vergangenheit sich die Völker alle gebeugt hatten? — etwa wie wenn in neuerer Zeit ein Araber von einem Khalifen gesagt hätte: ,,sein Haus wird regieren bis Iskender-er-Rumi wiederkommt!“ . . Im Gegenteil ließen sich bei eingehender Untersuchung der ganzen Symbolik des Jakobssegens gute Gründe für die Zusammengehörigkeit von 499-n anführen7. 1 F. Hommel, das graphische ה im Minäischen, MVAG. 1897, 258—272; D. Nielsen, MVAG. 1906, 298 ff. 2 Das Qere שלה in den übrigen mass. Hss. entspricht (s. Gunkel a. a. O.) der Auffassung der Targumim, die שר לו — שלה£ verstehen wollten. 5 Ylvisaker, Gramm. 14. . 4 Sethe, Untersuch, z. Gesch. Aeg. II, 1, 16; Eisler, JRAS, 1922, 1712. 5 Der Versbau spricht jedenfalls gegen die Ausschaltung von 10b allein (Gunkel a. a. O.). 6 ZATW. XXIX, 137 f. 7 Der ,,Löwe“ ist ap^'.xov xal ßaaiMxov Of&ov (Bouche-Leclerq, Astrol. Gr. 438.) '0 Xsiüv syst s7d xyjc y.apoia<z äazipa, ßaatXiaxov Xsyö^svov, ov Xakocuoi v0|x(£0üa1 äpxeiv x Jj v oüpaviöjv (Schol. Arat. v. 148; Bouche 1392); gemeint a leonis, auch babylonisch sarrü — ,,König“ genannt, der ״reguluss. Kugler, Sternk., S. 29, Nr. 18; ״reges faeü et potentes ... in leonis parte secunda limpida stellet . . . in qua, qui nati fuerint, reges erunt patentes ... der 18. Grad ״dominos faciet ac prindpes et qui in populos haberent potestatem (= weh fiqhath ‘amiml). S. Bouche-Leclerq 439, die Planetenkonstellation im Löwen, das Königshoroskop des Antiochus von Kommagene. Die astro-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.