Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 421 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829934-2833017--46560-2833068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
421 dem kann leicht durch eine Umstellung des Textes abgeholfen werden. Also ein willkürlich geänderter Text soll als Beweis dienen1. Ebenso selbstverständlich ist es, daß eine Annahme nur dann als wahrscheinlich bezeichnet werden kann, wenn durch sie eine auftauchende Schwierigkeit sich glatt beheben läßt. Ist aber diese Annahme an sich nicht imstande die Schwierigkeit restlos zu lösen und ist dafür erst eine andere Erklärung nötig, so ist diese Annahme als willkürliche anzusehen. Danach bemerke ich (S. 91), daß mit der Annahme, daß die Mi. Sota VII, 8 zur Zt. des Agr. redigiert wurde, die von Hoffm. empfundene Schwierigkeit, daß in der Mi. nicht wie in der Baraita der von den späteren Tannairn ausgesprochene Tadel über das Vorgehen der zeitgenössischen Weisen gegen Agr. erwähnt wird, nicht aus der Welt zu schaffen ist, da doch die Frage weiter besteht, warum die Schlußredaktion dies nicht wie die Baraita erzählte. Darauf kann entweder geantwortet werden, daß unsere Mi. dies zu berichten nicht für nötig hielt, oder daß es ihr unbekannt blieb usw. Dann ist aber die Annahme, daß die Mi. zur Zeit des Agr. redigiert wurde, unbegründet, weil sie zur Lösung der aufgeworfenen Frage nicht beiträgt und wir gezwungen sind, zu einer anderen unsere Zuflucht zu nehmen. Diesem Gedankengang, dem K. S. 100 zugänglich zu sein scheint, versteht er S. 97 nicht. Durch diese Methode wird die Wissenschaft nicht gefördert, sondern in den Augen Außenstehender in Mißkredit gebracht2. 1 Obwohl danach ein weiteres Eingehen auf die Darlegung K.s sich erübrigt, möchte ich doch noch kurz folgendes bemerken: K. glaubt meinen Einwand, daß R. Meir und Chakamim in der Mi. hier über die Zahl der roten Kühe kontroversieren, sodaß die Redaktion dieser Mi. nicht alt sein kann, dadurch entkräften zu können, daß er sein Steckenpferd reitet und erklärt, R. Meir und Chak. hätten nur eine alte Mi. erklären wollen. Er bemerkt nicht, daß ich diese Annahme mit den Worten (S. 94) ,,wenn auch die Ueber•• lieferung alt sein mag“ ins Auge faßte. Sie hat aber mit meiner Frage gar nichts zu tun, weil genau so wie die alte Ueberlieferung oder Mi. ein Interesse daran hätte, die Zahl der roten Kühe bis auf ihre Zeit festzustellen, müßte R. Meir diese Zahl bis auf seine Zeit fortführen, wenn er von anderen Kühen Kenntnis hätte, vgl. auch Pesikta, ed. Buber, S. 33a. Wenn ich nun weiter behaupte, daß aus Tosefta Para III, 8 gar nicht hervorgeht, daß noch eine Kuh tatsächlich bereitet wurde, so meint K., die Stelle sei nicht klar und er geht nun daran, sie zu erklären. Dieselbe Taktik wendet er auch (S. 93) an, in bezug auf die von mir (S. 108) angeführte Tos. Edujot, Anf. Gegen die Voraussetzung aller, einschließlich Halevys, daß dieser Absatz als Einleitung zum Traktat Edujot hier steht, erklärt er zunächst, daß sein Sinn nicht klar wäre und nachdem er die Stelle des einfachen Sinnes entkleidet hat, kommt er zum Schluß, daß sie mit dem Traktat Edujot gar nichts zu tun hätte. Wer Purzelbäume schlagen will, für den gibt es keine Beweise, da schließlich jede Stelle auf den Kopf gestellt werden kann. Allerdings hier in Para ist der Text der Tosefta nicht so klar wie in Edujot. Da gibt es jedoch Kommentare zur Tosefta, die nachgesehen werden können. Im übrigen brauche ich mich mit dieser Stelle umsoweniger hier zu befassen, als auch nach der Erklärung K.s in der Tos. noch immer nicht steht, daß die Kuh bereitet wurde (,,es ist nicht anzunehmen“, meint K., ,,daß nachdem alles vorbereitet war, die Kuh nicht verbrannt wurde“) und ich nun jetzt sehe, daß die Frage Hoffm.s, warum die Mi. nicht die achte Kuh der Tos. zählt und meine event. Annahme, daß sie gar nicht bereitet wurde, bereits von R. Jakob Emden in seinen Glossen zu Mi. Para III, 8 besprochen sind. 2 Windfuhrs Bearbeitung von Baba bathra ist mir erst nach Fertig- Stellung dieser Besprechung zugegangen. Die Arbeit wird in der nächsten Sammelbesprechung ihre Erörterung finden.